Die Klunkerecke: The Mothman Prophecies – Tödliche Visionen (2002)

Reporter John Klein (Richard Gere) als die Katastrophe hereinbricht; „The Mothman Prophecies“ (USA 2002), © Concorde

Der Mothman gehört wohl zum bekanntesten Personal der urbanen Legenden der USA. Immer wieder gibt es Berichte über den geheimnisvollen Mottenmann, der angeblich stets dann erscheint, wenn ein größeres Unglück bevorsteht. Kein Wunder also, dass sich Hollywood dieser Figur angenommen und daraus einen Film gemacht hat.

Mit Richard Gere und Laura Linney hatte man auch schon das kleine Ensemble zusammen, das den gesamten Film trägt, eigentlich nur übertroffen durch die erstklassige Optik, mit der Regisseur Mark Pellington seinen vierten Spielfilm verziert. Basierend auf dem 1975 erschienenen Buch des Journalisten John Keel, erzählt „The Mothman Prophecies“ die seltsamen Erlebnisse des Reporters John Klein, dessen Frau nach einem mysteriösen Unfall gestorben ist. Kurz vor ihrem Tod zeichnete sie eigenartige Bilder, die ein Wesen mit rot glühenden Augen darstellen.

Eines Tages verschlägt es Klein auf unerklärliche Weise in die Stadt Poin Pleasant, in der es immer wieder zu Sichtungen des Mothman kommt. Während Klein gemeinsam mit der Polizistin Connie Mills versucht, das Rätsel zu lösen, bahnt sich eine Katastrophe an …

Man kann über den Film sagen, was man möchte, was Regisseur Pellington gelingt, ist, von Anfang an eine mysteriöse, dichte Atmosphäre zu schaffen, welche die ganzen 114 Minuten über anhält. Verbunden mit der bereits erwähnten großartigen Optik ergibt sich ein Mystey-Thriller, der gekonnt die Gefahren des Kitsch umschifft, auch wenn er gelegentlich haarscharf daran vorbeischrammt.

Mark Pellingtons Motivation besteht darin, Leute, denen etwas Unerklärliches widerfahren ist, zu verstehen. Dabei konfrontiert er die Figuren mit den gängigen Vorurteilen, dass es sich ausschließlich um Spinner oder um Wichtigtuer handelt. Ebenso mit den tragischen Konsequenzen, welche solche außergewöhnlichen Erfahrungen mit sich bringen, z.B. Trennung vom Partner und soziale Ausgrenzung. In dieser Hinsicht ist der Film soziolgisch und auch psychologisch recht genau, was sich wiederum positiv auf den Film als Ganzes auswirkt, da er auf diese Weise die Verbindung zur Realität nicht verliert.

Was ein wenig nervt, ist das ständige Läuten des Telefons bzw. Handys. In wohl kaum einem anderen Film wird so viel angerufen wie in „The Mothman Prophecies“. Vielleicht sogar ein wenig zu viel. Auf jeden Fall spielt Richard Gere den Politikreporter John Klein unglaublich gut. Man nimmt ihm die Rolle des Rationalisten und Skeptikers ab, der auf einmal die Welt nicht mehr versteht. Zunächst versucht er, für alle Vorkommnisse nach plausiblen Erklärungen zu suchen, bis er sich schließlich eingestehen muss, dass es keine solche gibt – für diese Gegenüberstellung zwischen plausibel und unplausibel findet Mark Pellington übrigens immer wieder schöne Bilder.

„The Mothman Prophecies“ ist dadurch eindeutig einer der besseren Mystery-Filme, welche um die Jahrtausendwende über die Leinwand flimmerten und von denen die meisten längst wieder in Vergessenheit geraten sind.

The Mothman Prophecies. Regie: Mark Pellington, Drehbuch: Richard Hatem, Produktion: Tom Rosenberg, Darsteller: Richard Gere, Laura Linney, Will Patten. USA 2002, 114 Min.

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