20th Century Boys – Ein Superheldenfilm aus Japan

Im Jahr 2008 brachten die Toho-Studios mit der Manga-Verfilmung „20th Century Boys“ den bisher teuersten japanischen Film in die Kinos. Die Investition aber hat sich anscheinend gelohnt, denn die Comic-Adaption wurde zugleich zu einem der erfolgreichsten japanischen Filme der letzten zehn Jahre.

Die Geschichte ist wie folgt: 1969 gründet Kenji zusammen mit seinen Freunden eine Jugendbande. In einem geheimen Lager gehen sie ihrer Comicbegeisterung nach. Sie beschließen, ein eigenes Comic zu zeichnen, in dem sie als Helden die Welt vor einer gigantischen Bedrohung retten. Das Buch nennen sie „Buch der Prophezeiungen“. Dreißig Jahre später kommt es zu einer sonderbaren Situation. Denn auf einmal treten genau die Ereignisse und Zwischenfälle auf, die sie in ihrem Comic skizziert haben. Ein mysteriöser Kult breitet sich schnell in Japan aus. Der Name des Anführers lautet einfach nur „Freund“. Seltsamerweise verwendet der Kult dieselben Symbole, die auch die Jugendbande verwendet hat. Kenji führt daher seine Freunde von damals wieder zusammen, um gegen diesen ominösen Kult anzutreten.

Der Roboter greift Tokio an; „20th Century Boys“ (2008); Copyright: Toho

Obwohl sich die Gruppe selbst als „20th Century Boys“ bezeichnet, ist jeder Einzelne von ihnen alles andere als heldenhaft. Aus den Kindern von damals sind Durchschnittsmenschen geworden, die völlig normalen Berufen nachgehen. Nur langsam erinnern sie sich an ihre Kindheit und daran, was sie damals unternommen haben. Als es offensichtlich wird, dass jemand die Ideen ihres geheimen Comics von damals verwendet und sogar ihr Geheimsymbol benutzt, schließt sie das erneut zu einer Gruppe zusammen, da sie glauben, dass nur sie die Bedrohung beseitigen können. Zugleich zeigt der Film, wie machtlos sie gegenüber dieser plötzlichen globalen Bedrohung sind. Terroranschläge werden verübt, künstliche Viren als biologische Waffen eingesetzt und schließlich kreuzt sogar ein Riesenroboter auf, der Tokio vernichten will.

Regisseur Yukihiko Tsutsumi erzählt diese Geschichte über Freundschaft sehr feinfühlig, zugleich aber auch mit einiger Ironie und etwas Humor. Gleichzeitig verarbeitet er darin Ängste gegenüber religiösem Fundamentalismus und einer Zunahme faschistischer Gruppierungen, die dem Film zusätzlich eine aktuelle Thematik verleihen. Alles zusammen verwebt Tsutsumi in eine Rahmenhandlung, in der sich in einem zum Faschismus zurückgekehrten Japan zwei Gefangene unterhalten. Dadurch erhält der Film zuweilen einen recht düsteren und pessimistischen Unterton. „20th Century Boys“ ist sozusagen ein etwas anderer Superheldenfilm.

Die einzig maskierte Figur ist „Der Freund“, der erst Japan und anschließend die übrige Welt unter seine Herrschaft bringen will. Dabei kreist die Geschichte stets um das Geheimnis der Identität dieser Figur. Ist es ein früherer Freund der Gruppe oder einfach irgendeine Person, die dahinter steckt? Auch wenn die Action in diesem Film eher knapp bemessen ist, so wird der Film mit seinen über zwei Stunden Spieldauer nie langweilig. Tsutsumi kreiert gekonnt eine zunehmende Spannung, die ihren Höhepunkt in dem Angriff des Roboters erreicht. „20th Century Boys“ macht dies zu einem sehr interessanten Beitrag zur Superhelden-Manie.

Der Mann aus Metall (1974)

Die Zeit des Kalten Krieges spiegelt sich in fast allen Spionagefilmen aus jener Epoche wider. Die Drehbuchautoren wussten genau, wer die „Bösen“ und wer die „Guten“ waren, und alles, was sich hinter dem Eisernen Vorhang abspielte, kam bedrohlich und irgendwie fremdartig vor. Natürlich setzte sich das politische Schwarzweißdenken auch in so manchem SF-Thriller fest. Zu den bekanntesten Beispielen zählt sicherlich „Der gefährlichste Mann der Welt“ aus dem Jahr 1969, auch wenn hier auf Seiten der Bösen Russland durch China ersetzt wurde. Ein weiterer Film, der vor allem durch seine Spannung hervorsticht, ist „Who?“, der in Deutschland unter dem Titel „Der Mann aus Metall“ in die Kinos kam.

Dieser Film basiert auf dem SF-Roman „Zwischen den Welten“ (im Original ebenfalls „Who?“) des Schriftstellers Algis Budrys. Die Geschichte handelt von dem Atomphysiker Dr. Martino, der in der DDR bei einem Autounfall schwer verletzt wird. Russische Ärzte ersetzen sein Gesicht sowie seinen Rumpf durch Metall. Als er an der Innerdeutschengrenze den USA übergeben wird, zweifelt man an seiner Identität. Er wird für einen russischen Geheimagenten gehalten …

Rogers (Elliott Gould) ist von der Identität Dr. Martinos (Joseph Bova) nicht überzeugt; „Der Mann aus Metall“ (1974); Copyright: e-m-s

„Der Mann aus Metall“ ist ein sehr spannender Thriller, der von der ersten Minute an fesselt und äußerst überzeugend dargestellt ist. Vor allem sticht hierbei der Konflikt zwischen Dr. Martino und dem überaus skeptischen FBI-Agenten Sean Rogers heraus. Die Tragik, die sich daraus ergibt, ist durchaus nachvollziehbar. Der Atomphysiker, der durch seine Verwandlung in einen Mann aus Metall genug zu leiden hat, wird durch die staatliche Behörde seines Heimatlandes daran gehindert, wieder ein normales Leben zu führen.

Stattdessen wird seine gesamte Biographie bis hin zu den intimsten Details überprüft. Aber egal, welche Antwort Dr. Martino gibt, die Behörde bleibt weiter dabei, seine Identität als zweifelhaft zu beurteilen. Interessant ist hierbei, dass die Rückblenden aus Martinos früherem Leben stets aus der Perspektive einer subjektiven Kamera gedreht sind, so dass man sein richtiges Gesicht nie zu sehen bekommt. Natürlich versuchen auch die Russen, bestimmte Informationen aus Martino herauszubekommen, um dadurch an Informationen über das geheime Neptun-Projekt zu erhalten, an dem Martino arbeitet. Dabei schneidet der Film zwischen dem russischen und dem amerikanischen Verhör hin und her, was eine sehr hohe dramatische Dichte verursacht.

Die Metallmaske besitzt natürlich den Charme der frühen 70er Jahre. Das Design wirkt hierbei nicht aus der Luft gegriffen, sondern durchaus realistisch. „Der Mann aus Metall“ ist auf jeden Fall ein überaus sehenswerter SF-Film.

Der Mann aus Metall (OT: Who?), Regie: Jack Gold, Drehbuch: John Gould, Produktion: Barry Levinson, Darsteller: Elliott Gould, Trevor Howard, Joseph Bova. England 1974, 89 Min.

 

Trash der 60er (12): Die Gruft der toten Frauen

gruftderfrauenNeben den Hammer-Studios gab  es in den 60er Jahren noch andere Produktionsfirmen in England, die im Fahrwasser des Erfolgs der beliebten Gothic-Horrorfilme ihre Produktionen auf den Markt zu brachten. Eine dieser Firmen hieß Planet Films, die immer wieder versuchte, auf den „Hammer-Zug“ aufzuspringen. Doch fehlten den Filmen dieser Firma eindeutig der Witz, der Charme und die Leidenschaft, so dass sie nicht aus dem Schatten von Hammer herausragten.

Ein Beispiel hierfür ist „Die Gruft der toten Frauen“, eine recht klassische Gruselgeschichte, die mehr schlecht als recht die damalige Okkultismuswelle aufgreift. Es geht darin um den Schriftsteller Paul Baxter, der zusammen mit seinen beiden Schwestern Urlaub in der Bretagne macht. Bei einem Abendspaziergang werden alle drei von einer alten Zigeunerin gewarnt, da der Fürst der Finsternis hier sein Unwesen treiben soll. Unsere Rationalisten sehen das locker, doch müssen sie kurz danach einsehen, dass sie falsch lagen. Denn Baxters Schwestern werden tot aufgefunden. Da die Polizei ratlos ist, nimmt Baxter die Suche nach dem Mörder selbst in die Hand und kommt so einem Vampir auf die Spur, der vorhat, die Welt zu beherrschen …

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Ein kleines Ritual für zwischendurch; „Die Gruft der toten Frauen“ (1968); Copyright: e-m-s

Im Gegensatz zu den Hammerfilmen, möchte Regisseur Lance Comfort dadurch an Originalität gewinnen, indem er seinen Film in der Gegenwart spielen lässt. So gelingt es ihm tatsächlich, die damalige okkulte Modeerscheinung interessant und nicht ohne Witz einzufangen. Hätte sich der Film komplett in diesem Milieu der Anhänger von Esoterik und Okkultem abgespielt, so wäre ihm sicherlich eine moderne Mischung aus Krimi und Phantastik gelungen.

Leider aber biegt Comfort die Handlung zurück in die klassische und bereits zigmal durchgekaute Vampir-schleicht-durch-die-Nacht-Variante, was eindeutig die Schwäche dieses Filmes ausmacht. Denn die Szenen, in denen der Vampir und seine Gemeinschaft in Aktion treten, erscheinen hier banal und reichen keineswegs an die großartigen Vampirszenarien der Hammer-Produktionen heran. Dadurch ergibt sich ein in Ansätzen gut gemachter Prototyp des Mystery-Thillers, der jedoch beim Abdriften ins Übernatürliche schwächelt.

Die Gruft der toten Frauen (OT: Devils of Darkness), Regie: Lance Comfort, Drehbuch: Lyn Fairhurst, Produktion: Tom Blakeley, Darsteller: William Sylvester, Hubert Noel, Carol Gray, Diana Decker, Tracy Reed. England 1968, 82 Min.

Der Koloss von Rhodos – Sergio Leones erster Spielfilm

rhodosDer Koloss von Rhodos zählt zu den sieben Weltwundern der Antike. Angeblich soll er eine Art Leuchtturm in Gestalt einer gewaltigen Götterstatue gewesen sein, die den Eingang zum Hafen von Rhodos bewachte. Bis heute rätseln Historiker und Archäologen darüber, ob es dieses gigantische Bauwerk tatsächlich gegeben hat. Des Weiteren stellen sich Experten die Frage, wie diese monumentale Statue aufgrund ihres tonnenschweren Gewichtes überhaupt stehen konnte. Sollte es den Koloss von Rhodos wirklich gegeben haben, so lautet die einhellige Meinung, setzt dies ein ungeheures Maß an Know-how in Konstruktion und Materialverwertung voraus.

Unbeeindruckt von all diesen historischen Spekulationen und bauphysikalischen Rätseln, drehte der berühmte Regisseur Sergio Leone Anfang der 60er Jahre einen Film, der genau dieses Weltwunder zum Thema hat. Die Produzenten verlangten von ihm einen der damals in Mode gewesenen Sandalenfilme, in denen eingeölte Muskelmänner Römer verhauten. Leone aber widersetzte sich diesen Vorgaben und drehte einen Film, der das Wort monumental wirklich beanspruchen kann.

Die Handlung ist recht schnell erzählt: Der griechische General Darios erholt sich in Rhodos für ein paar Tage von seinen Kampfstrapazen. Er ist Ehrengast des Tyrannen Xerxes. Das ruhige, angenehme Leben ist allerdings nur von kurzer Dauer, da Darios unvermittelt in einen Aufstand verwickelt wird, durch welchen Xerxes gestürzt werden soll. Intrigen und offene Konflikte durchziehen die gesamte Geschichte und kumulieren gegen Ende in einem gigantischen Spektakel, in dem Kämpfe, Erdbeben und weitere Naturgewalten sich zu einem einzigen Strudel der Ereignisse vermischen.

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Die Riesenstatue in Sergio Leones Erstlingswerk aus dem Jahr 1961; Copyright: e-m-s

Darios besitzt nicht die Charakterzüge eines Herkules, der etwas naiv, aber stets hilfsbereit die Unterdrückten von ihren Unterdrückern befreit. Im Gegenteil, er ist am politischen Leben stark interessiert und bildet sich darüber seine eigenen Meinung, die er gerne mit einer Prise Ironie verkündet, wie zum Beispiel: „Deine Insel des Friedens ist etwas turbulent“ oder: „Für eine Insel des Friedens sind zwei Morde am Tag ein bisschen viel“ oder: „Wenn das hier eine Insel des Friedens ist, dann ziehe ich den Krieg aber vor!“

Sergio Leones Erstling kennt in der Tat keine einzige friedliche Minute. Über 130 Minuten lang wird Darios gejagt, kommt es zu Kämpfen oder zu gemeinen Morden. Die letzte halbe Stunde gehört dabei zu den fulminantesten Actionszenen, die bis heute gedreht wurden: Noch während der Kampf zwischen den Truppen Xerxes‘ und den Aufständischen tobt, bricht ein gewaltiges Erdbeben los, bei dem die gesamte Stadt zerstört wird. Straßen reißen auf, Gebäude stürzen ein, die Menschen fliehen in Panik. Der Kampf erreicht im schwankenden Koloss seinen Höhepunkt, bevor dieser schließlich – wie es in antiken Überlieferungen berichtet wird – ebenfalls zusammenbricht.

Der Film besticht jedoch nicht allein durch seine witzige Ironie und seine turbulente Action, sondern auch durch seinen deftigen, teils schwarzen Humor und seine Selbstironie, die beinahe den gesamten Film durchzieht.

Der Koloss von Rhodos (OT: Il colosso di Rodi), Regie: Sergio Leone, Drehbuch: Luciano Chitarini, Ennio De Concini, Produktion: Michele Scaglione, Darsteller: Rory Calhoun, Lera Massari, Gerges Marchal, Italien/Spanien/Frankreich 1961, 137 Min.

Thai-Horror: The Art of the Devil

artofthedevilThailands Horrorfilmbranche versuchte für einige Zeit, mit den Genreproduktionen aus Japan und Südkorea Schritt zu halten, und gelegentlich gelang dies sogar. So verweisen Filme wie „The Eye“ oder „Der Kannibale“ darauf, wie kunstvoll asiatischer Kinogrusel sein kann. Mit „Art of the Devil“ kam 2004 ein Film auf den deutschen DVD-Markt, der den oben genannten Beispielen in nichts nachsteht.

Die Handlung ist wie folgt: Boom ist eine junge Sekretärin, die eine Affäre mit ihrem Chef hat. Als sie von ihm ein Kind erwartet, möchte er sie mit Geld zu einer Abtreibung überreden. Die junge Frau geht jedoch nicht darauf ein. Nachdem sie von ihm und seinen Freunden brutal misshandelt wurde, schwört Boom Rache. Gnadenlos bringt sie seine gesamte Familie um. Diese Taten bringen sie jedoch keineswegs zur Ruhe …

„Art of the Devil“ ist eine bizarre Geschichte über Rache und Wahnsinn, in der die Protagonistin selbst zu einer Art unheilbringendem Geist mutiert. Der Film ist nicht geradlinig erzählt, sondern beginnt kurz vor dem entscheidenden Finale, sodass die eigentliche Story im Grunde genommen erklärt, wie es zu dem Finale gekommen ist. Boom berichtet ihrem letzten Opfer detailgetreu, wie sie ihre früheren Morde begangen hat. Befindet sich der Zuschauer zunächst auf der Seite Booms, so nimmt die Sympathie gegenüber dem „Racheengel“ nach und nach aufgrund der sich verändernden Charakterisierung ab. Doch auch ihre Opfer werden nicht gerade in ein günstiges Licht gestellt. Bei ihren Übeltaten schreckt Boom auch vor schwarzer Magie nicht zurück. Dies führt dazu, dass der ein oder andere unvermutet scharfe Rasierklingen ausspuckt.

Die Racheorgie wird konsequent den ganzen Film hindurch weitergeführt. So gesehen gehört „Art of the Devil“ zu den brutalsten und blutigsten Genrefilmen aus Thailand. Hin und wieder fühlt man sich in leichten Ansätzen an Miikes Meisterwerk „Audition“ erinnert. Doch kopiert „Art of the Devil“ Miikes Film nicht, sondern findet geradezu labyrinthisch seinen eigenen Weg.

Art of the Devil (OT: Khon leu Khong), Regie: Tanit Jitnukul, Drehbuch: Sirlausson Dara, Darsteller: Arisa Wills, Supakson Chaimogkol, Tin Setachoke. Thailand 2004, 93 Min.

Tierhorror (3): Kat

katWer schon immer mal wissen wollte, ob das Verschwinden seiner Nachbarn möglicherweise etwas mit seiner Katze zu tun haben könnte, der bekommt Aufschluss darüber in einem dänischen Katzen-Thriller, der sich speziell dieses Themas annimmt. „Kat“ ist ein recht interessanter Tierhorrorstreifen des dänischen Horrorregisseurs Martin Schmidt.

„Kat“ handelt von der Studentin Maria, die gemeinsam mit ihrer Freundin und ihrer Katze in einem Appartement wohnt. Die Obermieter sind die Großeltern von Marias Freundin und haben ein äußerst skurriles Hobby: Sie versuchen mit Dämonen in Kontakt zu treten. Bei einer der Seancen aber geht etwas schief. Ein äußerst boshafter Dämon übertritt die Schwelle in unsere Welt. Und auf einmal überschlagen sich die Ereignisse. Äußerst brutale Morde geschehen. Mit Marias Katze scheint etwas nicht zu stimmen. Maria selbst wird immer wieder von bizarren Visionen geplagt. Schließlich glaubt die Polizei, Maria selbst sei die Mörderin. Aus Mangel an Beweisen wird sie jedoch wieder freigelassen. Doch sucht nun Maria selbst nach den Ursachen für diese plötzlichen Geschehnisse. Anscheinend hängt alles mit ihrer Katze zusammen …

Für Leute aus dem Horrorgenre ist es recht einfach, mit Filmen über Spinnen beim Zuschauer Ekel bzw. Grauen zu erregen. Bei Filmen über unsere schnurrenden Hausgenossen aber wird dies schon schwieriger. In der Tat stellt es einen Regisseur vor eine schier unlösbare Aufgabe, einen Horrorfilm über eine Katze zu drehen. Die Sympathie der Zuschauer ist auf alle Fälle auf Seiten des Stubentigers. Daher bleibt der einzige Weg, eine äußerst subtile Art der Darstellung zu wählen, um somit auch beim größten Katzenfreund eine (kleine) Gänsehaut hervorzurufen.

Dies gelingt Martin Schmidt allemal. Die Katze mutiert in „Kat“ nach und nach zu einer mordenden Bestie, die sämtlichen Menschen, die sie streicheln wollen, eine mit ihren Krallen verpasst. Dabei spielt Schmidt mit den gängigen abergläubischen Vorstellungen über das Wesen der Katze. Auch die typische Fähigkeit von Katzen, plötzlich zu verschwinden, um irgendwann mal genauso plötzlich wieder aufzutauchen, wird dadurch zu etwas äußerst Unheimlichem und Bedrohlichem umgewandelt.

Die Figuren wirken dabei sehr überzeugend und werden von recht guten Schauspielern verkörpert. Die Spezial-Effekte sind durchaus gelungen und werden gegen Ende überaus blutig. Trotzdem ist „Kat“ alles andere als ein Splatter-Film. Vielmehr ist Martin Schmidts Gruselstreifen ein Garant für stilvollen Horror und bedrohliche Atmosphäre. – Aber denkt dran: nicht eure Katze sehen lassen …

Kat, Regie: Martin Schmidt, Drehbuch: Marie Trolle Larsen, Produktion: Henrik Danstrup, Darsteller: Liv Corfixen, Soren Pilmark, Martin Brygmann, Charlotte Munck. Dänemark 2001, 85 Min.

Trash der 60er (11): Die, Monster, Die!

diemonsterdie„Can you stand PURE TERROR?“ war auf dem damaligen Kinoplakat zu dem Film „Die, Monster, Die!“ zu lesen, der in Deutschland unter dem Titel „Das Grauen von Schloss Witley“ in die Kinos kam. Das Drehbuch basiert auf der Erzählung „Die Farbe auf dem All“ von H. P. Lovecraft. Obwohl auch dieser Film von American International Pictures stammt, wirkt hier nicht Stammschauspieler Vincent Price mit. Stattdessen ließ die Produktionsfirma einen weiteren Star des Horrorgenres auf die Zuschauer los. Es handelte sich dabei um keinen Geringeren als Boris Karloff, der als wahnsinniger Wissenschaftler für Furore sorgen sollte.

Der Film erzählt von Stephen, der seine Verlobte Susan auf Schloss Witley besucht. Kaum ist er dort, als Susans Mutter beide drängt, das Schloss sofort zu verlassen. Doch Stephen möchte unbedingt hinter das Geheimnis des Schlosses kommen, in dem Susans Vater unheimliche Experimente durchführt. Schließlich treten sie dem „puren Terror“ von Angesicht zu Angesicht gegenüber …

„Die, Monster, Die!“ ist zwar ein gelungener Trash-Horror aus dem Hause AIP, besitzt aber zugleich nicht die Qualität und den Charme der Vincent-Price-Filme, auch wenn SF- und Horrorautor Jerry Sohl das Drehbuch verfasste. In David Hallers Film stehen Alleskönner Stephen und seine stets kreischende Verlobte einem müde erscheinenden Boris Karloff gegenüber. Was man dem Film aber dennoch zugute halten muss, ist, dass es ihm gelingt, den Zuschauer immer wieder zu überraschen.

Ebenso interessant ist, dass „Die, Monster, Die!“ gezielt auf Schockeffekte setzt. Im Kino verfehlten diese sicherlich nicht ihre Wirkung. Es handelt sich dabei um den Einsatz von nervenaufreibender Stille, der unerwartet ein lautes Geräusch folgt, um dadurch das Publikum aus den Kinositzen fahren zu lassen. Gerne wird diese Methode auch in heutigen Filmen eingesetzt wird. So wirken die Schockeffekte, mit denen „Das Grauen von Schloss Witley“ gewürzt ist, auch heute noch, was den Unterhaltungsgrad des Films noch erhöht.

Mit dem Werk Lovecrafts hat der Film natürlich kaum noch etwas zu tun. Als klassischer Horrorfilm aber ist er immer wieder sehenswert.

Das Grauen auf Schloss Witley (OT: Die, Monster, Die!), Regie: Daniel Haller, Drehbuch: Jerry Sohl, Produktion: Pat Green, Darsteller: Boris Karloff, Nick Adams, Susan Farmer, Freda Jackson, Paul Farrell, Terence de Marney. USA 1965, 75 Min.

FuBs Fundgrube: Ärger mit der Unsterblichkeit

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Cover des 1960 erschienenen Romans

Eigentlich wollte ich in dieser Reihe nur spannende und überaus lesenswerte Bücher vorstellen, die es nur noch antiquarisch zu haben gibt. Doch heute mache ich hier einmal eine kleine Ausnahme und stelle einen Roman vor, der mich ziemlich enttäuscht und irgendwie verärgert hat.

Der Roman trägt den Titel „Ärger mit der Unsterblichkeit“ und stammt aus dem Jahr 1960 (in Deutschland erschien der Roman 1970). Autor ist niemand anderer als John Wyndham, dessen SF-Romane eigentlich ohne Einschränkung zu empfehlen sind. Mit „Ärger mit der Unsterblichkeit“ aber legte er einen Roman vor, bei dem es irgendwie hinten und vorne nicht stimmt. Dennoch, so paradox dies klingt, fasziniert der Roman teilweise.

Der Originaltitel lautet „Trouble with Lichen“. Es geht in dem Roman um eine sonderbare und sehr seltene Flechte, die in China entdeckt wurde. Der Chemiker Francis Saxover möchte aus der Flechte ein Antibiotikum herstellen. Seine Mitarbeiterin Diana Brackley aber entdeckt durch Zufall, dass die Flechte eine ganz andere Wirkung besitzt: durch die Einnahme kommt es zu einer deutlichen Lebensverlängerung beim Menschen. Und zwar bis zu 200 Jahre. Allerdings ist der Rohstoff begrenzt, was bedeutet, dass die Wirkung von Lichen geheim gehalten werden muss.

All dies klingt ja vielversprechend und interessant. Doch Wyndham verzettelt sich in dem Roman in einen Haufen Ungereimtheiten, er entwickelt Handlungstränge, die er dann plötzlich links liegen lässt – und zum Schluss hat man einfach keine Lust mehr, den Roman weiter zu lesen. Hinzu kommt, dass die deutsche Übersetzung alles andere als gelungen ist.

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Cover der 1970 in Deutschland erschienenen Ausgabe

Was hatte Wyndham nur dazu getrieben, einen solch schlechten Roman zu schreiben? Tatsächlich kommt es einem manchmal vor, als habe er sich selbst beim Schreiben durch den Roman gequält, vieles wirkt einfach nur lustlos. Der Roman beginnt mit der Beerdigung von Diana Brackley, die im hohen Alter gestorben ist. Es wird dabei eine Art von Matriarchat skizziert. Wyndham greift die Idee einer ungewöhnlichen feministischen Bewegung in anfänglichen Dialogen auf, sodass man meint, gut, hier geht es darum, wie sich ein traditionelles Patriarchat in ein Matriarchat transformiert.

Doch weit gefehlt. Wyndham lässt diese spannende Idee plötzlich links liegen und beginnt darauf mit der Entdeckung von Lichen. Diana kündigt nach dieser Entdeckung bei Francis Saxover, um einen Schönheitssalon aufzumachen, wo sie zahlungskräftigen Kundinnen Lichen verabreicht. Eine Kundin reagiert allerdings allergisch auf die Behandlung und bringt durch einen öffentlichen Prozess die Presse auf die Spur des Wundermittels.

Wyndham hat die Konsequenzen, die ein lebensverlängerndes Mittel mit sich bringen würde, bis aufs I-Tüpfelchen durchdacht. Und genau diese Punkte machen den Roman faszinierend. Alles andere aber wirkt unzusammenhängend. Von dem Matriarchat ist nicht mehr die Rede, außer in einer kurzen Protestbewegung, die aber später auch keine Rolle mehr spielt. Es wirkt so, als habe Wyndham zwei Romanideen in eine verwursteln wollen. Dieses Projekt aber ist ihm vollkommen misslungen.

Nein, mit „Ärger mit der Unsterblichkeit“ muss man sich nicht plagen. So leid es mir tut, doch der Roman kann ohne weiteres in Vergessenheit bleiben.

In Deutschland erschien Wyndhams Roman 1970 im Heyne-Verlag unter der Nummer 3207 der damaligen SF-Reihe und hat 144 Seiten.