Auf Messers Schneide – William Somerset Maughams großartiger Roman

Cover der deutschen Übersetzung im DIogenes Verlag

„Auf Messers Schneide“, erschienen 1944, gehört mit Sicherheit zu den besten Romanen William S. Maughams. Es ist zum einen ein Roman über die Gesellschaft der 20er Jahre, zum anderen eine Satire über die High Society und drittens ein Roman über die Suche nach dem Sinn des Lebens, in dem Maugham selbst als Figur an dem Geschehen teilnimmt.

Es geht um Larry Darrell, der nach dem Ersten Weltkrieg auf der Suche nach dem Sinn in seinem Leben ist. Dafür löst er die Verlobung mit Isabel Bradley, mit der er seit Kindertagen befreundet ist. Seine Suche führt Larry von Chicago nach Paris und vor dort bis nach Indien. Im Laufe der Jahre begegnet Maugham Larry immer mal wieder, wobei Larry stets von seinen Fortschritten bei seiner Selbstfindung erzählt.

Cover der 1944 erschienenen Originalausgabe

Verwoben ist diese Geschichte mit den Schicksalen vieler weiterer Figuren, vor allem mit der oben genannten Isabel, die in Larry weiterhin verliebt ist, selbst dann, als sie den Banker Gray Maturin heiratet, der später während der Wirtschaftskrise so gut wie alles verliert. Isabels Onkel Elliot Tempelton ist die wohl schillernste Figur in dem Roman. Ein Snob wie er im Buche steht, ist er dennoch stets hilfsbereit und gutmütig. Für ihn gibt es nichts Wichtigeres als zu den Partys der Schönen und Reichen eingeladen zu werden, und wird er einmal nicht eingeladen, dann bricht für ihn im wahrsten Sinne des Wortes die Welt zusammen. Ebenfalls verbunden mit Larrys Suche nach Sinn ist Sophie McDonald. Beide kennen sich ebenfalls seit der Kindheit, doch Sophies Schicksal meint es alles andere als gut mit ihr.

Gene Tierney und Tyrone Power in der Verfilmung von 1946; © Warner Bros.

„Auf Messers Schneide“ ist ein groß angelegter und großartiger Roman, ein Roman, bei dem man möchte, dass er nie aufhört. Äußerst gelungen stellt Maugham Larry Darrell dem materialistischen Ansichten von Isabel und Onkel Elliot gegenüber, die Larrys Einstellung überhaupt nicht nachvollziehen können. Für sie zählt nur die soziale Stellung und das damit verbundene Vermögen. Leute, die nicht arbeiten, können sie sich überhaupt nicht vorstellen – der Witz hierbei ist natürlich, dass weder Isabel noch Onkel Elliot einer Arbeit nachgehen.

Daher macht Larry seine Freunde regelrecht sprachlos, als er eines Tages sagt, dass er einfach nur vor sich hinleben möchte und schauen, was passiert. Aus diesem Vor-sich-Hinleben entwickelt sich jedoch nach und nach seine Suche. Während Isabel Larry schlicht und ergreifend für verrückt hält, ist ihr Onkel froh, dass Larry weg ist.

Bill Murray als Larry Darrell in der Verfilmung von 1984; © Columbia Pictures

Äußerst unterhaltsam wirft Maugham dadurch einen satirischen Blick auf den Kapitalsimus, dessen Verehrer er letztendlich als hohl und oberflächlich entlarvt. Mithilfe eines subtilen, doch zugleich humorvollen Spottes macht Maugham sich über das Verhalten besonders der Amerikaner lustig.

Maughams angenehmer Schreibstil sowie die gewitzten Dialoge machen den Roman zu einem wahren Fest. So gelingt es ihm auch in den Kapiteln, in denen Maugham mit Larry über den Sinn des Lebens diskutiert und über Larrys Erfahrungen in Indien spricht, eine sanfte Leichtigkeit zu schaffen, die dennoch eine ungeheure, komplexe Tiefe in sich trägt. Kurz und knapp: „Auf Messers Schneide“ wird zurecht als William S. Maughams Meisterwerk bezeichnet.

Der Roman wurde 1946 mit Tyrone Power als Larry und Gene Tierney als Isabel großartig verfilmt. Edmund Gouldings Adaption orientiert sich beinahe wortwörtlich an dem Roman und Tyrone Power spielt Larry Darrell wirklich einzigartig, so als wäre die Figur aus dem Buch auf die Leinwand gehüpft.

1984 folgte dann das katatsrophale Remake mit Bill Murray als Larry. Der Film floppte damals (zurecht), selbst Regisseur John Byrum hält den Film bis heute für einen „großen Fehler“.

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