The Ghost and Mrs Muir – Der ultimative Hollywoodklassiker

Mrs Muir (Gene Tierney) und Kapitän Clegg (Rex Harrison) in einer der vielen berühmten Szenen; „The Ghost and Mrs Muir“ (1947); Copyright: 20th Century Fox

Eine junge Witwe zieht zusammen mit ihrer Tochter in ein einsames, an der Küste gelegenes Haus, in dem es spukt. Was klingt wie der Plot eines modernen Horrorfilms, ist die Grundhandlung des Hollywoodklassikers „The Ghost and Mrs Muir“ aus dem Jahr 1947. In Deutschland weitestgehend unbekannt, zählt der Film in den USA zu den beliebtesten Filmen überhaupt.

Tatsächlich kam die Adaption des Romans „The Ghost of Captain Gregg and Mrs. Muir“ von R. A. Dick (ein Pseudonym der Autorin Josephine Leslie) nie in die deutschen Kinos. Zum ersten Mal wurde der Film 1989 im ZDF unter dem idiotischen Titel „Ein Gespenst auf Freiersfüßen“ ausgestrahlt, mit einer noch dämlicheren Synchro, da der Geist des Kapitäns mit ostfriesischem Dialekt spricht.

„The Ghost and Mrs Muir“ ist das, was man als einen perfekten Film bezeichnet. Es handelt sich um eine Mischung aus Romantik, Drama und Fantasy, wobei der Film vor allem durch seinen wunderbaren, melancholischen Witz besticht. Denn Regisseur Joseph Mankiewicz stellt seine Hauptfiguren vor vorhandene Tatsachen: da ist zum einen Mrs Muir, die alles verloren hat und dennoch versuchen möchte, auf eigenen Beinen zu stehen. Und da ist zum anderen Kapitän Clegg, der vor mehreren Jahren verstorben ist und nun als Geist durch das alte Haus spukt.

Clegg hat bisher jeden Mieter des Hauses erfolgreich vertreiben können. Bei Mrs Muir jedoch beißt er auf Granit, da sie aufgrund finanzieller Probleme einfach nicht mehr wegziehen kann. Aus dieser tragikomischen Situation ergibt sich ein bis dahin noch nie da gewesener Liebesfilm, dessen besondere Atmosphäre, dessen Humor und dessen Tragik bis heute ihresgleichen suchen.

Um Mrs Muir aus der finanziellen Klemme zu helfen, diktiert Clegg ihr seine Biografie, die sie einem bestimmten Verlag anbieten soll. Doch Kapitän Cleggs ungehobelte Sprache stößt bei Mrs Muir auf Ablehnung. Im Laufe der Zeit aber gewöhnt sie sich selbst Cleggs Schimpfwörter an, was zu allerhand Situationskomik führt. Höhepunkt ist dabei das angedeutete Wort „Fuck“, das Mrs Muir mit der Schreibmaschnine tippt.

Überhaupt ist der Film für seine damalige Zeit ungewöhnlich direkt. Sexuelle Anspielungen spielen bei den Dialogen eine nicht unwesentliche Rolle. Nicht weniger die Schimpfwörter, die Clegg verwendet, um seiner Wut Luft zu machen. Die Szene, in der Clegg und Mrs Muir einen Fahrgast aus dem Zugabteil vertreiben, ist bis heute legendär. Das Lachen von Mrs Muir und dem Kapitän, das darauf folgt und ihren anfänglichen Streit sowie all ihre Probleme zu vertreiben scheint und trotz aller Gegensätze ihre Gemeinsamkeiten betont, ist so beeindruckend und emotional dermaßen intensiv umgesetzt, dass es noch lange in einem nachhallt.

Mrs Muir (Gene Tierney) und Kapitän Clegg (Rex Harrison); „The Ghost and Mrs Muir“ (1947); Copyright: 20th Century Fox

Diese wundervolle Beziehung zwischen Clegg und Mrs Muir wird jedoch auf die Probe gestellt, als Mrs Muir durch Zufall auf den Autor Miles Fairley trifft, vor dem sie alle warnen, zu dem sie sich jedoch mehr und mehr hingezogen fühlt.

„The Ghost and Mrs Muir“ erhielt trotz seiner großartigen Inszenierung lediglich eine Oskarnominierung für die Beste Kamera. Die wunderbare Filmmusik wurde nicht berücksichtigt, genauso wenig das Drehbuch. Die Dialoge stecken voller Witz, sind zugleich aber getragen von einer fast schon sinnlichen Melancholie, welche den gesamten Film bestimmen und ihn so einzigartig macht.

20 Jahre später wurde aus der Handlung eine 50-teilige TV-Serie gedreht, in der Knight Rider-Veteran Edward Muthare den Kapitän und Hope Lang Mrs Muir spielte. Die Serie, die 1968 bis 1970 ausgestrahlt wurde, erwies sich jedoch als wenig erfolgreich, sodass sie schließlich wieder abgesetzt wurde. Der Kinofilm jedoch wurde inzwischen vom American Film Institute auf Platz zehn der wichtigsten Fantasy-Filme gewählt.

The Ghost and Mrs Muir. Regie: Joseph Mankiewicz, Drehbuch: Philip Dunne, Produktion: Fred Kohlmar, Darsteller: Gene Tierney, Rex Harrison, George Sanders, Edna Best, Vanessa Brown, Natalie Wood. USA 1947, 100 Min.

 

3 Gedanken zu “The Ghost and Mrs Muir – Der ultimative Hollywoodklassiker

  1. buchpost Dezember 1, 2017 / 5:32 pm

    War mir völlig unbekannt, klingt aber toll. Vielen Dank für diese Vorstellung.

  2. Gitta Welte Februar 23, 2018 / 8:28 pm

    Ich habe den Film Anfang der 80er Jahre im TV gesehen, einfach WUNDERBAR! ! Sehr gern hätte ich den Film auf DVD, und wäre für entspr. Hinweis dankbar.

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