Der Tod so kalt oder Mittelmaß in den Bergen

Regionalkrimis zahlen sich für die Verlage meistens aus. Kein Wunder also, dass auch Luca D’Andreas Debut gleich ein Bestseller wurde. Hier ist es Südtirol, wenn auch D’Andrea im Nachwort preisgibt, dass der von ihm beschriebene Ort der Handlung so nicht wirklich existiert. Aber was soll’s.

Nun ja, so richtig will „Der Tod so kalt“ dennoch nicht überzeugen. Auch wenn der Roman flott geschrieben ist und durchaus spannende Momente aufweist, so ist das Motiv der Hauptfigur Jeremiah Salinger, weswegen er hinter das Geheimnis der Bletterbach-Schlucht kommen möchte, ziemlich unausgegoren. Nachdem Salinger, von Beruf Dokumentarfilmer, nur knapp einer Lawine entkommen ist, versucht er, sein Trauma dadurch zu bewältigen, indem er sich mit dem oben genannten Geheimnis beschäftigt.

Nein, als Filmemacher kommt er natürlich nicht auf die Idee, daraus eine neue Reportage zu machen. Er will das nur für sich tun, um sich mit irgendetwas zu beschäftigen. Na ja, schon das wirkt wenig überzeugend. Luca D’Andrea versucht verkrampft, seinem Protagonisten so etwas wie eine naive Harmlosigkeit zu verleihen, die Salinger jedoch, schon aufgrund seines Berufs, überhaupt nicht besitzt.

Leider führt dies gleich zu einem zweiten Kritikpunkt. Denn Jeremiah Salinger kommt recht unsympathisch herüber. Manchmal glaubt man, eine Hipster-Version eines normalen Krimis in der Hand zu halten. Nicht nur das, Salinger bemittleidet sich immer wieder selbst, was dem Charakter ebenso wenig gut tut. Wäre all dies nicht, so wäre „Der Tod so kalt“ ein durchaus guter Krimi geworden.

D’Andrea jedoch stellt sich immer wieder selbst ein Bein. Gegen Ende besorgt dies dann für ihn sein Lektor, der die Logikfehler gnadenlos übersieht. So schleudert jemand eine Axt, nur um sie einen Absatz später in der Hand zu halten. Bei einer anderen Szene wirft Salinger einen Ast weg, um ihn kurz darauf nochmals wegzuwerfen.

Dennoch ist „Der Tod so kalt“ recht unterhaltsam, wenn auch nicht wirklich spannend. Die Grundidee ist wirklich gut, aber leider aus den oben genannten Gründen nicht wirklich überzeugend ausgeführt. Dennoch sollte man den Autor im Auge behalten, denn es kann nur besser werden.

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