Die 90er: The Birdcage – Ein Paradies für schrille Vögel (1996)

Armand (Robin Williams) und Albert (Nathan Lane); The Birdcage (1996); © MGM

Anfang der 90er begann das, was man schlechthin als Hollywood-Krise bezeichnet. Regisseur Paul Schrader hielt diese in einem damaligen Spiegel-Interview vor allem für eine ästhetische Krise. Doch so schlimm war es gar nicht, wenn man mit einiger Distanz auf das letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zurückblickt. Und deswegen möchten wir in einer neuen Serie auf die 90er Jahre eingehen.

„The Birdcage“ gilt heute als eine der besten Komödien der 90er Jahre. Es handelt sich dabei um die Neuverfilmung des Theaterstücks „La Cage aux folles“ von Jean Poiret (1926 – 1992), das 1973 uraufgeführt wurde. 1978 wurde es bereits von Édouard Molinaro verfilmt. Damals spielten die Hauptrollen Ugo Tognazzi und Michel Serrault. In der Neuverfilmung von Mike Nichols übernahmen diese Rollen Robin Williams und Nathan Lane.

Nichols hatte bereits 1967 mit „Die Reifeprüfung“ Filmgeschichte geschrieben. Auf sein Konto geht auch die berühmte Kriegssatire „Catch 22“. So ist es kein Wunder, dass Nichols sich auch in „The Birdcage“ als absoluter Meister seines Fachs erweist.

Armand und Albert betreiben gemeinsam einen Drag Queen-Nachtclub. Auch privat sind sie ein Paar. Als eines Tages Armands Sohn Val mit der Nachricht kommt, dass er heiraten möchte, droht Chaos. Denn Vals zukünftige Frau ist die Tochter des erzkonservativen Senators Kevin Keeley, der mitten im Wahlkampf steckt …

Um es auf den Punkt zu bringen: „The Birdcage“ ist sowohl eine turbulente Komödie, als auch eine erstklassige Satire. Besonders die satirischen Elemente lassen den Film heute unglaublich aktuell erscheinen. Denn es geht um nichts anderes als um Toleranz gegenüber dem anderen, die speziell in unserer Zeit immer mehr abnimmt. In dieser Hinsicht macht sich der Film lustig über die (politisch) Konservativen, die Nichols als reine Materialisten und schlicht und ergreifend als dumm entlarvt. Man fühlt sich gar zu sehr an Trump und seine intolerante Amateurpolitik erinnert. Eigentlich sollte man daher den Film wieder in die Kinos bringen, ganz einfach deshalb, um ein Zeichen zu setzen.

Man kann ohne weiteres sagen, dass in „The Birdcage“ alles stimmt. Das Timing der Gags ist perfekt, die Farbgebung ist genial, die Optik erstklassig, die Dialoge pointiert. Dies liegt nicht allein an Nichols Können, sondern genauso an dem großartigen Ensemble: Robin Williams als Armand und der Theaterschauspieler Nathan Lane als Albert (sensationell, wenn Lane als Albert John Wayne karikiert). Nichtzuvergessen Gene Hackman als konservativer Senator und Dianne Wiest als seine spießige Frau.

„The Birdcage“ erhielt 1997 den American Comedy Award und den Screen Actors Guilt Award. Für die Kulissen bzw. das Szenenbild war er zudem für den Oscar nominiert.

The Birdcage. Regie u. Produktion: Mike Nichols, Drehbuch: Elaine May, Darsteller: Robin Williams, Nathan Lane, Gene Hackman, Dianne Wiest. USA 1996, 114 Min.

Ein Gedanke zu “Die 90er: The Birdcage – Ein Paradies für schrille Vögel (1996)

  1. Filmschrott August 31, 2019 / 2:30 pm

    Im Versuch, niemanden zu verletzen bzw. auf die Palme zu bringen, wäre das Teil heute so zahm, dass man nach 5 Minuten einpennen würde. Hier wird noch richtig schön mit Stereotypen um sich geworfen und trotzdem die richtige Botschaft vermittelt. Diese Einfachheit ist leider abhanden gekommen und das ist eine viel größere Krise, als sie die Neunziger jemals hätte haben können.

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