Historische Serienmörder Band IV

historischeserienmoederivBand eins der Reihe „Historische Serienmörder“ gehört zu den erfolgreichsten Veröffentlichungen aus dem Hause Kirchschlager. Die Reihe beschäftigt sich mit unheimlichen und außergewöhnlichen Kriminalfällen, die vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert reichen.

Band IV steht in Sachen Spannung und Gänsehaut den vorangegangenen Büchern in nichts nach. Der Historiker Michael Kirchschlager entdeckte bei seinen Recherchen u. a. illustrierte Flugblätter aus dem 16. Jahrhundert, in denen von eigenartigen Mordfällen die Rede ist. So ging in Ferrara im Jahr 1573 ein siebzigjähriger Serienmörder um, der ahnungslosen Frauen auflauerte. 1581 suchte ein Raubmörder in der Nähe von Köln den Ort Bernkastel heim. Er selbst hauste in einer Erdhöhle im Wald, wohin er eines Tages eine Frau entführte.

Während des Dreißigjährigen Kriegs ging der Raubmörder Jasper Hanebuth um und im Jahr 1780 suchte ein Serienmörder Österreich heim, der teils kannibalische Neigungen aufwies, indem er das Herz eines seiner Opfer aß, da er glaubte, dadurch unsichtbar werden zu können. Im Jahr 1811 kam es in London zu einer Reihe brutaler Raubmorde. Der Täter John Williams trieb dabei vor allem auf dem Ratcliff Highway sein Unwesen. Der Fall wird eindrücklich von dem Kriminalisten Robert Heindl (1883-1958) erzählt.  1888 schließlich ging der wohl berühmteste Serienmörder Jack the Ripper um. Hierzu fand Michael Kirchschlager einen überaus interessanten Artikel von Leopold Engelhardt, wie Heindl ebenfalls bei der Kriminalpolizei tätig gewesen (seine Lebensdaten sind allerdings nicht bekannt), in dem der Autor verschiedene Theorien analysiert, die versuchen, die wahre Identität des Täters zu ergründen.

Gerd Frank, der bereits sein sechsbändiges Werk „Totmacher“ im Verlag Kirchschlager veröffentlicht hat, befasst sich in seinem Beitrag mit den Untaten des „französischen Jack the Ripper“ Joseph Vacher, einem Herumtreiber, der zwischen den Jahren 1894 bis 1897 vor allem Hirtenjungen und Mädchen auflauerte.

Der Autor Armin Rütters berichtet von dem deutschen Serienmörder Karl Großmann, der 1921 in Berlin Frauen als Haushälterinnen anwarb, um sie in seiner Wohnung zu ermorden. Die beiden Kriminalautoren Birgit Lautenbach und Johann Ebend schließlich schildern ausführlich die sonderbare und zugleich schreckliche Biographie des Mörders Rudolf Pleil, einem sadistischen Psychopathen, der in den 1950er Jahren vor allem Leuten auflauerte, die zwischen den damals besetzten Zonen hin und her reisten.

Der Band beinhaltet nicht nur die erwähnten Beiträge, sondern ergänzt diese z.B. durch ärztliche Gutachten von damals sowie – im Falle Pleils – durch autobiographische Schriftstücke. Ebenfalls enthält das Buch zahlreiche historische Fotos zu den Fällen. Die einzelnen Beiträge sind nicht nur überaus spannend geschrieben, sondern liefern zugleich historisch intersssante Informationen. Die Autoren versuchen stets, ein Gesamtbild der jeweiligen Mörder zu liefern, indem sie deren Biographien nachgehen und dabei versuchen, Gründe für ihr anormales Verhalten zu finden. Dies macht die einzelnen Texte auch aus einer psychologischen Perspektive sehr interessant. Kurz: Mit „Historische Serienmöder Band IV“ ist dem Verlag Kirchschlager einmal mehr ein hervorragendes Werk gelungen.

Historische Serienmörder Band IV. Menschliche Ungeheuer vom späten Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Hrsg. Michael Kirchschlager. Verlag Kirchschlager 2017, 240 Seiten, 18,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-60-1

DellaMorte DellAmore – Einfach ein Klassiker

dellamortedellamoreItaliens Horrorruhm war schon längst vergangen, als in eben diesem Land ein Film gedreht wurde, der bereits kurz nach seiner Kinopremiere als moderner Klassiker des Genrefilms gefeiert wurde.

Es handelt sich dabei um die Geschichte des einsamen Friedhofswärters Francesco Dellamorte, der zusammen mit seinem stummen Assistenten Gnaghi für Ruhe und Ordnung auf dem Friedhof sorgt. Und dies ist alles andere als leicht. Denn Menschen, die hier begraben werden, kommen sieben Tage nach ihrer Beerdigung wieder aus ihren Gräbern, um dort ihren kannibalischen Neigungen nachzugehen. Als Francesco eine Frau, in die er sich kopfüber verliebt hat, als Zombie erschießen muss, gleitet er in eine immer stärkere geistige Verwirrung hinein, bis er schon bald nicht mehr die Lebenden von den Toten unterscheiden kann.

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Eine Wahnvorstellung oder Wirklichkeit? Die Friedhofsstatue wird lebendig. „DellaMorte, DellAmore“ (1994); Copyright: Medusa Home Entertainment

DellaMorte, DellAmore ist eine geradezu vollendete Mischung aus Komödie, Drama, Horror, Splatter und poetischer Gruselmär. Soavi bringt in seinem Werk so unterschiedliche Aspekte wie Zombiefilm und Tragikomödie unter einen Hut, ohne dabei verkitscht oder trashig zu wirken, und dabei gelingt es ihm zugleich, sich in der Ästhetik des europäischen Kinos zu schwelgen. Man glaubt es nicht, doch alles passt zusammen.

Die liebevoll erdachten Charaktere besitzen eine ungeheure Tiefe und wirken dadurch überzeugend und lebendig zugleich. Es gibt eine hohe Anzahl an Untoten, die Dellamorte und sein Freund Gnaghi mit Revolver und Gewehr wieder in ihre Gräber befördern. Die dabei verwendeten Splattereffekte sind hervorragend und lassen den Charme des italienischen Horrorkinos der 80er Jahre auferstehen.

DellaMorte, DellAmore war nicht nur Michele Soavis größter Wurf, sondern für lange Jahre auch sein letzter.  Mit seinen späteren Filmen konnte er weder an den Erfolg noch an die Kunst seines Meisterwerks anknüpfen. Dellamorte, Dellamore ist und bleibt aber ein Klassiker des Horrorfilms, dessen schön-schaurige Ästhetik immer wieder fasziniert, egal wie oft man den Film bereits gesehen hat.

Dellamorte, Dellamore, Regie: Michele Soavi, Drehbuch: Gianni Romoli, Produktion: Michele Soavi, Gianni Romoli, Darsteller: Rupert Everett, Francois Hadji-Lazaro, Anna Falchi, Mickey Knox, Fabiana Formica. Italien 1994, 99 Min.

Keiler – Tierhorror aus Südkorea

keiler„Mensch gegen Keiler“. So lautet einer der Slogans für diesen Film. Hinzu kommt die Bemerkung, dass es sich hier um ein riesiges, Menschenfleisch fressendes Wildschwein handelt. Zunächst denkt man: „Razorback“ lässt grüßen. Doch dann sieht man diesen Film und denkt nur noch eines: klasse!

Mit „Keiler“ liefert der junge Regisseur Jung-Won Shin eine extrem unterhaltsame und amüsante Mischung aus Satire, Komödie und Tierhorror. Es geht um ein kleines Dorf, das plötzlich von einer Serie unheimlicher Morde und Grabschändungen heimgesucht wird. Während die Polizei nach einem Serienmörder sucht, behauptet ein alter Jäger, dass es sich hier vielmehr um ein Wildschwein handeln könnte. Seine Vermutungen werden zum großen Schrecken der Bewohner bestätigt. Denn es ist kein gewöhnliches Wildschwein, sondern ein gigantischer Mutanten-Keiler, der hier sein Unwesen treibt. Kurz darauf heißt es: Mensch jagt Keiler bzw. Keiler jagt Mensch.

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Das Riesenwildschwein greift an, „Keiler“ (2009); Copyright: Lotte Entertainment

Vor wenigen Jahren lieferte Südkorea mit „The Host“ seinen ersten Big-Budget-Monsterfilm. Bereits dieser Film beinhaltete starke satirische Elemente, wobei er vor allem die US-amerikanische Außenpolitik aufs Korn nahm. „Keiler“ wendet sich hier der eigenen Gesellschaft zu und zieht so ziemlich alles durch den Kakao, was es gibt. Egal, ob es sich um unfähige Beamte, geldgeile Manager, Öko-Welle oder Umweltschutz handelt. Alle und alles bekommt hier sein Fett weg. Dies geschieht mit einem solch herrlichen Sinn für Humor, dass es sich schon allein deshalb lohnt, diesen Film anzusehen. Ein zusätzliches Vergnügen bieten die geniale Action sowie die einwandfreien Spezialeffekte, die dem Riesenwildschwein Leben einhauchen. Die Trickleute, die auch teilweise an den Effekten für „Star Wars“ und „The Day after Tomorrow“ mitarbeiteten, verwendeten sowohl digitale als auch Puppeneffekte, um das Schwein richtig wild erscheinen zu lassen. Seine Proportionen lassen es als tonnenschweres Monster erscheinen, das mühelos Mauern durchbricht, laut quiekt und quietscht und öfters auf seinen Rüssel fällt, besonders dann, wenn es die Kurve nicht mehr kriegt.

Ob Jung-Won Shin tatsächlich ein Remake des australischen Klassikers „Razorback“ abliefern wollte, ist nicht sicher. Manches spricht dafür, anderes wieder dagegen. Wie dem auch sei, „Keiler“ ist knappe zwei Stunden purer Spaß. Oder anders ausgedrückt: wildsaumäßig gut.

Keiler (OT: Chaw), Regie u. Drehbuch: Jung-Won Shin, Produktion: Kyung-Duk Park, Darsteller: Tae-Woong Eum, Yu-Mi Jung, Hang-Sun Jang, Jea-Moon Yoon, Hyuk-Kwon Park. Südkorea 2009, 117 Min.

Haunters – Gelungener SF-Action-Thriller aus Südkorea

hauntersGleich mit seinem Debüt produzierte Regisseur Kim Min-Suk einen der erfolgreichsten südkoreanischen Filme des Jahres 2010. „Haunters“ ist eine Mischung aus Horror, Thriller und Action und handelt von Kyu-Nam, der eine Stelle bei einem Pfandleiher antritt. In dem Büro geschehen seltsame Dinge. Immer wieder verschwindet Geld aus dem Tresor. Und zwar am helllichten Tag. Kurz darauf hat Kyu-Nam ein unheimliches Erlebnis. Ein seltsamer Mann betritt das Büro, während die übrigen Mitarbeiter sich wie in Trance verhalten.

Dies ist der Auftakt zu einem recht spektakulären Katz-und-Maus-Spiel. Der Eindringling heißt Choi-In und besitzt übersinnliche Fähigkeiten, mit denen er das Bewusstsein der Menschen manipulieren kann. Eine Ausnahme bildet hierbei Kyu-Nam, der gegen diese Kräfte immun ist. Während sich Kyu-Nam auf die Spur dieses unheimlichen Gesellen begibt, versucht dieser wiederum alles zu tun, um Kyu-Nam außer Gefecht zu setzen, da dieser seine Existenz bedroht.

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Choi-In (Kang Dong-Won) auf der Flucht. „Haunters“ (2010); Copyright: Next Entertainment World

Kim Min-Suk versteht es von Anfang an eine spannende und witzige Geschichte zu erzählen, die mit gelungenen Effekten aufwartet. Allen voran sind hierbei natürlich Choi-Ins Superaugen zu erwähnen, mit denen er seine Mitmenschen beeinflusst. Natürlich reicht dies allein nicht aus, um einen unterhaltsamen Film zu kreieren. Somit zeigt der Regisseur, wie ganze Menschenversammlungen plötzlich hinter Kyu-Nam her sind oder sich in der Nacht eine Reihe Menschen von ihren Balkonen stürzen.

Kyu-Nam kämpft allerdings keineswegs alleine gegen das Böse. Ihm zur Seite stehen seine beiden Kumpels vom Schrottplatz. Daraus ergibt sich eine Reihe gelungener Gags, die zwischendurch die Thrillerelemente wieder auflockern. Natürlich gibt es auch ein paar kleine Mankos an dem Film. Obwohl Kim Min-Suk eine tolle Story erzählt, reizt er die Möglichkeiten nicht völlig aus. Dies betrifft vor allem eine Verfolgungsjagd auf der Autobahn. Statt es ordentlich krachen zu lassen, drückt Kim genau hier auf die Bremse, um ein paar seiner Gags zu platzieren. Vielleicht liegt dies auch daran, da man ihm als Regieerstling nicht gleich das ganz große Budget anvertrauen wollte. Schade ist es allemal. Denn auch bei anderen Szenen wird diese Behelfsmäßigkeit deutlich. Nichtsdestotrotz ist „Haunters“ ein recht gelungener Spannungsfilm.

Haunters, Regie u. Drehbuch: Kim Min-Suk, Produktion: Lee Yu-Jin, Darsteller: Choi Deok-Moon, Jeong Eun-Chae, Kang Dong-Won, Ko-Soo. Musik: Shim Hyun-jeong, Südkorea 2010, 100 Min.

Die 90er: M.A.R.K. 13 – Hardware (1990)

hardwareMit „Hardware“ kreierte Regisseur Richard Stanley einen postatomaren Thriller der Extraklasse. Dieser Film, der mit zwei Preisen für Beste Special Effects sowie Beste Regie ausgezeichnet wurde und den Silbernen Raben als Bester Film erhielt, kann als eine Mischung aus „Alien„, „Soylent Green“ und „Mad Max“ bezeichnet werden.

Der Film erzählt die Geschichte des Schrottsammlers Mo, der auf einem ehemaligen Schlachtfeld die Überreste eines Roboters findet, der früher zur Bevölkerungsbegrenzung eingesetzt wurde. Mo liefert die Teile bei seiner Freundin Jill ab, die vor allem den Kopf für ihr neuestes Kunstwerk verwenden kann. Die unzerstörbare Maschine jedoch erwacht in Jills Atelier wieder zum Leben. Von da an herrscht in der Mehrzimmerwohnung ein unerbittlicher Kampf …

Richard Stanley schuf mit seinem Film das Bild einer völlig kaputten Zivilisation, die nicht mehr die Kraft besitzt, sich zu erneuern. Statt dessen vegetieren die Menschen in überbevölkerten Städten vor sich hin und erliegen nach und nach dem Strahlentod. Jeder versucht durch irgendeine Art von Geschäft seine Existenz zu sichern. Kurz vor dem Dritten Weltkrieg steigerten sich Politik und Militär zur absoluten Unmenschlichkeit, indem Killerroboter entwickelt wurden, welche die Einhaltung der Geburtenkontrolle garantieren sollten.

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Der Killerroboter erwacht zu neuem Leben. „Hardware“ (1990); Copyright: Koch Media/NSM

Diese apokalyptische Atmosphäre steigert sich im Kampf zwischen Jill und dem Roboter zu einer surrealen Bildersymphonie. Die klaustrophobische Enge der Wohnung verstärkt dabei die Gefahr und Brutalität, die von der Maschine ausgehen. Trotz dieser düsteren Thematik gelingt es dem Film, nicht ganz zu ernst zu werden, sondern immer wieder auf ironische und schwarzhumorige Weise die Handlung aufzulockern.

Die Special-Effekte schuf das Team von „Termenator“. Einige Jahre später kreierten sie auch den Killerroboter in dem Film „Death Machine“. Aufgrund der teils heftigen Gore-Effekte, glaubten unsere FSKler einmal mehr, den Zuschauern in Deutschkand „Hardware“ vorenthalten zu müssen. So wurde er kurz nach der Kinoprämerie indiziert. Die Indizierung wurde anscheinend bisher nicht aufgehoben.

„Hardware“, der in Deutschland unter dem Titel „M.A.R.K. 13“ in den Kinos lief, ist geniales Endzeit-Kino. Zusätzlich besitzt der Film den Charme der Spätachtziger, was sich unter anderem auch in der musikalischen Untermalung bemerkbar macht. Als Schmankerl gibt es im Originalton Altrocker Iggy Pop als Stimme des anarchistischen Radiomoderators Angry Bob zu hören und Lemmy spielt in einer kurzen Szene einen Taxifahrer.

Hardware – M.A.R.K. 13 (OT: Hardware), Regie u. Drehbuch: Richard Stanley, Produktion: Bob u. Harvey Weinstein, Darsteller: Dylan McDermott, Stacy Travis, John Lynch, Iggy Pop, Lemmy. USA 1990, 93 Min.

I.K.U. – Zwischen Videokunst und Softporn

ikuDie taiwanesische Videokünstlerin Shi Lea Cheang kreierte mit ihrer ersten Filmproduktion eine Mischung aus Sex- und SF-Film. Vielleicht passt die Bezeichnung surrealer Softporno etwas besser. Dass, wie hin und wieder behauptet wird, „I.K.U.“ der Blade Runner unter den Sexfilmen sein soll, ist allerdings stark übertrieben.

Dieser Meinung resultiert wahrscheinlich daraus, da „I.K.U.“ immer wieder Dialoge aus dem SF-Klassiker zitiert. Mehr aber hat der Film nicht damit zu tun. „I.K.U.“ handelt von dem Cyborg Reiko, deren Job darin besteht, Daten für eine Orgasmus-Datenbank zu sammeln. Dadurch will der Konzern Genom Corporation virtuelle Sexerlebnisse vermarkten. In einem Nachtclub steckt sich Reiko mit dem Virus Tokyo Rose an, was dazu führt, dass beinahe alle Daten verloren gehen. Also muss Reiko mit ihrer Tätigkeit nochmals von vorne beginnen.

Auch wenn der Film angeblich diese Story haben soll, bekommt der Zuschauer davon nicht wirklich etwas mit. Denn eigentlich ist „I.K.U.“ nichts anderes als eine Aneinanderreihung diverser Sexszenen, ohne dass eine nachvollziehbare Geschichte damit verbunden wäre. Zwar wird durch Zwischeneinblendungen erklärt, wo sich Reiko gerade aufhält, doch das vermittelt auch nicht gerade einen Sinn. Die einzelnen Sexepisoden sind surreal inszeniert und sehr schnell geschnitten. In dieser Hinsicht wirkt „I.K.U.“ fast schon eher wie eine Andernanderreihung verschiedener Videoinstallationen, was keineswegs verwunderlich erscheint, kreiert Cheang doch vor allem Kunstwerke dieser Art. Untermalt wird das Ganze mit Ravemusik. Auch wenn Farbgebung, Beleuchtung und Set-Design durchaus interessant sind, die Optik geradezu stylisch daherkommt und es dem Film keineswegs an Humor oder besser an Witz fehlt, erscheint „I.K.U.“ jedoch nicht wirklich als der der große Wurf.

I.K.U. Regie u. Drehbuch: Shu Lea Cheang, Produktion: Takashi Asai, Darsteller: Ayumu Tokito, Maria Yumeno, Yumeka Sasaki, Miho Ariga, Myu Asou, Musik: Hoppy Kamiyama, The Saboten, Japan 2000, 74 Min.

Trash der 60er (10): Die Bande des Captain Clegg

captaincleggDie Produktionen der Hammer-Studios prägten das Gesicht des Horrorfilms in den 60er Jahren. Schauspieler wie Peter Cushing, Christopher Lee oder auch Oliver Reed begannen ihre Karrieren mit Filmen dieser inzwischen legendären Produktionsfirma. Mit „Die Bande des Captain Clegg“ verbindet Regisseur Peter Graham Scott ein Piratenabenteuer mit den schaurig-schönen Elementen einer viktorianischen Geistergeschichte.

Die Handlung erzählt von einer kleinen Küstenstadt, die im Rufe steht, dem berüchtigten Piratenkapitän Captain Clegg Unterschlupf zu bieten. Aus diesem Grunde wird der Marine-Hauptmann Captain Collier in diesen Ort geschickt, um den Gerüchten nachzuspüren. Doch mit der Kleinstadt scheint irgendetwas nicht zu stimmen. Dies liegt nicht allein an den Piratengeschichten, sondern auch an einer nagenden Angst der Bewohner vor Moorgeistern, die dort ihr Unwesen treiben sollen.

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Plakat mit dem alternativen Filmtitel „Night Creatures“.

Wie in den meisten Fällen der Hammer-Produktionen, bietet auch dieser Film aus dem Jahr 1962 beste Unterhaltung. Was zunächst wie ein Piratenabenteuer beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einer Geschichte über Gespenster, Geheimgänge und sonderbare Geheimnisse. Wie in einem Roman von Sheridan LeFanu oder Wilkie Collins bewegt sich die Story zwischen unheimlichem Schauer, rätselhaften Morden und tragischen Familienschicksalen. Hierbei geht Scott stark auf die Zwielichtigkeit der einzelnen Charaktere ein. Nichts ist so wie es zunächst scheint. Diese Thematik durchzieht den gesamten Film. Egal ob es sich um Gräber, Wandverzierungen oder eben Menschen handelt. Alles bzw. jeder besitzt einen sprichwörtlichen doppelten Boden. Aus diesem Spiel zwischen Schein und Sein kreiert Peter Graham Scott eine dichte Spannung, die nichts zu wünschen übrig lässt.

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Wem man im Moor so begegnen kann … „Captain Clegg“ (1962); Copyright: Hammer Productions

Die Kulissen sind wie in fast allen Hammer-Filmen äußerst liebevoll und bis ins kleinste Detail gestaltet. Schon allein die düsteren, windgepeitschten Häuser der Kleinstadt machen dem Zuschauer deutlich, dass hier unheimliche Dinge vor sich gehen. Die Szenen, die auf dem Moor spielen, sind teilweise in einer gelungenen Gespensterästhetik photographiert, die an die unheimlichen Geschichten eines M. R. James erinnert. „Die Bande des Captain Clegg“ ist dadurch ein schönes Beispiel für die Kunst der Hammer-Studios.

Das Geheimnis von Schloss Monte Christo (1970)

schlossmontechristo1Ab Ende der 60er Jahre wurde das italienische Horrorkino unter Genrefans immer beliebter, gefolgt von den Genrefilmen aus Spanien. Eine Ursache dafür waren die Filme von Mario Bava, dem Begründer des modernen Horrorfilms. Durch Filme wie Die Stunde wenn Dracula kommt, Baron Blood oder Die drei Gesichter der Furcht setzte Bava im internationalen Vergleich sehr hohe Maßstäbe, sodass selbst Vertreter der American International Pictures, welche Vincent Price unter Vertrag hatten und mit Filmen wie Der Untergang des Hauses Usher oder Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes für volle Kinokassen sorgten, vor Staunen kein Wort mehr herausbrachten, als sie sich bei den italienischen Produktionsfirmen umsahen.

Der Grund, weswegen die amerikanischen Produzenten aus dem Staunen nicht mehr herauskamen, war ganz einfach der, dass man im italienischen Horrorkino den Zuschauern viel mehr Blut, Sex und Gewalt zumutete als in den damaligen amerikanischen Filmen, die im Vergleich zu den italienischen Produktionen einfach zu brav wirkten.

Ein Beispiel für das italienische Horrorkino Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre ist Das Geheimnis von Schloss Monte Christo des sonst im Italowestern beheimateten Regisseurs José Luis Merino. Der Film erzählt die Geschichte der Chemikerin Ivana Rakowsky, die eine Anstellung auf Schloss Dalmar angenommen hat. Sie soll helfen, ein Elixier zu suchen, das den toten Bruder des Grafen wieder lebendig werden lässt. Doch kaum ist Ivana bei der Arbeit, als sie beginnt, unter bizarren Alpträumen zu leiden, in denen sie von einem Fremden auf einer Folterbank gequält wird. Als zu diesen Träumen auch noch unheimliche Morde geschehen, lässt Ivana ihre Arbeit ruhen und beginnt, nach der Lösung des Geheimnisses von Schloss Dalmar zu suchen.

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Graf Dalmar reitet aus. Ein Beispiel für die hervorragende Optik des Films.

Typisch für italienische Horrorfilme der 60er und 70er Jahre ist, dass 1. der deutsche Titel nichts mit dem Film zu tun hat und 2. unzählige internationale Alternativtitel zu diesem Film bestehen. So lautet der Originaltitel ganz einfach Ivanna. Mit Schloss Monte Christo hat dies nun wirklich nichts zu tun. Andere internationale Verleihtitel lauten z.B. Altar of Blood oder Scream of the Demon Lover.

Zum Film selbst ist zu sagen, dass Regisseur Merino einen recht guten und spannenden Horrorfilm im Stile der Gothic Novels kreierte. Vor allem fallen die überdurchschnittlich guten Dialoge auf. Besondere Spannung erhält der Film durch den Konflikt zwischen der überaus selbstbewussten Protagonistin und dem charismatischen Grafen Dalmar. Seine Herrschsucht trifft bei ihr zum ersten Mal in seinem Leben auf Widerstand. Dieser Streit zwischen der Chemikerin und dem Grafen ist von Merino sehr einfühlsam und mitreißend in Szene gesetzt worden, im entfernten Sinne erinnert die Figurenkonstellation an diejenige zwischen Jane und Lord Rochester in dem Roman Jane Eyre. Dies wirkt sich durchaus positiv auf den Film aus, erhalten Ivana und Graf Dalmar dadurch eine gewisse Tiefe, die in anderen Filmen dieses Genres größtenteils fehlt.

Die Szenen im Folterkeller erweisen sich geradezu typisch für damalige Horrorfilme und dienen hier eher dazu, dem Film einen Hauch von Sexploitation zu verleihen, was von den Produzenten zwecks Vermarktungsstrategie stets verlangt wurde. dabei liefern die teils natürlichen Kulissen des geheimnisvollen Schlosses einen passenden Hintergrund für die Geschichte. Man merkt, dass sich Merino für diesen Film viel Mühe gegeben hat. Das Geheimnis von Schloss Monte Christo ist somit auf jeden Fall eine kleine Entdeckung für Horrorliebhaber.