FuBs Klassikbox: Ich beichte (1953)

Michael Logan (Montgomery Clift) im inneren Konflikt; „I Confess“ (1953); © Warner Bros.

Spannend, spannender, am spannendsten. „I Confess“, Hitchcocks vorletzter Schwarzweißfilm, sollte man nur genießen, wenn man Beruhigungstropfen in der Nähe stehen hat. Für viele Kritiker zählt der Film, der in Deutschland auch unter dem Titel „Zum Schweigen verurteilt“ bekannt ist, zu den besten Arbeiten des Meisterregisseurs.

Die Handlung spielt in Quebec. Eines nachts wird der junge Priester Michael Logan von Otto Keller aufgesucht, der im Pfarrhaus als Hausmeister angestellt ist und bei dem Anwalt Villette als Gärtner arbeitet. Otto möchte beichten. Bei der Beichte erzählt er Logan etwas Ungeheuerliches: er habe vorhin Villette ermordet. Was Otto nicht erwähnt, ist, dass er als Priester verkleidet die Kanzlei aufgesucht hat. Als die Polizei erste Zeugen vernimmt, fällt der Verdacht auf Pfarrer Logan. Besonders verdächtig ist, dass er sich am Morgen nach der Tat mit einer Frau vor dem Haus des Anwalts getroffen hat. Denn auch Ruth Grandfort hätte einen guten Grund gehabt, den Anwalt zu töten.

Logan kann sich nicht gegen den Verdacht wehren, da er an das Beichtgeheimnis gebunden ist. Die Polizei nimmt ihn immer mehr in die Mangel. Schließlich droht ihm sogar die Todesstrafe, während Otto das Geschehen mit zunehmender Schadenfreude beobachtet.

Wie schon gesagt, wenn man sich diesen Film anschaut, sollte man darauf achten, dass einem der Puls nicht bis hoch zur Decke springt. Doch gehört „I Confess“ nicht nur zu den spannendsten Filmen Hitchcocks, sondern weist zudem noch eine erstklassige Optik auf, die teilweise an den deutschen Expressionismus erinnert. Zugleich ist „Ich beichte“ einer der düstersten und ernstesten Filme Hitchcocks. Es geht um Menschen, die in ihrer Existenz völlig an den Rand gedrängt werden und keinen Ausweg mehr finden, was dazu führt, dass sich mit den Krimielementen noch ein meisterhaft in Szene gesetztes Drama verbindet.

Bootsfahrt ins Unglück: Ruth Grandfort (Anne Baxter) zusammen mit ihrem früheren Freund Michael Logan (Montgomery Clift); „I Confess“ (1953); © Warner Bros.

Hervorragend gespielt wird Otto Keller vom deutschen Schauspieler O. E. Hasse, der der Rolle eine großartige Mischung aus Verzweiflung und Wahnsinn verleiht. Wie ein bösartiger Dämon schwirrt er ständig um Michael Logan (gespielt von Montgomery Clift) herum, ohne dass dieser sich wehren kann. Es ist einfach großartig, welche Kraft Montgomery Clift der Rolle verleiht, die man ihm in jeder einzelnen Sekunde abnimmt. Eisern hält er sich an die Regel des Gelübdes und ist sogar bereit, dafür zu sterben. Gleichzeitig zeigt er geradezu vollendet den inneren Konflikt, in dem er sich befindet und wie er manchmal kurz davor steht, das Geheimnis, an das er gebunden ist, doch zu brechen.

„I Confess“ gehört zu den packendsten und aufwühlensten Filmen, die ich kenne. Eine großartige Mischung aus düsterem Drama und Krimi, die einen vollkommen mitreißt. Damals waren viele Kritiker über den Film eher weniger begeistert. Erst nach und nach wurde die absolute Meisterschaft, die „Ich beichte“ in sich trägt, erkannt.

Ich beichte (AT: Zum Scheigen verdammt/OT: I Confess). Regie u.  Produktion: Alfred Hitchcock, Drehbuch: George Tabori, Darsteller: Montgomery Clift, Anne Baxter, O. E. Hasse, Karl Malden. USA 1953. 91 Min.

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