Stahlblaue Nacht – Reiko Himekawas zweiter Fall

Es ist interessant, dass Thrillerautor Tetsuya Honda nach dem Roman über einen perversen Serienmörder einen Roman über sonderbare Zwischenfälle im Baugewerbe verfasst hat. Im zweiten Band der Reiko Himekawa-Reihe hat es die Ermittlerin jedenfalls mit einem ungewöhnlichen Mord in der Garage eines Bauschreiners zu tun, der Himekawas Team auf die Spur von Versicherungsbetrug und den Yakuza führt.

In Band zwei der Himekawa-Reihe passiert im Grunde genommen nicht wirklich viel. Tatsächlich ist „Stahlblaue Nacht“ eher unterhaltsam als spannend, also genauso wie Hondas Erstling „Blutroter Tod“, wobei dieser zumindest mit einer düsteren und beklemmenden Atmosphäre aufwartete. Genau diese fehlt in dem zweiten Roman. Die Geschichte plätschert vor sich hin, ohne dass irgendetwas Aufregendes geschehen würde. Hondas Problem hierbei ist vor allem, dass er – ähnlich wie in Band eins – Themen anspricht, die er dann jedoch eher oberflächlich abhandelt.

Denn „Stahlblauer Tod“ hätte als Drama unglaublich gut funktioniert. Immerhin geht es um sozialen Abstieg, den Versuch von Wiedergutmachung und zerstörte Familien. Die Machenschaften der Yakuza im Baugewerbe erscheinen hier eher wie nebenbei. Doch Honda begeht den Fehler, dass er versucht, das Drama zu umgehen oder im besten Fall nur anzureißen und stattdessen die Krimiaspekte hervorzuheben.

Hinzu kommt, dass trotz aller Versuche, seine Figuren zu charakterisieren, diese dennoch schemenhaft bzw. oberflächlich bleiben. Mit Ausnahme von Reiko Himekawa, die in Band zwei mit gekonntem Witz besser zur Geltung kommt als in Band eins. In dieser Hinsicht wirken die eingestreuten Gags weitaus gelungener als in Hondas Erstling. Sehr gut kommt hierbei auch Hondas Selbstironie zum Tragen, wenn Reiko Himekawa versucht, ihrem Chef die völlig verwirrende Hintergrundgeschichte zu erklären. Speziell diese Szene ist wirklich köstlich.

Trotzdem fällt „Stahlblaue Nacht“ deutlich hinter „Blutroter Tod“ zurück. Die Story reißt einen nicht wirklich mit, da sie stellenweise zu sehr bemüht wirkt. Es ist erstaunlich, dass Tetsuya Honda mit seinen Himekawa-Romanen in Japan so erfolgreich ist. Möglich, dass die folgenden Romane wieder besser werden, aber weder eine englische noch eine deutsche Übersetzung sind bisher angekündigt.

Wie auch der erste Roman, so ist auch Band zwei der Reihe nicht aus dem Japanischen, sondern aus dem Englischen übersetzt worden. Dieses Mal aber achtete die Übersetzerin darauf, nicht die Anrede Sir zu verwenden, so wie dies in „Blutroter Tod“ der Fall gewesen ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.