FuBs Klassikbox: Mein Freund Harvey (1950)

„Harvey“ lautete eines der erfolgreichsten Theaterstücke, das in den 40er Jahren am Broadway gespielt wurde. Die Autorin Mary Chase erhielt dafür den Pulizter Preis. 1950, nachdem das Stück abgesetzt worden war, verfilmte Regisseur Henry Koster den Stoff, wobei er auf Teile des Theaterensembles zurückgriff. Mary Chase verfasste auch das Drehbuch.

Es geht um Elwood P. Dowd, der zusammen mit seiner Schwester und seiner Nichte Myrtle Mae in dem Haus seiner verstorbenen Mutter wohnt. Aufgrund Elwoods sonderbarem Verhalten, findet Myrtle Mae keinen Mann. Denn alle halten Elwood für verrückt, spricht er doch ständig mit einem unsichtbaren Riesenhasen namens Harvey. Ein Grund für seine Schwester, ihn ins Irrenhaus zu stecken. Doch damit beginnt überhaupt das Chaos …

„Harvey“ zeigt James Stewart in seiner wahrscheinlich besten Rolle. Diese unglaubliche Natürlichkeit, mit der er Elwood spielt, ist mehr als nur beeindruckend. Stewart hatte die Rolle bereits am Broadway gespielt, allerdings nur als Ersatzdarsteller. Zu dem damaligen Ensemble gehörten ebenfalls Josephine Hull, die Elwoods Schwester spielt, und Jesse White, der den Pfleger im Irrenhaus spielt.

Während James Stewart für seine Darstellung von Elwood zwar für den Oscar und den Golden Globe nominiert wurde, doch weder den einen noch den anderen Preis erhielt, wurde Josephine Hull als beste Nebendarstellerin mit beiden Preisen ausgezeichnet.

Das Besondere an „Mein Freund Harvey“ ist die absolute Leichtigkeit, mit der die Geschichte erzählt wird. Trotz des durchaus tragischen Hintergrunds (Elwood hat der Tod seiner Mutter schwer getroffen, worauf ihm Harvey erschienen ist), scheint die Handlung regelrecht zu schweben. Harvey, als eine Art guter Geist, ist immer da, wo sich auch Elwood aufhält. Gemeinsam besuchen sie diverse Kneipen und machen sich dadurch einen schönen Tag.

Damit legt der Film eine fast schon klassische Gegenübestellung vor: den Kontrast zwischen Fantasie und grauem Alltag. Während Elwood praktisch in seiner eigenen Welt lebt, versuchen um ihn herum alle, sein Leben in eine gewisse Bahn zu lenken. Besonders seine Schwester, die auf geradezu hinterhältige Weise versucht, Elwood wegzubekommen.

Doch gerade ihr Verhalten löst so richtig ein völliges Durcheinander aus, als sie ihn wegsperren möchte, damit ihre Tochter endlich in die Gesellschaft eingeführt werden kann. Die darauf folgende Kettenreaktion ist eine wunderbare Ansammlung von Gags und erstklassiker Situationskomik, von der heutige Komödien nur träumen können. Mehr sei hier nicht verraten, da dies sonst zu sehr die Überraschung wegnimmt. Nur so viel sei gesagt, egal wie oft man den Film schon gesehen hat, die Gags zünden jedes Mal von Neuem.

Insgesamt gab es fünf Remakes von „Mein Freund Harvey“ (die letzte von 1996), doch reichte keine der späteren Versionen an das Original heran. Das American Film Institut listete „Harvey“ auf Platz 35 der besten Komödien und auf Platz 8 der besten Fantasyfilme.

Mein Freund Harvey (OT: Harvey). Regie: Henry Koster, Drehbuch: Mary Chase, Produktion: John Beck, Darsteller: James Stewart, Josephine Hull, Peggy Dow, Charles Drake, Jessie White, Victoria Horne. USA 1950, 103 Min.