Zeiten des Aufruhrs – Der Klassiker von Richard Yates

Cover der Erstausgabe von 1961

Richard Yates (1926 – 1992) beklagte sich selbst darüber, dass sein erster Roman zugleich sein bester Roman gewesen sei. Gemeint war „Zeiten des Aufruhrs“, der 1961 erschienen ist und seitdem als Klassiker der modernen amerikanischen Literatur gilt.

In dem Roman geht es um das Ehepaar Frank und April Wheeler, die Mitte der 50er Jahre mit ihren beiden kleinen Kindern in einem Vorort von New York wohnen. Beide sind Ende 20 und befinden sich in einer tiefen Krise, die sämtliche Lebensbereiche umfasst. So ist Frank von seiner Tätigkeit bei der Computerfirma Knox nur noch angeödet, während April das Eheleben nicht mehr aushält. Das Einüben eines Theaterstücks soll Abhilfe schaffen, doch die Premiere der Amateurgruppe Laurel Players verkommt zum Desaster. Und dies wirkt sich wiederum negativ auf das Zusammenleben von Frank und April aus. Schließlich hat April die Idee, dass sie alles aufgeben sollten, um nach Frankreich zu ziehen, wo sie gemeinsam von vorne anfangen könnten. Doch alles kommt anders, als geplant …

Yates gelingt in seinem Roman das Kunststück, eine tief ernste und überaus tragische Handlung in die Form einer gelungen Satire zu gießen. Der schöne und ruhig gelegene Vorort entpuppt sich als ein Sammelbecken für Spießer, die sich der Oberflächlichkeit hingeben und hinterrücks über ihre Bekannten und angeblichen Freunde herziehen.

Frank und April sind in dieser Hinsicht nicht anders. Auch sie verstecken sich hinter einer Fassade des Anstands und der Normalität. Dahinter aber brodelt ein Vulkan. Während beide so tun, als wären sie das Vorzeigeehepaar der typischen US-amerikanischen Vorstadt, möchte April aus ihre Rolle als Hausfrau ausbrechen, um ihre eigenen Träume zu erfüllen. Doch Frank hat Angst vor Veränderungen und versucht, seine Frau bei all ihren Aktionen zurückzuhalten.

Auf diese Weise ist alles, was beide anpacken, zum Scheitern verurteilt. Und in dieser Hinsicht schildert Yates ein düsteres Drama, das bar jeglicher Hoffnung ist. Es ist wirklich seltsam, obwohl es Yates versteht, den Leser mit seiner bissigen Satire zu amüsieren, so kommt dabei keineswegs Heiterkeit oder etwas ähnliches auf. Im Gegenteil, das Düstere und Tragische besitzt eine solch intensive Wirkung, dass man beim Lesen stets eine gewisse Traurigkeit und Schwermut empfindet.

Auf eine geradezu minutiöse Art und Weise schildert Yates den Konflikt zwischen den beiden Ehepartnern, ohne aber dabei Stellung zu beziehen. Er ist weder auf der Seite Franks noch auf der Seite Aprils, sondern legt eine geradezu erbarmungslose Objektivität an den Tag, in deren Licht die unterschiedlichen Probleme und Wendungen noch schmerzhafter und trostloser wirken.

Wie eine Art Paradoxon erscheint dabei der federleichte Schreibstil, so als wollte Yates damit ein zusätzliches satirisches Element in den Roman einbringen, ähnlich wie ein hell erleuchtetes Szenario, in dem sich eine finstere Tragödie abspielt. „Revolutionary Road“ lautet sowohl der Originaltitel als auch der Name der Straße, in der die Wheelers wohnen. Der Name ist fast schon Programm, wirken Frank und April inmitten der hoch gehaltenen Moralvorstellungen der 50er Jahre doch wie Ausbrecher, die nach Alternativen suchen. Doch die Straße führt sie nicht dahin, wo sie hinwollen. Das bereits mehrfach erwähnte Drama, das dadurch entsteht, ist ein großartiges Stück Literatur, das man unbedingt einmal gelesen haben sollte.

 

2 Gedanken zu “Zeiten des Aufruhrs – Der Klassiker von Richard Yates

  1. SätzeundSchätze August 25, 2017 / 4:52 am

    Eines der Bücher, die ich immer wieder gelesen habe und lesen werde. Keiner zerpflückt den amerikanischen Traum so gekonnt wie Yates.

    • Film und Buch August 25, 2017 / 9:36 am

      Ich werde dieses Buch garantiert auch noch einmal lesen. Der Roman hat mich wirklich gepackt und lässt mich auch jetzt nicht mehr los. :)

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