Begegnung in Samara – John O’Haras Abrechnung mit Amerika

John O’Haras erster Roman teilte die literarische Welt der USA in genau zwei Lager. Die einen fanden Begegnung in Samara aufgrund der recht freizügigen Darstellung von Sex sowie der rohen Sprache als geradezu verwerflich. Der andere Teil verglich den Roman mit den Werken Balzacs.

1934 erschienen, erregte der Roman großes Aufsehen und erlebte innerhalb kurzer Zeit drei Auflagen. Die Veröffentlichung erfolgte geradezu in Rekordzeit. Im Januar 1934 hatte O’Hara seinen ersten Roman fertiggestellt, im April wurde er vom Verlag Harcourt Brace angenommen und bereits im August desselben Jahres veröffentlicht.

Begegnung in Samara ist innerhalb eines engen Rahmens ein Roman über das Scheitern einer Ehe. Doch eigentlich ist es ein Roman über die USA, eine bitterböse Satire über die Mittelschicht, die sich in ihren Partys gefällt und jeden sofort ausschließt, der anders ist oder sich gegen das System stellt.

So ergeht es Julian English, der bei einer Party dem Schwätzer und Wichtigtuer Harry Reilly einen Drink ins Gesicht schüttet. Doch Reilly ist Mitglied und Vorstand in so ziemlich jedem Club der Kleinstadt Gibbsville. Und so braucht es nicht lange, bis Julian und seine Frau Caroline die Konsequenzen dieses Zwischenfalls zu spüren bekommen …

John O’Hara (1905 – 1970)

Obwohl John O’Hara noch mehrere Romane schreiben sollte (BUtterfield 8 wurde später mit Elizabeth Taylor verfilmt), so gilt sein Debut zugleich als sein bestes Werk. Es ist eine gnadenlose Abrechnung mit seinen Mitmenschen, die er als kleinbürgerliche Opportunisten entlarvt, die sich nichts trauen und noch dazu ungebildet sind, selbst dann, wenn sie einen Uniabschluss haben.

Der Roman wirkt beinahe so, als habe sich O’Hara all seinen Frust und seinen Ärger, den er über die Jahre angestaut hat, darin freien Lauf gelassen. Das zeigt allein schon die mit diversen Schimpfwörtern bespickte Sprache. So ist für O’Hara ein Arschloch nun mal ein Arschloch – und insgeheim pflichtet der Leser ihm bei. Durch diesen Stil besitzt der Roman durchaus auch autobiographische Züge. Denn ein Jahr vor erscheinen seines Debuts, scheiterte auch die Ehe mit seiner ersten Frau. Schuld daran war sein zunehmender Alkoholkonsum.

Und darum geht es ebenfalls in Begegnung in Samara. Julian English hat sich nicht mehr selbst unter Kontrolle, was seinen Hang zum Alkohol betrifft. Er entwickelt dadurch einen regelrechten Hang zur Selbstzerstörung, was sich natürlich wiederum negativ auf seine Ehe auswirkt. O’Hara schrieb sozusagen aus eigener Erfahrung.

Bis heute hat John O’Haras Erstling nichts von seiner Kraft und seiner Direktheit verloren. All seine Kritik und sein Spott haben heute nicht weniger ihre Berechtigung. Nicht nur bezogen auf die USA. Ein Roman, den man wirklich gelesen haben sollte.

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