Winna – Weg der Seelen (2015)

Mit über 14000 Zuschauern zählt „Winna – Weg der Seelen“ zu den erfolgreichsten Dokumentarfilmen aus der Schweiz. Im Jahr 2015 erreichte er Platz 15 der Kinocharts. Erstaunlich, wenn man berücksichtigt, um was es darin geht: um Geister- bzw. Aberglaube im Oberwallis.

Dennoch scheint die Regisseurin Fabienne Mathier damit einen Nerv getroffen zu haben. Der Erfolg des Films spricht jedenfalls für sich. Und, um es gleich vorwegzunehmen, der Erfolg ist mehr als nur berechtigt. Denn interessanter und faszinierender kann ein Dokumentarfilm kaum sein.

Fabienne Mathier interviewte alte Leute, die noch die Legenden und Berichte über den Gratzug kennen: Arme Seelen, die auf einem bestimmten Weg durch die Alpen wandern. Manche wollen diesen Gespenstermarsch mit eigenen Augen gesehen haben. Andere zeigen den Weg, den die Armen Seelen nehmen, auf einer Karte.

Parallel zu diesem allgemeinen Geisterglauben sprach die Regisseurin auch mit Menschen, die behaupten, selbst Geister gesehen zu haben oder sogar mit Geistern in Kontakt zu stehen. Eine ältere Frau ist fest davon überzeugt, mit ihrem verstorbenen Ehemann in Kontakt zu stehen,  eine andere Bewohnerin eines Dorfes im Oberwallis glaubt, dass ihr verstorbener Sohn immer wieder die Lampe im Wohnzimmer ein- und ausschaltet. Dann erzählt eine alleinstehende Frau von einem Poltergeist, der sie seit zehn Jahren plagt, und eine Art Schamanin oder Medium berichtet davon, wie sie den Geistern hilft, ins Licht zu finden.

Fabienne Mathier geht völlig objektiv an das Thema heran. Sie lässt die Menschen erzählen, ohne ihre Berichte oder ihre Überzeugungen zu kommentieren. Und genau dieser Punkt macht den Film zu etwas Besonderem. Hier werden nicht Leute vorgeführt, sondern ihre Wünsche, Hoffnungen und ihre Erfahrungen ernst genommen. Kein Parapsychologe, der seinen Senf dazu gibt, sondern es bleibt dem Zuschauer überlassen, was er davon hält.

Dieser Aspekt offenbart sich auch in der Schülerin Sarina, die Informationen über diese alten Legenden und Berichte einholen soll. Sie nimmt das, was sie erzählt bekommt, ernst, macht sich nicht über die Leute lustig, sondern ist interessiert an den teils unheimlichen Geschehnissen, die sich früher einmal ereignet haben sollen.

Zusammen mit Dorfbewohnern sucht sie ein Beinhaus auf, geht die Wege entlang, an denen sich der Gratzug gezeigt haben soll. Immer wieder gelingen Fabienne Mathier dabei grandiose Aufnahmen der Berglandschaft und der eingeschneiten Dörfer.

„Winna – Der Weg der Seelen“ ist ein einzigartiger, ein wunderbarer Dokumentarfilm, der auch nach mehrmaligem Ansehen nichts von seiner Faszination verliert.

Winna – Der Weg der Seelen. Regie u. Produktion: Fabienne Mathier. Schweiz 2015, 83 Min.

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