M – Eine Stadt sucht einen Mörder (2018)

Auch im deutschsprachigen Raum versucht man sich an Remakes. Jedenfalls dann, wenn den Autoren und Regisseuren nichts Eigenes einfällt. So auch der österreichische Regisseur und Drehbuchautor David Schalko, der mit seiner Serie „Braunschlag“ Kultstatus erreichte, jetzt aber den Fehler beging, sich den Klassiker der Klassiker, nämlich Fritz Langs „M“, vorzunehmen.

Schalko machte daraus keinen Spielfilm, sondern eine sechsteilige Miniserie. Diese ist genau das Gegenteil von Langs Überfilm, nämlich einfach nicht spannend. Schalko beweist zwar, dass er es in Sachen Optik drauf hat und in dieser Hinsicht wirklich großartige Bilder komponieren kann, die sich gelegentlich, wie um Lang zu huldigen, am Expressionismus orientieren, aber das reicht bei weitem nicht aus, um daraus einen dichten Kriminalfilm zu drehen.

Vielleicht hat Schalko dies selbst bemerkt, denn schon bald setzt er den Fokus nicht mehr auf den Fall an sich, sondern auf jede Menge satirischer Seitenhiebe. Genau hier befindet sich der Regisseur und Autor dann auch voll und ganz in seinem Element, und wahrscheinlich wäre es besser gewesen, er hätte überhaupt eine Satire auf den derzeitigen Zustand unserer Gesellschaft gedreht. In „Braunschlag“ gelang ihm dies auf herrlich politisch unkorrekte Weise, in „M“ macht er sich vor allem lustig über die derzeitige österreichische Innenpolitik. Schön und gut, aber wie gesagt, reicht dies nicht für einen Krimi und schon gar nicht für das Remake eines Klassikers.

Auf diese Weise plätschert die Serie dann auch nur so vor sich hin, Schalko versucht gleich am Anfang ein bisschen auf „Es“ zu machen, was aber, trotz schöner Kamerafahrt, eher armselig wirkt. Nein, mit dieser Serie hat David Schalko nicht ins Schwarze getroffen. Er ist zwar ein erstklassiger Satiriker, aber hat sichtbare Probleme damit, einen erstklassigen Thriller zu kreieren. Dies macht sich dann besonders im Finale bemerkbar. Schalko war sicherlich bewusst, dass er Peter Lorres bisher unerreichtes Spiel nicht kopieren kann, also versucht er es auch gar nicht, sondern präsentiert stattdessen eine Mischung aus eher unaufgeregter Verbrecherjagd und Ehedrama. Dies führt dazu, dass ausgerechnet die letzte Episode zur langweiligsten der ganzen Serie wird. Schade, denn mit dieser Wucht von großartigen Bildkompositionen hätte Schalko einen wirklich großartigen Film drehen können.

M – Eine Stadt sucht einen Mörder. Regie u. Produktion: David Schalko, Drehbuch: David Schalko, Evi Romen, Darsteller: Sarah Viktoria Frick, Christian Dolezal, Gerhard Liebmann, Lars Eidinger, Moritz Bleibtreu, Dominik Maringer, Udo Kier, Bela B. Felsenheimer. Österreich 2018.

 

 

 

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