Immer Ärger mit Harry – John Trevor Storys literarische Vorlage zu Hitchcocks Klassiker

Obwohl der Autor und Lebemann John Trevor Story (1917 – 1991) in Deutschland so gut wie unbekannt ist, kennt doch so ziemlich jeder eines seiner Werke. Denn niemand anderer als Alfred Hitchcock adaptierte 1955 Storys Debut „The Trouble with Harry“. Nun ist der Roman zum ersten Mal auf Deutsch erschienen.

In dem kleinen Ort Sparrowswick Heath geht plötzlich alles drunter und drüber, als Captain Albert Wise aus Versehen einen Unbekannten bei der Hasenjagd erschießt. Oder ist dieser Mann vielleicht gar nicht so unbekannt? Auf jeden Fall versucht Wise, so schnell wie möglich die Leiche verschwinden zu lassen. Doch ausgerechnet in diesem Augenblick scheint der halbe Ort im Wald unterwegs zu sein …

John Trevor Storys „Immer Ärger mit Harry“ ist eine geniale Mischung aus schwarzem Humor, Satire und Kriminalroman. Harry stillschweigend zu begraben, erweist sich alles andere als leicht. Zunächst ist da der kleine Abie, der die Leiche als erster entdeckt, in der Nähe des Tatorts vergnügt sich ein Liebespaar und der Hobbyinsektenforscher Dr. Greenbow stolpert bei seiner Jagd auf Schmetterlinge immer wieder darüber.

Mit der Zeit aber keimt in dem Captain die Frage, ob er Harry tatsächlich erschossen hat oder ob Harry vielleicht Opfer eines tatsächlichen Mordes geworden ist. Und genau hier kommt zusätzliche Spannung auf, denn im Grunde genommen könnte jeder in dem kleinen Ort der Mörder sein. John Trevor Story nutzt diese Situation jedoch nicht dafür, einen Krimi im Stil von Agatha Christie zu schreiben, sondern benutzt diese, um daraus eine herrliche Situationskomik zu gestalten, die den gesamten Roman über anhält und für köstliches Vergnügen sorgt.

Die Handlung schreitet im flotten Tempo voran, wobei in beinahe jedem Kapitel eine weitere überraschende Wendung auf den Leser wartet. Nicht weniger amüsant sind die liebevollen und skurrilen Figuren, mit denen Story die Geschichte würzt. Da ist zum Beispiel Miss Gravely, die nichts mit Männern zu tun haben möchte, sich aber dann plötzlich auf einen männlichen Besucher vorbereitet, was natürlich alle im Ort mitbekommen. Oder der Künstler Sam Marlowe, dessen Bilder im Dorfladen angeboten werden, der aber bisher noch kein einziges seiner Gemälde verkauft hat.

Alles in allem bereitet „Immer Ärger mit Harry“ das, was man einen echten Lesespaß bezeichnet. Die Gags sind wirklich großartig und nicht weniger die satirischen Aspekte, mit denen der Roman bespickt ist. Selbst Leser, die die Verfilmung schon x-mal gesehen haben, werden von der literarischen Vorlage mehr als nur angetan sein.

Jack Trevor Story. Immer Ärger mit Harry. Dörlemann Verlag 2018, 191 Seiten (Leinen mit Leseband), 17,00 Euro, ISBN: 978-3-03820-054-3

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