FuBs Fundgrube: „Schattenschwester“ von Simone van der Vlugt

In FuBs Fundgrube stellen wir Bücher vor, die es, nur noch antiquarisch zu kaufen gibt. In der Regel handelt es sich um Bücher, die wir bei einem unserer liebsten Hobbys, dem Besuch von Bücherflohmärkten, aufgestöbert haben. Bei einer unserer „Entdeckungsreisen“ stießen wir auf den Krimi „Schattenschwester“ der niederländischen Autorin Simone van der Vlugt.

Simone van der Vlugt schreibt eigentlich Jugend- und Kinderbücher. Mit „Klassentreffen“ aber verfasste sie ihren ersten, sehr erfolgreichen Krimi, dem mit „Schattenschwester“ ein zweiter folgte. Es geht um die Zwillingsschwestern Marjorlein und Marlieke. Die erste ist Lehrerin an einer Problemschule, die zweite arbeitet als Fotografin. Marjorlein wird eines Tages von einem ihrer Schüler mit dem Messer bedroht. Wenige Tage später wird sie ermordet. Als Hauptverdächtiger wird der Junge Bilal ermittelt, der sie damals in der Schule bedroht hat. Doch je mehr Marlieke der Sache nachgeht, desto mehr Ungereimtheiten treten ans Tageslicht.

Immer wieder habe ich das Buch zur Seite gelegt, da die Handlung ziemlich auf der Stelle trat. Und dennoch lag zwischen den Zeilen eine sonderbare Unruhe, die mich nicht mehr losgelassen hat. Schließlich habe ich mir den Roman erneut vorgenommen – zum Glück. Denn Simone van der Vlugt schreibt nicht nur sehr gut, sondern die Geschichte wurde von Seite zu Seite spannender.

In allererster Linie geht es um die Beziehung der beiden Schwestern untereinander. Aus den Ich-Perspektiven von Majorlein und Marleike ergibt sich dabei nach und nach ein immer düsterers Bild. Marleike fragt sich zunehmend, wer war ihre Schwester eigentlich wirklich?

Simone van der Vlugt verfolgt die durchaus verstörende Spurensuche mit psychologischer Raffinesse. Minutiös schildert sie, wie sich die einzelnen Figuren verändern, je mehr über die Vergangenheit ans Tageslicht tritt. Dabei kommt es immer wieder zu überraschenden Wendungen, von denen nicht wenige einem den Atem rauben.

„Schattenschwestern“ ist dabei ein eher ruhiges Buch. Die Autorin trägt nicht groß auf, aber das braucht sie auch nicht, denn ihre Stärke liegt im Subtilen, das der Geschichte eine beängstigende Atmosphäre verleiht. Immer tiefer wird man in den Strudel der Zusammenhänge gezogen, die sich nach und nach auftun. Und letztendlich lässt einen die Spannung nicht mehr los.

Für mich ist „Schattenschwester“ (trotz des wenig gelungenen Anfangs) eine echte Überraschung gewesen. Der feinsinnige Krimi hallt noch lange in einem nach.

Simone van der Vlugt. Schattenschwester. Diana Verlag 2007, 368 Seiten.

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