J. R. R. Tolkien: Der Fall von Gondolin – Eine Rezension von Alexander Pechmann

Nach Die Kinder Hurins und Beren und Luthien präsentiert Christopher Tolkien zum dritten Mal eine der großen Geschichten aus dem ersten Zeitalter von Mittelerde; eine von jenen Geschichten also, die den mythologischen Hintergrund zum Herrn der Ringe bilden. Die Methode ist weitgehend dieselbe wie in dem vorigen Band: Der Herausgeber verdeutlicht den Entstehungsprozess der Sage vom Fall der Elbenstadt Gondolin von den ersten Entwürfen bis zu den letzten Versionen. Hinzu kommt ein ausführlicher Anhang mit Verzeichnis, Stammbäumen und einer Karte.

Die beiden umfangreichsten Texte des Bandes wurden bereits im Buch der verlorenen Geschichten und in Nachrichten aus Mittelerde veröffentlicht und dürften treuen Tolkien-Lesern bereits bekannt sein: Tuor wird nach Gondolin geschickt, um den König vor einem drohenden Angriff Melkos/Morgoths zu warnen. Er bleibt in der Stadt, heiratet die Königstochter und hat ein Kind mit ihr. Tuors eifersüchtiger Rivale Meglin verbündet sich mit Melko/Morgoth, um die Prinzessin für sich zu gewinnen und das Kind zu töten, und verrät dem feindlichen Heer aus Orks, Balrogs und Drachen den geheimen Weg in die Elbenstadt.

Die Urfassung der Geschichte besticht vor allem durch die ausführliche Beschreibung der Schlacht um Gondolin, wobei das Kriegsgerät – hohle Drachen aus Eisen und andere vage beschriebene Höllenmaschinen – deutlicher als sonst das Gefühl vermittelt, Tolkien habe hier seine eigenen Fronterfahrungen während des 1. Weltkriegs verarbeitet. In der letzten, sprachlich und inhaltlich ausgefeilteren Version steht Tuors Reise nach und Ankunft in Gondolin im Mittelpunkt, und man muss bedauern, dass der Text lange vor dem spektakulären Kampf um die Stadt abbricht.

Lesenswert ist das Buch für alle, die sich ausführlicher mit der Entstehung und Entwicklung von Tolkiens Sagenwelt auseinandersetzen möchten. Die üppige Aufmachung mitsamt farbigen Illustrationen, Lesebändchen und herausnehmbarer Karte macht es zudem zu einer prachtvollen Ergänzung einer jeden Tolkiensammlung. Christopher Tolkiens Lebenswerk, die kenntnisreiche Edition der verstreuten Texte, Notizen und Entwürfe seines Vaters, findet hier einen würdigen Abschluss.

J. R. R. Tolkien: Der Fall von Gondolin, Herausgegeben von Christopher Tolkien, Illustrationen von Alan Lee. Übersetzt von Helmut W. Pesch. Hobbit Presse/ Klett-Cotta 2018. Hardcover, 352 Seiten

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