FuBs Klassikbox: Die Verdammten der Meere (1962)

Claggart (Robert Ryan), Billy Budd (Terence Stamp) und Kapitän Vere (Peter Ustinov); „BillyBudd“ (1962), © Allied Artists

Die Zeit der Seefahrerfilme war eigentlich fast schon vorbei, da drehte Peter Ustinov „Billy Budd“, einen der wohl außergewöhnlichsten Abenteuerfilme. „Billy Budd“ basiert zum einen auf Herman Melvilles berühmten Roman, zum anderen auf dem gleichnamigen Theaterstück.

Es geht um den jungen Matrosen Billy Budd, der 1797 auf ein englisches Kriegsschiff kommt. Durch seine ehrliche Art ist er schnell bei der Mannschaft beliebt. Doch an Bord befindet sich auch der sadistische Offizier Claggart, der Männer grundlos auspeitschen lässt. Billy möchte er als sein nächstes Opfer, doch die ehrliche Art des Jungen steigert in Claggart mehr und mehr seine krankhafte Wut …

Peter Ustinov in schwarzweiß gedrehter Film ist kein Abenteuerfilm im üblichen Sinn. Man findet hier keine tollkühnen Helden, die andere Schiffe kapern. Der Film spielt fast ausschließlich an Bord der Avenger, dem Kriegsschiff, auf das Billy unfreiwillig gebracht wird. Gleich von Anfang an herrscht dort eine angespannte Atmosphäre. Billy bekommt als erstes mit, wie einer der Matrosen ausgepeitscht wird. Und er begegnet dem unheimlichen Claggart. Fast scheint es so, als wäre er der Kapitän des Schiffes und nicht Kapitän Vere, der zwar streng. doch auch irgendwie gutmütig ist.

Das Kunststück, das Peter Ustinov nun fertig brachte, war, dass er „Billy Budd“ im Stil eines Film Noir drehte. Schließlich geht es unter anderem darum, dass ein gemeingefährlicher Psychopath die Mannschaft terrorisiert. Das ist natürlich vereinfacht dargestellt, denn in dem Film geht es um viel mehr: es geht um die Frage, ob das Gesetz tatsächlich jeden Sachverhalt be- bzw. verurteilen kann, es geht um die Frage der Schuld und damit um moralische Ansichten und inwieweit diese vertretbar sind.

Billy Budd (Terence Stamp) und Claggart (Robert Ryan) in der Kajüte des Kapitäns; „Billy Budd“ (1962); © Allied Artists

All diese Aspekte webt Peter Ustinov gekonnt in eine spannende Geschichte ein, die vor allem durch die Gegenüberstellung von Billy Budd und dem bösartigen Claggart lebt. Bei den jeweiligen Aufeinandertreffen knistert es regelrecht vor Spannung. Robert Ryan, der auf die Rollen psychopathisch veranlagter Bösewichte spezialistiert war, spielt hier Claggart auf eine so bedrohliche Weise, dass sich die Furcht der Mannschaft regelrecht auf den Zuschauer überträgt. Ihm gegenüber hatte Terence Stamp seine erste Filmrolle und war dafür gleich mehrfach ausgezeichnet und sogar für den Oscar nominiert worden. Peter Ustinov selbst führte nicht nur Regie, sondern schrieb auch am Drehbuch mit und produzierte den Film. Zugleich spielte er die Rolle von Kapitän Vere, der sich durch sein Klammern an die Pflicht selbst in die Zwickmühle bringt.

Kurz: „Die Verdammten der Meere“ ist ein erstklassiger (Abenteuer-)Film, der an Spannung kaum zu überbieten ist und der einem aufgrund der grundlegenden Fragestellung, um die es letztendlich geht, nicht mehr so schnell aus dem Kopf geht.

Die Verdammten der Meere (OT: Billy Budd). Regie, Drehbuch, Produktion: Peter Ustinov, Darsteller: Robert Ryan, Terence Stamp, Peter Ustinov, Melvyn Douglas, John Neville, David McCallum. England 1962, 123 Min.

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