Hotel Savoy – Eine literarische Begegnung mit Joseph Roth

Cover der Erstausgabe von 1924

Joseph Roth (1894 – 1939), über den der rasende Reporter Egon Erwin Kisch bemerkte, er saufe wie ein Loch, verfasste mit „Hotel Savoy“ (1924) nicht nur einen Heimkehrerroman, sondern zugleich eine Mischung aus Satire und melancholischer Betrachtung, in die sich das Geheimnisvolle auf subtile Weise einschleicht.

Es geht um Gabriel Dan, der aus russischer Gefangenschaft zurückkehrt, aber auf seinem Weg nachhause im Hotel Savoy strandet – wie viele andere, für die das Hotel als Sprungbrett in ein besseres Leben dienen soll. Doch zwischen dem Traum von einem schönen Leben in Paris und der ernüchternden Realität liegen Welten.

So auch für Dan, der zwar mit Phöbus Böhlaug einen reichen Onkel in der Stadt hat, doch von ihm keine finanzielle Unterstützung erhält, da der Geschäftsmann überaus geizig ist. Stattdessen hängt ihm sein Neffe Alexander ständig an den Fersen, da dieser unbedingt ins Hotel ziehen will, um dadurch der Nachtclubtänzerin Stasia nahe sein zu können.

Viele der Hotelbewohner können ihre Mieten nicht zahlen. Und alle haben immer Angst vor dem Tag, an dem der Direktor Kaleguropulos erscheinen soll, um sich die Zimmer anzusehen und ausstehende Mieten zu kassieren. Aber der sonderbare Grieche erscheint nie und bisher gesehen hat ihn auch niemand.

Joseph Roth (1926)

Joseph Roth erzählt über die Geschehnisse in dem Hotel auf eine melancholische, manchmal auch tragikomische Weise. In seinem Roman treffen die unterschiedlichsten Lebenswege aufeinander, wobei Roth das Hotel zugleich als ein sozialkritisches Symbol verwendet. Denn die einzelnen Stockwerke spiegeln gleichzeitig den sozialen Status der Bewohner wider. In den unteren Stockwerken leben die Reichen mit all ihren Privilegien. Je höher man kommt, desto ärmer werden dessen Bewohner. Dan lebt in einem der oberen Stockwerke, genau über ihm hat die Tänzerin Stasia ihr Zimmer. Und alle warten auf den amerikanischen Millionär Henry Bloomfield, der auf Besuch kommen soll – manche setzen ihre ganze Hoffnung darauf, da sie glauben, durch seinen Besuch werde alles besser. Doch als dieser erscheint, gerät die Situation im Hotel völlig außer Kontrolle.

Das Hotel Savoy gab und gibt es tatsächlich. Roth hat diesem Hotel, das in der Stadt Lodz steht, mit seinem Roman quasi ein literarisches Denkmal gesetzt. Mit einer unglaublichen Lebendigkeit schildert Roth das Leben in und um das Hotel, beschreibt tragische wie skurrile Figuren und erzeugt dabei eine faszinierende Spannung, die einen in den Roman regelrecht hineinzieht. Um es auf den Punkt zu bringen: „Hotel Savoy“ ist ein echter Lesegenuss. Mit Sicherheit werde ich das Buch noch einmal lesen.

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