Grantchester – Eine Serie nicht nur für Agatha Christie-Fans

Bereits 2014 wurde die erste Staffel der englischen Krimiserie „Grantchester“ ausgestrahlt. Der Erfolg der Adaption der Kurzgeschichten von James Runcie war so enorm, dass die Serie inzwischen bei der fünften Staffel angekommen ist.

„Grantchester“ spielt in den 50er Jahren. In dem gleichnamigen Ort betätigt sich Pfarrer Sidney Chambers als Detektiv. Der gut aussehende Pfarrer hat es jedoch nicht nur mit Kriminalfällen zu tun, sondern auch mit jeder Menge Beziehungsproblemen, denn er zieht die Frauen quasi magisch an, was seinen Freund, Polizeiinspektor Geordie Keating, immer wieder zur Verzweiflung bringt.

Pfarrer und Kriminalfälle, da kommt man natürlich als erstes  – nein, nicht auf Heinz Rühmann – , sondern auf G. K. Chestertons Pater Brown. In dieser Hinsicht ist die Idee alles andere als neu. Dennoch wirkt die Serie dermaßen frisch und originell, dass man eine regelrechte Freude daran hat. Gespielt wird Sidney Chambers von Andrew Norton, der übrigens vor seiner Schauspielerkarriere Theologie studiert hat. In den Kurzgeschichten hat Autor James Runcie die Erinnerungen seines Vaters verarbeitet, der selbst als Pfarrer in einer kleinen Gemeinde tätig gewesen war. Auf diese Weise nimmt die Serie hervorragend die Scheinheiligkeit der Gemeindemitglieder aufs Korn.

Zugleich aber sind die einzelnen Fälle recht spannend, immer wieder witzig und rasant erzählt. In keiner einzelnen Folge gibt es auch nur irgendeine ruhige Minute. Stets wird die Handlung durch diesen oder jenen Zwischenfall vorangetrieben. Dabei wirken auch Sidney Chambers‘ diverse Beziehungsprobleme überaus unterhaltsam und amüsant. Auch alle anderen Figuren wirken hierbei recht sympathisch: ob es Sidneys Haushälterin Sylvia Maguire ist, die ihn stets zurecht weist, oder sein schüchterner Kollege Leonard Finch, der sich gerne hinter seinen Büchern versteckt und der seine erste Predigt über Kants kategorischen Imperativ hält.

Der Serie gelingt das Kunststück, trotz aller Unterhaltsamkeit, sich keineswegs von der Realität zu entfernen. Am eindringlichsten wird dies in der zweiten Staffel, in der sich die Rahmenhandlung um das Schicksal eines zum Tode verurteilten Jungen dreht. Diese ist so eindringlich erzählt, dass einem regelrecht die Sprache wegbleibt. Dabei spielt die Serie keineswegs den Moralapostel, sondern stellt die gesetzlichen Aspekte so dar, wie sie damals in England waren.

Kurz und knapp: „Grantchester“ ist eine erstklassige Serie, die keinen einzigen Durchhänger hat, sondern stets von neuem mit hervorragend konzipierten Geschichten zu gefallen weiß. Nicht nur etwas für Fans klassischer Kriminalstorys.

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