Die Nacht der reitenden Leichen (1971)

reitendeleichenMit Die Nacht der reitenden Leichen schuf Regisseur Amando de Ossorio einen zeitlosen Klassiker des spanischen Horrorkinos. Der Film hat die Legenden der grauenvollen Riten der Tempelritter zum Thema, die auch noch nach ihrem Tod als blutgierige Zombiegerippe durch die Landschaft reiten.

Der Film beginnt mit dem Wanderurlaub eines jungen Paars, das plötzlich in Streit gerät. Die Folge des Streits: Virginia flüchtet in die Ruinen eines verfallenen Klosters, um dort zu übernachten. Doch sobald die Sonne untergeht, kommen die Templer aus ihren Gräbern. Als ihrem Freund Roger es doch etwas zu merkwürdig vorkommt, dass Virginia nicht mehr zurückkehrt, beschließt er, sie auf eigene Faust zu suchen. Dabei kommt er ebenfalls zu dem abgelegenen Kloster …

Die beiden größten Fragen, die dieser Film seit jeher aufgeworfen hat, lauten: wieso 1. die Pferde der Tempelritter nicht auch nur aus Knochen bestehen und 2. woher diese Pferde überhaupt stammen. Wenn man sich jedoch nicht weiter darüber den Kopf zerbrechen möchte, so bietet Die Nacht der reitenden Leichen eine schöne Geistermär, in der um Mitternacht die Geisterglocke durch das Kloster hallt, die Einwohner jene gespenstische Gegend seit jeher meiden und furchtbar langsame Gerippe in staubigen Mönchskutten auf Opfersuche gehen. In der Tat wundert man sich immer wieder, wieso die Menschen diesen extrem langsamen Knochenmännern nicht entkommen können. Aber sei’s drum. Wenn die Leichen erst auf ihren Pferden sitzen, liefern sie eine herrliche Gespensterästhetik, die jedes Mal von neuem begeistert.

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Die Tempelritter sind erwacht. „Die Nacht der reitenden Leichen“ (1971); Copyright: Atlas Film

Insgesamt drehte Ossorio noch drei Fortsetzungen mit den Titeln Die Rückkehr der reitenden Leichen, Das Geisterschiff der reitenden Leichen sowie Das Blutgericht der reitenden Leichen. Während im zweiten Teil die knöchernen Tempelritter eine spanische Kleinstadt überfallen und dieser Film mit einem gewissen Tempo aufwartet (manche halten ihn sogar für besser als das Original), besitzt Teil drei eine sehr schöne Geisterschiffkulisse. Hinzu kommt eine angenehm trashige Handlung, in der es darum geht, dass eine Gruppe Fotomodells auf das Schiff der reitenden Leichen gerät. Teil vier schließlich ist der schlechteste Film der Reihe. Hier zieht ein Ehepaar in einen kleinen Küstenort, dessen Einwohner alle sieben Jahre den Templern Opfer darbringen.

Mir persönlich gefällt der Originalfilm am besten. Die Darstellung des auf Volksglauben basierenden Spuks ist hier überaus gelungen. Dieser Film macht aufgrund seiner Mischung aus wundervoll gefilmter Gruselästhetik und Trash einfach immer wieder Spaß. Natürlich drehte Ossorio auch noch weitere Trash- und Horrorfilme, doch wurden diese nie auf dieselbe Weise wahrgenommen wie seine Filme über die reitenden Leichen.

Die Nacht der reitenden Leichen (OT: La Noche del terror ciego), Regie u. Drehbuch: Amando de Ossorio, Produktion: Jose Antonio Perez Giner, Darsteller: Lone Fleming, Cesar Burner, Elena Apron, Joseph Thelman, Maria Silva. Spanien 1971, 97 Min.

7 Gedanken zu “Die Nacht der reitenden Leichen (1971)

  1. filmgeist9 Februar 15, 2017 / 8:45 pm

    Ich hab den Film jetzt so oft gesehen, dass ich ihn überdrüssig geworden bin. Er ist halt 70ger Jahre, trashig, naiv und ein Klassiker seiner Zeit.
    Den ersten Teil fand ich auch immer am besten, wobei ich das Geisterschiff nie gesehen habe.
    Vielleicht sollte ich mir die uncut- BD mal besorgen.

    • Film und Buch Februar 16, 2017 / 11:05 am

      Ich finde den ersten Film immer wieder schön anzusehen. Besonders die Szenen, in denen die Knochen-Templer durch die Ruine reiten, finde ich immer wieder toll. :) – In Deutschland gibt es, glaube ich, nur die geschnittenen Fassungen der reitenden Leichen. Jedenfalls war dies noch bis Anfang 2000 der Fall. – Witzig ist übrigens die Geschichte um den deutschen Verleihtitel vom „Geisterschiff“. Da änderte man den Titel von reitende Leichen um in „Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen“, da reitende Leichen auf einem Schiff dann anscheinend doch irgendwie seltsam klang. Auf jedenfall ist der Film guter Trash.

      • filmgeist9 Februar 16, 2017 / 3:17 pm

        Eigentlich müsste der Film ab FSK16 sein.

      • Film und Buch Februar 17, 2017 / 10:59 am

        Stimmt. Die Entscheidungen der FSK-Stelle sind selten nachvollziehbar.

      • filmgeist9 Februar 17, 2017 / 3:14 pm

        So allmählich wird sie ja humaner- die ganzen Listen- Streichungen und jetzige FSK16

      • Film und Buch Februar 18, 2017 / 11:20 am

        Schön ist u. a., dass die FSK-Stelle bei „Evil Dead“ gemerkt hat, dass ihre Beschlagnahmung aus den 80ern mehr als nur übertrieben war.

      • filmgeist9 Februar 18, 2017 / 1:06 pm

        Obwohl FSK16 schon mehr als großzügig ist

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