Die ZDF-Adventsvierteiler – Ein großes Stück TV-Geschichte

„Der Seewolf“ war und ist der Klassiker der damaligen ZDF-Adventsvierteiler

Heute mag man es kaum glauben, doch in früheren Zeiten produzierte das ZDF hochkarätige Abenteuerfilme, die in der Regel zur Weihnachtszeit ausgestrahlt wurden. Das Besondere war, dass alle Filme vier Teile hatten, was letztendlich zum Namen Adventsvierteiler führte. Es handelte sich dabei um europäische Gemeinschaftsproduktionen, bei denen außer Deutschland auch noch Frankreich, Italien und Bulgarien beteilgt waren.

Begonnen hatte alles 1964 mit der Verfilmung „Robinson Crusoe“, in dem der bekannte österreichische Schauspieler und damalige Bravo-Star Robert Hoffmann die Titelrolle spielte. Es folgten beinahe jedes Jahr weitere Vierteiler, so im Jahr 1965 „Don Quijote“ und ein Jahr darauf „Die Schatzinsel“. 1967 blieb der erwartete Vierteiler aus, doch 1968 folgte „Tom Sawyer und Huckleberry Finns Abenteuer“ und 1969 „Die Lederstrumpferzählungen“.

Den Höhepunkt der Reihe erlebten die Adventsvierteiler aber mit dem absoluten Klassiker der ZDF-Produktionen, nämlich 1971 mit Jack Londons „Der Seewolf.“ Hauptdarsteller Raimund Harmstorf, der Kapitän Wolf Larson spielte, sagte bereits während der Dreharbeiten, dass die Kartoffel sein Schicksal werden würde.

Der erste Adventsvierteiler aus dem Jahr 1964

Gemeint ist damit die wohl berühmteste Szene des deutschen TV-Films: Wolf Larson, der in der Kombüse der Ghost steht, eine rohe Kartoffel aus dem Eimer nimmt und diese vor den Augen Humphrey van Weydens (gespielt von Edward Meeks) mit seiner rechten Hand zerquetscht. Es war die Szene, die bis heute für Gesprächsstoff sorgt und an die sich jeder erinnert, der damals den Film gesehen hat.

Zwar spielte Harmstorf auch noch 1976 in dem Vierteiler „Michael Strogoff“ die Titelrolle und später war er immer mal wieder in „Bud Spencer“-Filmen zu sehen, dennoch assoziierten ihn alle Zuschauer stets nur mit seiner Rolle des brutalen Wolf Larson und eben mit dieser unglaublich starken Szene.

Es folgten weitere Verfilmungen: „Cagliostro“ nach Alexandre Dumas, den das ZDF allerdings 1973 nur in drei Teilen ausstrahlte, die Jules Verne-Adaption „Zwei Jahre Ferien“ (1974), „Lockruf des Goldes“ (1975) und der bereits erwähnte „Michael Strogoff“ aus dem Jahr 1976. 1978 landete das ZDF mit der Stevenson-Adaption „Die Abenteuer des David Balfour“ einen erneuten Hit, dieses Mal auch in Sachen Musik. Denn die Titelmelodie wurde so bekannt, dass sie als Schallplatte veröffentlicht wurde. 1979 folgte eine weitere Jules Verne-Verfilmung mit dem Titel „Matthias Sandorf“.

Einer der letzten Vierteiler aus dem Jahr 1981

Danach näherte sich das Konzept der Adventsvierteiler so langsam dem Ende. Der Grund war, dass die Produzenten keine geeigneten Vorlagen mehr fanden, die man als Vierteiler hätte verfilmen können. So griff man 1980 zu William Godwins Klassiker „Caleb Williams“, der in Deutschland damals völlig unbekannt war, was sich dann durch die TV-Verfilmung schlagartig änderte. William Godwin war übrigens der Vater von „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley.

Es folgten noch „Wettlauf nach Bombay“ (1981), „Der schwarze Bumerang“ (1982) und schließlich „Der Mann vom Suez“ (1983), wobei „Der schwarze Bumerang“ der einzige Vierteiler ist, der nicht auf einem Roman basiert. Danach folgten keine weiteren Vierteiler mehr. Es wurden zwar immer mal wieder Abenteuerfilme als Mehrteiler produziert, wobei „Das Geheimnis der Sahara“ (1987) am erfolgreichsten war und in einer umgeschnittenen Fassung sogar in die Kinos kam, doch mit den einzigartigen Adventsvierteilern war es aus.

Den Versuch eines Mehrteilers übernahm 2016/2017 RTL mit den Winnetou-Filmen, die durchaus ihren Reiz hatten und in die richtige Richtung wiesen, allerdings immer weniger Zuschauer bekamen. Daher ist die Frage groß, ob der Sender ein solches Projekt nochmals wiederholen wird. Das ZDF jedenfalls garantiert nicht, denn was dort heutzutage so produziert wird, darüber sollte man größtenteils lieber schweigen.

 

Pan (2015)

Das haben sich die Produzenten wohl anders vorgestellt. Das Drehbuch von Jason Fuchs, der meistens als Co-Autor in Erscheinung tritt, über die Vorgeschichte Peter Pans galt als äußerst viel versprechend. Doch das Einspielergebnis war dann doch mehr als nur ernüchternd, kam dieses doch gerade mal auf die Hälfte der Produktionskosten.

Die Handlung dreht sich um den Jungen Peter, der während des Zweiten Weltkriegs als Waisenkind in ein zwielichtiges Internat gebracht wird, in dem sadistische Nonnen das Regiment führen. Von dort aus wird er eines Nachts zusammen mit anderen Jungen von Captain Blackbeard und seinen Leuten auf sein fliegendes Schiff entführt und nach Neverland gebracht, um dort festzustellen, dass er ein halber Elfe ist und fliegen kann. Zusammen mit James Hook und der Eingeborenen Tiger Lilly versucht er, Blackbeard das Handwerk zu legen.

Was Regisseur Joe Wright mit „Pan“ ablieferte, beginnt in der Tat viel versprechend. Das Set-Design und die ersten Minuten besitzen einen sehr schönen, klassisch angehauchten Touch, der an alte Kinderbücher erinnert. Der Höhepunkt des interessanten und durchaus sehenswerten Anfangs besteht in dem originellen Pirateneinsatz, wenn Captain Blackbeards Leute sich auf Seilen kopfüber in den Schlafsaal des Internats lassen, um auf diese Weise die Kinder zu stehlen.

Doch bereits danach beginnt das Desaster. Joe Wright schafft es tatsächlich, den Film ab da vollkommen uninteressant weiter zu führen, sodass man nur mehr halbherzig der Handlung folgt. Diese erweist sich nach dem oben erwähnten Pirateneinsatz als alles andere als originell, sondern ergeht sich in einem konfusen Actionspektakel, in dem hauptsächlich nur noch geschrien wird.

Man fragt sich die ganze Zeit über, was an diesem Drehbuch denn so toll sein soll, dass man es hatte unbedingt verfilmen wollen. Denn von dem witzigen Kinderabenteuer, das der Anfang versprochen hat, bleibt nichts anderes mehr übrig, als reine und uninspirierte Oberflächlichkeit. Joe Wright konzentriert sich nicht mehr auf die Figuren und schon gar nicht mehr darauf, eine gelungene Handlung zu erzählen, sondern setzt auf Farbenrausch und ein nicht enden wollendes Effektgewitter, das den Zuschauer jedoch keineswegs packt, sondern eher zu einer distanzierten Beobachtung führt.

Zwar blitzen hier und da noch Merkmale des klassischen Abenteuerfilms hindurch, doch werden diese auf eine radikale Weise von der leeren Effektparade in den Hintergrund gedrängt, so als wollte Wright geradezu mit Absicht den Karren gegen die Wand fahren. Es ist kein Wunder, dass den Film kaum einer sehen wollte. „Pan“ fehlt es an Gefühl und an Einfallsreichtum. Doch immerhin hat er eines geschafft: sich in die Reihe der größten Flops der Filmgeschichte einzuordnen.

Pan. Regie: Joe Wright, Drehbuch: Jason Fuchs, Produktion: Greg Berlanti, Paul Webster, Darsteller: Hugh Jackman, Garret Hedlund, Rooney Mara, Levi Miller, Adeel Akhtar. USA 2015, 111 Min.

 

Girl on the Train – Ein spannender Thriller nicht nur für Zugreisende

„Girl on the Train“ löste im gewissen Sinne einen weltweiten Hype aus. Es sind gelegentlich die leisen Romane, die gehörig Staub aufwirbeln. So auch der Roman „Girl on the Train“ von Paula Hawkins, die damit zwar nicht ihr Debut feiert, aber ihren ersten Thriller. Zuvor verfasste sie unter Pseudonym mehrere Liebesromane.

In „Girl on the Train“ geht es um die alkoholkranke Rachel, die täglich mit dem Zug nach London und zurück pendelt. Die Strecke führt an einem Haus vorbei, vor dem der Zug aufgrund eines Signals jedesmal hält. Dadurch erhält Rachel Einblick in das Leben des Ehepaars, das in diesem Haus wohnt und in dessen Nähe sie früher selbst gelebt hat. Für Rachel strahlen der Mann und die Frau das perfekte Glück aus. Doch eines Tages ist die Frau auf einmal verschwunden und für Rachel beginnt ein wahrer Albtraum.

Man kann „Girl on the Train“ auf verschiedene Arten Lesen: als Thriller, als Kriminalroman, als Frauenroman oder auch als Satire. Egal, mit welchem dieser Merkmale man vorlieb nehmen möchte, man kommt stets voll auf seine Kosten. Gewürzt ist der Roman mit einer Prise Patricia Highsmith und auch ein wenig Shirley Jackson. Und vom Schreibstil her ist „Girl on the Train“ einfach nur hervorragend.

Hawkins wählte eine Art von Tagebuchstil, in dem die Gedanken der jeweiligen Figuren sich mit einer Geschichte vermischen, die wie eine Studie über eine vereinsamte Frau beginnt, um sich schlagartig in einen überaus spannenden Thriller zu verwandeln. Dieser Stil kommt nicht nur der Spannung zugute, denn der Autorin gelingt dadurch zugleich ein fast schon minutiöser Blick hinter die Fassaden der Vorortshäuser, in denen vor allem junge Ehepaare wohnen.

Und genau in diesem Blick liegt eine weitere grandiose Stärke des Romans, denn wie mit einem Seziermesser nimmt Hawkins den Alltag der Bewohner auseinander und entlarvt dabei eine ungeheure Spießigkeit, kalten Egoismus und Scheinheiligkeit. All dies aus der Perspektive von Rachel, die mit ihrem eigenen Leben nicht klar kommt, die unter ihrer Alkoholsucht leidet und die daher von niemandem ernst genommen wird.

Gut, als Agatha Christie-Fan weiß man zwar schon bald, wie der Hase läuft, doch macht dies den Roman keineswegs weniger spannend. Dazu tragen auch die unterschiedlichen Konflikte bei, mit denen Hawkins ihren Roman anreichert, angefangen von Rachels Verhalten gegenüber ihrem Exmann und dessen jetziger Frau bis hin zu den Kriminalbeamten, die Rachel nicht ernst nehmen wollen, da sie eben alkoholkrank ist.

„Girl on the Train“ hat es wirklich verdient, ein Bestseller zu werden. Selten fühlt man sich bei einem Roman so gut unterhalten und wird zugleich mit einer solch intensiven Handlung konfrontiert wie hier.

Paula Hawkins. Girl on the Train. Blanvalet Verlag 2015, 463 Seiten, 9,99 Euro, ISBN: 978-3-7341-0051-2

 

Live by Night (2016)

Ben Affleck zum dritten. Nach den Filmen „Argo“ und „The Town“ führte er 2013 bei dem Gangsterdrama „Live by Night“ erneut Regie, wobei auch das Drehbuch von ihm stammte – eine Adaption eines Romans von Dennis Lehane. Die Veröffentlichung des Films verschob sich um drei Jahre, sodass „Live by Night“ erst 2016 in die Kinos kam. Afflecks dritte Regiearbeit erwies sich nicht wirklich als Erfolg und ging in Deutschland fast komplett unter.

Es geht um den Bankräuber Joe Coughlin, der sich in das Mädchen eines Gangsterbosses verliebt. Als dieser dies mitbekommt, lässt er die Frau ermorden, während Coughlin gerade noch fliehen kann. Kurzerhand beschließt Coughlin, sich zu rächen. Dafür schließt er sich einem italienischen Gangsterclan an, der in Californien aktiv werde möchte …

Doch damit hat es sich auch schon, denn irgendwie verliert Affleck die Rachestory komplett aus den Augen. Stattdessen geht es um den weiteren Werdegang Coughlins, der beschreibt, wie er das Geschäft mit Rum während der Prohibition ausbaut und parallel dazu ein riesiges Casino bauen möchte. Doch hier kommen ihm allerhand Schwierigkeiten dazwischen, sodass er Ärger vom Boss der Mafia bekommt.

Irgendwie verzettelt sich Affleck ständig. Der Film verfolgt kein einziges Thema konsequent, sondern springt von einer Thematik zur anderen, so als handelte der Regisseur dabei eine Einkaufsliste ab. Dies lässt den Film irgendwie holprig erscheinen, zugleich ist man ständig der Frage ausgesetzt, was Affleck einem eigentlich sagen möchte. Von Rache, über Rassismus bis zum religiösen Wahn reicht das Spektrum, doch mit allen Aspekten fängt Affleck nie wirklich etwas an.

Ganz klar, Affleck möchte sich in „Live by Night“ literarisch geben, aber irgendwie funktioniert auch das nicht ganz. Die zwei Stunden Laufzeit konzentrieren sich zu sehr auf Affleck selbst, sodass die Komplexität des Dramas fehlt. Was man aber dem Film bescheinigen kann, sind hervorragende Kulissen und sehr gute Kostüme. Doch reicht das nun einmal nicht, um einen Film auch insgesamt gut werden zu lassen.

Live by Night. Regie u. Drehbuch: Ben Affleck, Produktion: Leonardo di Caprio, Ben Affleck, Darsteller: Ben Affleck, Elle Fenning, Brendan Gleeson, Chris Messina, Sienna Miller, Chris Cooper. USA 2013/2016, 129 Min.

 

Bedevilled (2010)

Jang Chul-Su arbeitete längere Zeit als Assistant-Director für den bekannten Regisseur Kim Ki-Duk, der durch Filme wie „Bin Jib“, „Samaria“ oder „Seom“ auch in Deutschland kein Unbekannter ist. Wahrscheinlich ist daher auch das Thema seines Debüts zu erklären, das in etwa dem surrealen Thriller „Seom“ ähnelt. In diesem Film wie in Jangs „Bedevilled“ wird die Geschichte einer Frau erzählt, die von allen anderen erniedrigt wird, bis sie sich eines Tages rächt. Beide Filme sind dabei alles andere als zimperlich. Jang Chul-Su wagt sich sogar einen großen Schritt weiter.

„Bedevilled“, für den Jang mehrere Preise erhielt, handelt von der Bankerin Hae-Won, die mit ihrem Alltag nicht mehr zurecht kommt. Sie beschließt Urlaub zu machen. Als Ziel ihrer Reise wählt sie die einsam gelegene Insel Moodo, wo sie früher zusammen mit ihren Großeltern lebte. Von dort erreichen sie seit einiger Zeit Briefe einer gewissen Bok-Nam, mit der sie in ihrer Kindheit befreundet gewesen ist. Doch kaum ist Hae-Won auf der Insel angekommen, muss sie erkennen, dass die wenigen Menschen, die dort leben, Bok-Nam wie eine Sklavin behandeln. Von den Männern wird sie brutal misshandelt, von den Frauen gedemütigt. Doch plötzlich kehrt sich das Blatt um. Bok-Nam beginnt einen grausamen Rachefeldzug, wobei auch Hae-Won immer mehr in das Zentrum ihrer Rache gerät.

Alternatives Kinoplakat zu „Bedevilled“

Der Film, eine Mischung aus Thriller und Horror, ist harter Tobak. Dies beginnt mit der grundlegenden Situation, in der sich Bok-Nam befindet, geht über in die durch die Bank weg widerlichen Charaktere und setzt sich fort in den teils überaus brutal in Szene gesetzten Martersequenzen und Deathscenes. Daraus ergibt sich ein konsequenter Albtraum, der dem Zuschauer sehr viel abverlangt.

Dennoch präsentiert Jang Chul-Su kein abstruses Schlachten wie Eli Roth und Konsorten, sondern liefert eine hochgradige Ästhetik, die nie ins Plakative abgleitet, aber gelegentlich durchaus Grenzen überschreitet. Manche Szenen sind in der Tat so hart umgesetzt, dass Leute mit schwachen Nerven es schwer haben werden, diese zu verarbeiten.

Jang liefert sozusagen die intellektuelle Variante des Torture Porn, indem er sich hin und wieder auf Ingmar Bergman beruft und bei einer Schlüsselszene auch Albert Camus‘ Roman „Der Fremde“ zitiert. Getragen wird der Film von größtenteils unbekannten, aber hervorragenden Schauspielern, denen man ihre Rollen abnimmt. Bok-Nam wird dagegen von Seo Yeong-Hie gespielt, die davor in dem Thriller „The Chaser“ und der Komödie „Fortune Salon“ zu sehen gewesen war. Auch sie überzeugt mit ihrer Arbeit auf ganzer Linie.

Bedevilled (OT: Kim Bok-Nam selinsageonui jeonmal), Regie: Jang Chul-Su, Drehbuch: Choi Kwang-Young, Produktion: Park Kyu-Young, Darsteller: Seo Yeong-Hie, Ji Jeong-Won, Hwang Min-Ho, Min-Ja. Südkorea 2010, Laufzeit: 115 Min.

Die Fahrten des Odysseus (1954)

Odysseus gehört zu den bekanntesten Figuren der Weltliteratur. Die vielen Abenteuer, die der tollkühne Held erlebt, und die vielen Monster, denen er begegnet, war und ist ein gefundenes Fressen für die Filmindustrie. Die bekannteste Verfilmung von Homers Versepos lieferte Mario Camerini im Jahr 1954, wobei als Zweitregisseur kein Geringerer als Mario Bava agierte.

Ihm sind die Szenen zu verdanken, in der Odysseus von Kassandra verflucht wird, sowie die Szenen in der Höhle der Circe. Bereits hier macht sich Bavas wundervolles Spiel mit den Farben bemerkbar, das er in seinen Horrorfilmen aus den 60er Jahren weiterführen und geradezu vollenden sollte.

Der Film ist ein Klassiker aus den Schmieden der italienischen Filmstudios. Die Szenen, in denen Odysseus den Zyklopen Polyphem übers Ohr haut, sind genauso legendär wie die stürmische und abenteuerlustige Darstellung des Helden durch Kirk Douglas.
Circe (Silvana Mangano) im für Mario Bava typischen grünen Licht; „Die Fahrten des Odysseus“ (1954); Copyright: e-m-s

Dieser packt die Figur im Zentrum ihrer Aussage an. So sehen wir einen Menschen, der die antiken Glaubensvorstellungen hinterfragt, der beginnt, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und nicht von den Göttern steuern zu lassen. Er möchte ausprobieren und herausfordern. Seine Abenteuerlust ist zugleich die Lust am Entdecken. Daraus, dass er mehr sieht als die anderen und hinter die „Fassade“ der antiken Glaubenswelt blickt, ergibt sich seine Tollkühnheit und seine Fähigkeit zur List.

Polyphem wird so zu seinem ersten Opfer, die Sirenen können ihn nicht zu sich ziehen, und auch Circe kann seinem ständigen Hinterfragen nicht mehr Paroli bieten. Als Odysseus am Ende alle Männer niedermetzelt, die um seine Frau buhlen, bricht jedoch wiederum sein archaisches Temperament hervor – ein Symbol dafür, dass Moderne und Barbarei trotz allem eng verzahnt sind.
„Die Fahrten des Odysseus“ ist und bleibt einer der unterhaltsamsten Abenteuerfilme. Auch wenn man die Dialoge bereits auswendig kennt, so sind das Spiel Kirk Douglas‘ sowie die faszinierenden Farben und Spezialeffekte immer wieder einen Blick wert.

Die Fahrten des Odysseus (OT: Ulysses), Regie: Mario Camerini, Mario Bava, Produktion: Dino de Laurentis, Carlo Ponti, Darsteller: Kirk Douglas, Silvana Mangano, Anthony Quinn, Rossana Podesta. USA/Italien 1954, Laufzeit: 98 Min.

The Crow (1994)

Manche Filme erlangen durch unglückliche Umstände Berühmtheit. So z.B. „The Crow“, bei dessen Dreharbeiten Hauptdarsteller Brandon Lee ums Leben kam. Von der Handlung her ist „The Crow“ eine klassische Rachestory. Der Film konzentriert sich darauf, wie sich der Musiker Eric Draven (man lasse einmal das D weg) sich an seinen Mördern sowie an den Mördern seiner Verlobten rächt. Erweckt durch eine Krähe, schleicht Draven als geschminkter Rächer durch die Gegend, um einem Bösewicht nach dem anderen den Garaus zu machen.

Was diesen Film so sehenswert macht, ist seine Bildgewalt. Detailverliebte Kulissen, düstere Häuserschluchten und finstere Farben bringen eine apokalyptische Welt zur Schau, die Regisseur Alex Proyas später in „Dark City“ fortführen sollte. Hin und wieder schwenkt Proyas über in eine düstere Poetik, wobei er auch nicht vergisst, Edgar Allan Poes berühmtes Gedicht zu zitieren.

Explosionen und Verfolgungsjagden erhöhen zwischendurch das Tempo des Films, wobei natürlich die Schießerei im Finale den Höhepunkt bildet. Die Gewaltszenen, deren Choreographie Brandon Lee mitkonzipierte, sind deftig in Szene gesetzt. Hier schwelgt der Film geradezu in Tod und Schmerz, was sich auf die übrige Atmosphäre des Films auswirkt. Wahrscheinlich haben sich die beiden Splatter-Punks David Schow und John Shirley sogar ziemlich zurückgehalten, während sie das Drehbuch schrieben.

Recht witzig kommen Dravens moralische Ratschläge zur Geltung. Mit einer Art erhobenem Zeigefinger macht er darauf aufmerksam, dass Drogen kein Ausweg sind und dass Rauchen schlecht für die Gesundheit ist. Hier schimmert eine wunderbare Satire hindurch, die sich auf den eigentlichen Zustand der Gesellschaft bezieht, wobei er zugleich selbsternannte Moralapostel durch den Kakao zieht.

„The Crow“ gehört inzwischen zu den Klassikern der 90er Jahre, ebenso wie „Dark City“, der vier Jahre später produziert wurde. „The Crow“ folgten zwei Sequels und eine TV-Serie, an denen Proyas allerdings nicht mehr beteiligt war.

The Crow – Die Krähe (OT: The Crow), Regie: Alex Proyas, Drehbuch: David J. Schow, John Shirley, Produktion: Jeff Most, Darsteller: Brandon Lee, Rochelle Davis, Ernie Hudson, Michael Wincott, Bai Ling, Tony Todd, USA 1994, Laufzeit: 102 Min.

Die Schlaflosen – Graham Mastertons spannender Horrorthriller

Graham Masterton dürfte den meisten Lesern als Autor des Horrorklassikers „Manitou“ (1976) bekannt sein, der mit Tony Curtis 1978 verfilmt wurde. Die Adaption gilt längst ebenfalls als Klassiker, nicht allein wegen des deutschen Verleihtitels „Superzombie“. Mit „Manitou“ lieferte Masterton zugleich sein literarisches Debut ab.

1993 erschien sein Roman „The Sleepless“, der nun beim Festa Verlag unter dem Titel „Die Schlaflosen“ erschienen ist. Es geht um den Versicherungsdetektiv Michael Reardon, der einen rätselhaften Fall bearbeiten soll. Bei einem Hubschrauberabsturz kam ein bekannter Richter und dessen Frau ums Leben. Die gemeinsame Tochter ist spurlos verschwunden. Hinzu kommt, dass die Leichen brutale Verstümmelungen aufweisen, die keineswegs von dem Absturz herrühren können. Reardon soll ergründen, was hinter diesem Unfall steckt. Bei seinen Recherchen stößt er auf eine unheimliche Gruppierung, die alles daran setzt, um ihr schreckliches Geheimnis zu bewahren …

Wie bereits in „Manitou“, so verbindet Masterton auch hier Thrillerelemente mit Horror und Mythologie, um daraus einen überaus spannenden und kurzweiligen Roman zu schaffen. Dabei ist die Story geprägt durch den harten Kontrast zwischen kritischer Vernunft und Aberglaube. Denn die Frage, die sich Reardon ab einem gewissen Punkt stellen muss, lautet, ob all dies, was seine Recherchen ans Licht bringen, überhaupt der Realität entsprechen kann. Immerhin ist er Versicherungsdetektiv und glaubt an nichts anderes als an überprüfbare Tatsachen.

Speziell dieser Aspekt macht den Roman sehr interessant, und Masterton zeigt sich einmal mehr als Meister seines Fachs, indem er diese Gegenüberstellung spannend und durchaus originell in „Die Schlaflosen“ einarbeitet. Anfang der 90er Jahre geschrieben, macht sich dabei der Charme des späten 80er Jahre Horrors bemerkbar, der u. a. von den Werken Clive Barkers geprägt war. Ungefähr in diese Kerbe schlägt auch Masterton im wahrsten Sinne des Wortes, verbindet er doch Splatter mit den ins Radikale transformierten Ansichten eines Marquis de Sade.

„Die Schlaflosen“ ist ein durch und durch gelungener Roman, bei dem sich die fast 600 Seiten weglesen wie nichts. Stets fiebert man mit, welche Entdeckungen Reardon als nächstes machen wird und welche Gefahr wohl hinter der nächsten Ecke lauert. Kurz: einmal mehr ein lesenswerter Roman aus dem Hause Festa.

Graham Masterton. Die Schlaflosen. Festa Verlag 2017, 586 Seiten, 13,95 Euro, ISBN: 978-3-86552-546-8

 

Monster – Der neue Horrorthriller von Carl Denning

Mit „Monster“ erscheint nun bereits der sechste Roman von Carl Denning. Mit ca. 310 Seiten ist es zudem der bisher umfangreichste Horrorthriller.

Altamont ist ein kleiner und friedlicher Ort am Rand des Grand Jardin Nationalparks in Kanada. Diese Idylle endet plötzlich, als auf einer Lichtung eine Gruppe Umweltschützer bestialisch ermordet wird. Kurz darauf findet ein Biologe die verstümmelte Leiche eines alten Einsiedlers. Was die Fälle noch unheimlicher macht, ist, dass an jedem der Tatorte ein mysteriöser Steinhaufen errichtet wurde. Und noch etwas macht den Fall äußerst bizarr: an einem der Tatorte wird der Abdruck eines riesigen Fußes entdeckt. Für Susan Gant, Chefinspektor und Leiterin der Polizeistation in Altamont, deutet zunächst alles auf die grausamen Taten eines Psychopathen hin. Doch bald kommt sie zu der Erkenntnis, dass etwas weitaus Schlimmeres sein Unwesen in den endlosen Wäldern treibt. Ein Monster geht um. Und die Zeit drängt. Denn schon fallen weitere Menschen der albtraumhaften Kreatur zum Opfer …

Von Carl Denning erschienen bereits die Horrorromane:

Blutige Schatten, Das Böse, Angst, Darkmoore und Todesstation.

Kaiju Winter – Monster-Action bis zum geht nicht mehr

Jake Bible besitzt in den USA längst so etwas wie einen Kultstatus. Seine trashigen Horror-Action-Romane sind genau das, was sie versprechen: trashige Horror-Action-Romane. Bible, der bereits für den Bram Stoker Award nominiert war, haut dabei einen Roman nach dem anderen raus. Und das Sympathische: der Autor nimmt sich selbst nicht so ernst.

Jake Bible, der tatsächlich so heißt, schuf mit „Kaiju Winter“ ein Beispiel dafür, wie man den Leser von der ersten Seite an in einen Roman hineinzieht. Nein, das ist bei weitem zu harmlos geschildert, denn Bible reißt den Leser regelrecht in seinen Roman. Es geht um einen heftigen Vulkanausbruch im Yellowstone Park, der für mehr als nur für Chaos sorgt. Denn bei dem Ausbruch allein bleibt es nicht. Aus dem Vulkan steigt eine Schar Riesenmonster, die zusätzlich für Furore sorgen.

Um es kurz zu machen, der Roman ist von der ersten Zeile an ein echter Pageturner. Bibles rasanter Erzählstil treibt die Story mit 180 Sachen voran, ohne sich auch nur irgendeine ruhige Minute zu gönnen. Dabei geht es Bible nicht unbedingt um wissenschaftliche Genauigkeit. Viel wichtiger ist für ihn die Entwicklung und das Verhalten der Figuren. Auf diese Weise kreiert Bible unterschiedliche Handlungsebenen, die die Geschichte zusätzlich interessant machen.

Man merkt auf jeder Seite, wie viel Spaß der Autor beim Schreiben des Buches hatte. Und das Schöne dabei ist, dass sich dieser Spaß eins zu eins auf den Leser überträgt. Natürlich bleibt der Roman recht vordergründig, doch das ist auch so gewollt. Bible möchte den Leser lediglich unterhalten, und genau das gelingt ihm auch zu 100 Prozent.

„Kaiju Winter“ ist auf jeden Fall ein großes Vergnügen, das neugierig macht auf die anderen Romane des Autors. Die gelungene Mischung aus Trash, Horror und Action sollte man sich nicht entgehen lassen.

Jake Bible. Kaiju Winter. Luzifer Verlag 2017, 333 Seiten, 12,99 Euro, ISBN: 978-3-95835-189-9