FuBs Fundgrube: „Die Gespenstertruhe“

Die Anthologie „Die Gespenstertruhe“ zählt bis heute zu den besten Sammlungen klassischer Gruselgeschichten. Herausgegeben hat das Buch Martin Gregor-Dellin, das 1967 zum ersten Mal im Nymphenburger Verlag erschienen ist.

Obwohl ich Anthologien von Gespenstergeschichten sammle, war mir anfangs speziell dieses Buch völlig unbekannt. Durch Zufall und über Umwege stieß ich darauf, als mir in einem Antiquariat der zweite Band über den Weg lief. Dieser, ebenfalls von Martin Gregor-Dellin herausgegebene Band trägt den Titel „Die schwarze Kammer“ und stammt aus dem Jahr 1972. Dieser ist zwar nicht so gut wie „Die Gespenstertruhe“, dennoch sehr lesenswert.

Lange Rede, kurzer Sinn: Auf dem Buchumschlag von „Die schwarze Kammer“ wird der erste Band beworben, den ich mir natürlich dann auch antiquarisch besorgt habe. Die Frage ist nun, was „Die Gespenstertruhe“ so unvortrefflich macht. Die Antwort lautet: weil sich in dem Buch wirklich alle bekannten, klassischen Gespenstergeschichten die Klinke in die Hand geben. Daniel Dafoes „Die Erscheinung der Mrs. Veal“ macht gleich den Anfang – und ich finde, diese Geschichte muss einfach am Anfang stehen, da sie wie ein Opener für alle anderen Geschichten wirkt. Auch Bulwer-Lyttons Spukhausgeschichte „Das verfluchte Haus in der Oxfordstreet“ fehlt hier ebenso wenig wie Alxandre Dumas‘ „Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett“.

Der Band beinhaltet des weiteren die berühmten Geistergeschichten von Charles Dickens, Honoré de Balzac, Heinrich von Kleist, M. R. James, Heinrich Heine, Oscar Wilde, Mark Twain Edgar Allan Poe usw. – also wirklich keine der bekannten Spukgeschichten fehlt hier. Des weiteren hat Gregor-Dellin auch unheimliche Geschichten von Agatha Christie („Die letzte Sitzung“) und Truman Capote („Miriam“) mit aufgenommen. Ebenso wenig fehlt der Blick auf die klassischen asiatischen Geistergeschichten, von denen mit Pu Ssung-Ling und Ueda Akinari die wohl bekanntesten Vertreter vorhanden sind.

Wie oben bereits erwähnt, erschien 1972 der zweite Band. Noch im selben Jahr wurden beide Bände zusammengefügt und unter dem Titel „Das Gespenst im Aktenschrank“ im dtv-Verlag veröffentlicht. Es gibt auch noch einen „heimlichen“ dritten Band, der 1974 mit dem Titel „Das Wachsfigurenkabinett“ erst im Nymphenburger Verlag erschienen ist und 1979 erneut im dtv-Verlag. Dabei handelt es sich jedoch weniger um Gespenstergeschichten, sondern allgemein um unheimliche Erzählungen, wobei sowohl klassische als auch moderne Autoren vertreten sind. Doch sowohl der zweite als auch der dritte Band kommen an die Großartigkeit der „Gespenstertruhe“ nicht heran. Diese ist und bleibt einzigartig.

Die Gespenstertruhe. Geistergeschichten aus aller Welt. Hrsg. Martin Gregor-Dellin. Nymphenburger Verlag 1967, 464 Seiten.

 

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