FuBs Klassikbox: Flucht ins 23. Jahrhundert (1976)

Logan 5 (Michael York) und Jessica 6 (Jenny Agutter) auf der Flucht; „Logan’s Run“; © MGM

Eigentlich sollte der Roman „Logan’s Run“ bereits 1969 verfilmt werden. George Pal, der mit Filmen wie „Wenn Welten zusammenstoßen“ (1951) und „Die Zeitmaschine“ (1960) nicht nur extrem erfolgreiche Filme produziert hatte, sondern dadurch auch in die Filmgeschichte einging, hatte die Rechte des Romans der beiden Autoren William F. Nolan und George Clayton Johnson erworben. Allerdings zerstritt er sich mit diversen Drehbuchautoren, die alle die Story anders konzipieren wollten als Pal, sodass das Projekt letztendlich zu den Akten gelegt wurde.

Jahre später erwarb die Produktionsfirma MGM die Rechte, um von der Science Fiction-Welle weiter profitieren zu können. Obwohl sich Roman und Film sehr unterscheiden, ist das Grundthema einer ewig jungen Gesellschaft gleich. Regie führte Michael Anderson, der ein Jahr zuvor mit „Doc Savage – Der Mann aus Bronze“ einen solchen Flop hinlegte, dass sich der oben erwähnte George Pal, der den Film produziert hatte, nach und nach aus dem Filmgeschäft zurückzog.

„Logan’s Run“ oder „Flucht ins 23. Jahrhundert“, wie der deutsche Titel lautet, war ein enormer Erfolg. Bei Kosten von neun Millionen Dollar spielte er 25 Millionen Dollar ein, trotz schlechter Filmkritiken. Die Handlung spielt im Jahr 2274. Nach einer globalen Seuche, welche ein Großteil der Menschheit vernichtet hat, leben die übrigen Menschen in einer mit Glaskuppeln überdachten Stadt. Für alle Belange des Lebens ist bestens gesorgt. Allerdings dürfen die Einwohner nicht älter als 30 Jahre werden. Um dies zu kontrollieren, wird jedem Menschen eine Lebensuhr implantiert, die anfängt zu blinken, wenn die Zeit abgelaufen ist.

Diese Menschen kommen zur „Erneuerung“ ins sog. Karussell, wo sie während eines Rituals getötet werden. Menschen, die sich diesem Ritual entziehen, werden als Läufer bezeichnet und von den sog. Sandmännern gejagt und getötet. Logan 5 ist ein solcher Sandmann. Ebenso sein Freund Francis 7. Doch als Logan 5 eines Tages ein kreuzförmiges Symbol findet, das der Großcomputer, der die Stadt und das Leben darin steuert, als ein Hinweis auf einen Ort namens Zuflucht identifiziert, gibt er Logan 5 den Auftrag, nach diesem Ort zu suchen. Dabei muss er sich als Läufer tarnen, was wiederum die Sandmänner auf ihn hetzt. Zusammen mit Jessica 6, die Mitglied einer geheimen Gruppe von Läufern ist, versucht Logan 5 nicht nur Die Zuflucht zu finden, sondern auch vor den Sandmännern, allen voran Francis 7, zu entkommen.

Das Ritual der Erneuerung beginnt; „Logan’s Run“ (1976); © MGM

Damals wurde „Logan’s Run“ wegen seiner erstklassigen Kulissen gelobt – sogar die ärgsten Kritiker konnten nicht anders, als diese positiv zu beurteilen. Die Kritiken bezogen sich daher auf den Umstand, dass die Handlung auf Kosten der Action und der Spezialeffekte zu oberflächlich bleibt.

Dennoch greift der Film ein Thema auf, das heute nicht weniger aktuell ist wie damals. Es geht darum, den Tod aus der Gesellschaft auszublenden und darum, ewig jung zu bleiben. Die beiden Autoren Nolan und Johnson betrachteten ihre Idee als eine Art Satire auf die Hippie-Bewegung, die Ende der 60er Jahre voll im Gange war. Der Film geht in dieser Hinsicht einen Schritt weiter, indem er – in Ansätzen – auf das Thema Schönheits-OPs verweist, mit dem sich die Bewohner der Stadt ein anderes Aussehen verschaffen können.

Cover der im Heyne Verlag 1977 erschienenen Übersetzung

Dadurch wirkt der Film nicht weniger aktuell als damals, versuchen doch auch heute mehr und mehr Menschen, sich durch solche OPs zu verändern oder auch zu „verjüngen“. Jugendlichkeit ist sozusagen zum Zwang geworden, der nicht nur von der Werbung propagiert wird, sondern z.B. auch die Voraussetzung für eine erfolgreiche Stellensuche ist. In diesem Sinne ist auch die Gesellschaft in der Zukunftsstadt keineswegs frei, sondern unterliegt einem Zwang, der sogar zu einer Beschränkung ihrer Lebenszeit führt.

„Logan’s Run“ wird damit zum typischen Vertreter der sozialkritischen SF der 70er Jahre und ist aufgrund seines stylischen Designs zugleich ziemlich untypisch dafür. Der Film scheint selbst aus einer eher späteren Zeit zu stammen und man muss sich jedes Mal vergegenwärtigen, dass er im Jahr 1976 produziert wurde. Das macht „Flucht ins 23. Jahrhundert“ zu einem der faszinierendsten Filme der 70er Jahre.

Durch den Erfolg des Films motiviert, schrieben Nolan und Johnson zwei Fortsetzungsromane. Seit dem Jahr 2000 ist immer wieder von einem Remake die Rede, bisher wurde das Projekt jedoch nicht weiterverfolgt.

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