J-Pop: Chai – Zwischen Punk, Rock und Pop und vor allem originell

Chai in dem Musikvideo „N.E.O.“; © Sony Music Japan/Burger Records

Chai ist die etwas andere Indie-Band aus Japan, die sich bereits 2012 gegründet, doch erst in den vergangenen zwei Jahren an zunehmender Bekanntheit gewonnen hat. Auf den Namen kamen die vier Musikerinnen, die vor ihrer Band-Karriere russische Literatur studiert hatten, wegen des Tees, den sie zusammen mit ihrem Professor getrunken hatten.

Im Gegensatz zu anderen japanischen Girl-Bands sind Chai alles andere als aufgestylt. Kana, Yuna, Mana und Yuuki wirken eher wie Comedians, treten fast immer in pinkfarbener Kleidung auf, doch ihre Texte sind tiefgründig und werfen zugleich einen satirischen Blick auf die moderne Gesellschaft. In dem Song „Good Job“ zum Beispiel, hinterfragen sie das japanische Patriarchat, das am liebsten keinen sozialen Wandel zulassen, sondern alles beim alten lassen möchte.

Die Band Chai in dem Musikvideo „Future“; © Sony Music Japan/Burger Records

Der Song „Future“ handelt von dem Wunsch eines freundlichen Miteinanders zwischen den Menschen. „I’m in Love“ macht sich lustig über die Trends beim Essen. Doch immer wieder kommen sie auf ihr wichtigstes Thema zurück: es geht nicht um das Aussehen bzw. das Äußere, sondern um den Menschen an sich, als Individuum. Auf diese Weise singen sie in „Curley Adventure“, dass sie auf sämtliche modischen Styles pfeifen, sondern sich so kleiden und frisieren wie sie möchten.

Auf diese Weise sehen sich Kana, Yuna, Mana und Yuuki als Feministinnen, was sich auch in ihrem zweiten Bandnamen bemerkbar macht. Denn neben Chai, bezeichnen sie sich auch immer wieder als N.E.O., als New Exciting Onna-Band, als neue aufregende Frauenband. Dabei kommt einem sogleich Ryuichi Sakamotos Band Neo Geo aus den 80er Jahren in den Sinn, und tatsächlich ähneln sich die musikalischen Stilrichtungen ein wenig: zwischen Pop, Punk, Rock und Experimental sorgen Chai für eingehende Melodien, manchmal melancholisch, manchmal auf den Putz hauend, doch immer äußerst minimalistisch.

2019 absolvierte die Band ihre erste Welttournee und brachte mit „Punk“ ihr aktuellstes Album heraus. Der Ideenreichtum der vier Musikerinnen scheint keine Grenzen zu kennen. Das macht sie in der Tat zu der zur Zeit aufregendsten (japanischen) Indie-Band.

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