2019 – Wir leben mal wieder in einem Science Fiction-Jahr

Die Reise zum Mond (1902)

Science Fiction-Fans wissen längst Bescheid: 2019 ist das Jahr, in dem Rick Deckard Jagd auf Replikanten macht. Und nun hat uns die Zukunft mal wieder eingeholt. Mal wieder, da „“2012 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“ ebenfalls spurlos an uns vorbeigetrudelt ist.

2019 sieht für unsere Realität dann auch recht mau aus. Wir haben weder den Mars besiedelt noch ist Los Angeles eine japanische Kolonie geworden. Was bald hinkommen könnte, wäre, dass wir statt echten Tieren nur noch künstliche Tiere um uns herum haben werden. Jedenfalls dann, wenn es mit Umwelt und Natur weiter bergab geht.

Eigentlich steht uns daher der Film „“2022 – Die überleben wollen“ weitaus näher. Die Weltmeere sind leer gefischt, die Natur völlig im Eimer, eine reiche Elite suhlt sich in ihrer Dekadenz, während die restliche Menschheit in Armut und Elend lebt. Zu essen gibt es dann nur noch grüne Kekse.

So gesehen leben wir am Rande eine hausgemachten Dystopie, in der statt Zombies nur noch Dumpfbacken durch die Gegend torkeln. Und Idioten gibt es heutzutage schon mehr als genug. Man muss sich also keine Sorgen machen, dass die Menschen in Zukunft intelligenter sein werden. Und wenn man bedenkt, dass man mit Leuten unter einer Glaskuppel leben müsste, die Sanitäter und Feuerwehrleute angreifen, die wegen nichts Leute anpöbeln und mit Sicherheit nicht einmal ihren Namen richtig schreiben können, dann wäre es doch besser, unter einer Glaskuppel auf der Rückseite des Mondes zu wohnen, weil man dort garantiert seine Ruhe hat. So gesehen, haben sich sowohl die Literaten als auch die Filmemacher seit jeher ein zu positives Bild unserer Zukunft gemacht, egal wie düster dieses in den Romanen und Filmen auch aussieht. Denn, wie das bekannte Sprichwort sagt: Schlimmer geht immer.

Therapie für einen Vampir – Die Gruselkomödie aus Österreich

In Sachen Phantastik im Allgemeinen und Horror im Speziellen sind Österreichs Filmemacher ihren deutschen Kollegen einen großen Schritt voraus. Ein Grund dafür ist die unterschiedliche kulturelle Bewertung des Genres. Auf diese Weise entstand bereits 2014 die Vampirkomödie „Therapie für einen Vampir“, dessen österreichischer Verleihtitel „Der Vampir auf der Couch“ lautet.

Erzählt wird die Geschichte von Graf Geza von Kösznöm, der in den 30er Jahren Sigmund Freud aufsucht, um mit ihm über seine Eheprobleme zu sprechen. Denn von seinem untoten Leben hat er mehr als nur genug, seitdem seine Frau Elsa sich ständig darüber beklagt, dass sie sich nicht in einem Spiegel bewundern kann. Daher soll Freuds Asssistent Viktor von Elsa ein Proträt anfertigen, damit sie sich auf diese Weise betrachten kann. Doch damit beginnt erst das Schlamassel …

„Therapie für einen Vampir“ ist eine durch und durch witzige Komödie, die sich über die zunehmende Ich-Bezogenheit, Burn-out und Glücklichsein-Tipps lustig macht. Dabei wird keineswegs moralisiert, sondern auf köstliche und vor allem unerhört leichte Weise sowohl das Vampirgenre aufs Korn genommen als auch das sog. Mental Coaching, mit dem sich manche Leute ungeheuer wichtig vorkommen.

Österreichisches Filmplakat mit dem Verleihtitel „Der Vampir auf der Couch“

Dabei bleibt der Film keineswegs oberflächlich, sondern schafft eine in seiner Symbolik liegende Tiefe, die sich immer wieder im Spiegel offenbart. Klarerweise setzt Regisseur David Rühm der Gesellschaft im wahrsten Sinne des Wortes einen Spiegel vor. Doch geht er auch noch einen gewitzten und überaus satirischen Schritt weiter. Denn der Spiegel reflektiert nichts und das Gemälde möchte einfach nicht fertig werden. Rühm zeigt dadurch den derzeitigen Zustand unserer Gesellschaft, der sich in einer erschreckenden emotionalen und geistigen Leere präsentiert.

„Therapie für einen Vampir“ gewann 2015 den Internationalen Publikumspreis und blieb in Deutschland bisher dennoch ein Geheimtipp. Und dies trotz Starbesetzung. Graf Geza wird hervorragend von Tobias Moretti gespielt, und ebenso mit von der Partie ist David Bennent, der u. a. auch in Ridley Scotts Fantasyfilm „Legend“ mitwirkte. Karl Fischer erhielt für seine Rolle des Sigmund Freud den Österreichischen Filmpreis. Kurz: Wirklich sehenswert.

Therapie für einen Vampir. Regie u. Drehbuch: David Rühm, Produktion: Franz Novotny, Darsteller: Tobias Moretti, Jeannette Hain, Dominic Oley, Cornelia Ivancan, David Bennent, Karl Fischer. Österreich 2014, 83 Min.