J-Pop: Ein Kuss erregt die Gemüter

Kussszene aus dem Video „Universe in Love“ der japanischen Band Scandal; Copyright: Epic Records

Die japanische Rockband Scandal probt den Skandal. Oder vielleicht ist es dann doch eher ein Skandälchen? Wenn überhaupt. Auf jeden Fall hat das neue Video seinen Zweck erfüllt und das Netz ist heftig am Diskutieren. Das Marketingkonzept ging voll und ganz auf.

Aber um was geht es konkret? Der neueste Clip der ausschließlich aus Frauen bestehenden Band wurde zu dem Song „Koisuru Universe“ konzipiert. Die englische Übersetzung des Titels lautet „Universe in Love“ und ist für sich genommen ein überaus gelungenes, extrem rockiges Liebeslied. Doch leider wird der Song als solcher kaum wahrgenommen, sondern eben nur das Video.

Der Grund ist, dass die Szenenfolge des Clips in einem Kuss zwischen der Bassistin Tomomi und der Gitarristin Mami kumuliert. Und schon klatschen alle erstaunt die Hände zusammen. Doch genau das wollten die Macher sicherlich bezwecken. Interessant ist, dass es sich hierbei um eine erste Erotisierung der Band handelt, die bisher als überaus emanzipiert beworben wurde.

Die Kussszene ist aufgesplittet in zwei getrennte Teile; Copyright: Epic Records

Bei der Kussszene machten die Produzenten sich die Gerüchte zunutzte, die behaupteten, dass Tomomi lesbisch sei. Und natürlich lauteten manche der Reaktionen, dass sie dies schon längst gewusst hätten. Leider machten sich auch in diesem Fall diejenigen bemerkbar, deren Weltbild kurz vor ihrer eigenen Nasenspitze endet, was zu einer Vielzahl widerlicher Kommentare führte. Aber J-Pop-Fans, die gegen Homosexualität sind? Ein interessantes Paradoxon, da sehr viele Konzepte japanischer (und auch koreanischer Gruppen) homoerotische Aspekte beinhalten.

Doch zurück zum Video, das wir uns natürlich eingehend angesehen haben. Gut, der Fokus liegt auf der Kussszene, die recht schön und interessant umgesetzt wurde. Doch interessant ist auch das Video als Ganzes. Denn dieses ist geradezu vollgestopft mit freudianisch anmutenden Symbolen der Erotik, angefangen von Selbstbefriedigung bis hin zu einem sog. „Three Some“.  Der Titel „Universe of Love“ wird visuell umgesetzt in der Darstellung von unterschiedlichen Formen der sexuellen Lust. Dies aber auf eine solch versteckte, fast schon brav erscheinende Weise, dass man sich den Clip mehrmals ansehen muss, um alle Symbole zu decodieren. – Am längsten benötigten wir, um die Szene mit dem Telefon zu kapieren :D .

Einerseits macht dies das Video genial, andererseits aber passt es nicht in das eigentliche Konzept der Band, über das wir bereits in einem früheren Artikel gesprochen haben. Aber wie dem auch sei, die Marketingaktion, wie oben bereits erwähnt, hat genau ins Schwarze getroffen. Etwas, was sich jede Werbeagentur erhofft. Man darf daher gespannt sein, wie sich die nächsten Clips entwickeln werden.

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