Parasite – Bong Joon-Ho schreibt Filmgeschichte

Damit hatte wahrscheinlich niemand gerechnet: ein koreanischer Film erhält den Oscar in der Kategorie Bester Film. Damit ist die Gesellschaftssatire „Parasite“ der erste nicht-englischsprachige Film der in dieser Kategorie ausgezeichnet wurde.

Regisseur Bong Joon-Ho hat damit nicht nur den bisherigen Höhepunkt seiner Karriere erreicht, sondern ebenfalls Filmgeschichte geschrieben. Bong, der zunächst Soziologie studierte, bevor er sich der Filmkunst zuwandte, ist in so ziemlich allen Genres zuhause. Gleich mit seinem zweiten Spielfilm „Memories of Murder“ (2003) präsentierte er einen exzellent gefilmten Krimi, der auf einem wahren, bis heute ungelösten Fall beruht. Mit „The Host“ (2006) machte er sich nicht nur über die US-amerikanische Außenpolitik lustig, sondern lieferte zugleich den ersten koreanischen Monsterfilm ab. 2013 schließlich folgte unter seiner Regie die erste koreanische Produtkion mit internationaler Besetzung. In dem SF-Film „Snowpiercer“ griff er bereits jene Gesellschaftkritik auf, die er sechs Jahre später in „Parasite“ nochmals auf den Punkt bringen sollte: die immer größer werdende Lücke zwischen Arm und Reich.

Bei „Snowpiercer“ legte sich Bong damals mit Harvey Weinstein an, der den Vertrieb für die USA übernommen hatte. Weinstein wollte den Film kürzen, um aus „Snowpiercer“ einen reinen Actionfilm zu machen, was Bong allerdings nicht zuließ (Weinstein soll damals gesagt haben, der Film sei zu intelligent für das amerikanische Publikum). Dies sorgte bei Weinstein für große Verstimmung, was dazu führte, dass er den Film in nur wenigen Kinos laufen ließ.

Und nun sorgte Bong Joon-Ho erneut für Aufsehen. Denn „Parasite“ erhielt ja nicht nur den Oscar, sondern ein Jahr zuvor die Goldene Palme. Hatte damals ganz Korea bereits gejubelt, so gab es dieses Mal gar kein Halten mehr. Beide Preise sind nicht nur Auszeichnungen für Bongs großartige Filmkunst, sondern zugleich für den neuen koreanischen Film.

Der neue koreanische Film entstand Mitte der 90er Jahre. Die Entwicklung war an westlichen Kritikern völlig vorbei gegangen. Erst das Soldatendrama „Joint Security Area“ (2000), das auf der Berlinale 2001 gezeigt wurde, ließ sämtliche Filmexperten staunen. Danach ging es Schlag auf Schlag. Die Korean Wave kam ins Rollen und veränderte die Filmlandschaft – parallel dazu wurde K-Pop immer populärer. Heute gilt die koreanische Filmwirtschaft als der größte Konkurrent Hollywoods. Und durch den Oscar hat sich einmal mehr die These bestätigt: die besten Filme kommen zurzeit aus Südkorea.

2 Gedanken zu “Parasite – Bong Joon-Ho schreibt Filmgeschichte

  1. Ma-Go Februar 11, 2020 / 6:36 pm

    Es ist in der Tat erstaunlich was Südkorea für Filme produziert. Wirklich toll. Parasite habe ich zwar noch nicht gesehen, bin aber sehr gespannt darauf. Selbst wenn mir der Film jedoch nicht gefallen sollte, gibt es ja noch ein paar andere.

    • Film und Buch Februar 13, 2020 / 10:30 am

      Von Bong Joon-Ho sind eigentlich alle Filme hervorragend. Was ich immer wieder gerne sehe ist „Memories of Murder“, ein sehr guter Krimi. Es gibt eigentlich kaum einen koreanischen Film, den man nicht empfehlen kann. Leider kommen noch immer die wenigsten nach Deutschland.

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