Ein Captain für America oder Kehrt die Politik ins Actionkino zurück?

captainamericaRegisseur Joe Johnston bemerkte in einem Interview, dass „Captain America“ nur durch Obamas Politik möglich war. Das Image der USA hatte sich eher ins Positive gewandelt, was natürlich nicht heißt, dass sich die USA wieder als Idealstaat wie in den 50er Jahren fühlte. Doch ein Schwarzer war Präsident und sein Image wurde weltweit positiv aufgenommen.

Die Produktion von „Captain America“ fand also von Anfang an innerhalb eines politischen Rahmens statt. Natürlich ist dies bei allen Filmen so, doch die Produkte der Marvel Studios erscheinen in der Regel frei von irgendwelchen politischen Botschaften oder Hintergründen. Ihre Oberflächlichkeit enttarnt sie als geradezu sterile Objekte, die nicht einmal mehr in Ansätzen soziologisch zu erfassen sind.

Daher ist es umso erstaunlicher, dass der First Avanger im Verhältnis zu den anderen Superheldenfilmen ziemlich politisch ist. Gleich der erste Teil zieht das Thema Patriotismus durch viele ironische Seitenhiebe gehörig durch den Kakao. Captain America, zunächst ein schmächtiger Kerl namens Steve Rogers, der ständig eine verpasst bekommt, aber nie aufgibt, wird von einem Wissenschaftler als das passende Versuchsobjekt betrachtet. Denn aus Rogers soll nichts anderes gemacht werden als eine Art Geheimwaffe, die die Nazis in die Knie zwingt. Bereits hier offenbart sich eine ironische Sichtweise auf den Amerikanismus. So fragt Rogers Freund Bucky ihn immer wieder, wieso er nicht einfach abhaut, als sich ständig verprügeln zu lassen, worauf Rogers vollkommen übertrieben seinen Hang zur Vaterlandsliebe zum Besten gibt. Ähnlich wie Grisu der kleine Drache, der immer Feuerwehrmann werden möchte, so möchte Steve Rogers Soldat werden. Und das wird er dann natürlich auch. Aber mit Hindernissen. Denn zunächst muss er im Captain America-Kostüm die Soldaten an der Front unterhalten und dabei leere Durchhalteparolen von sich geben. Hier stößt das Superheldentum an seine Grenzen, indem es mit der Wirklichkeit konfrontiert wird. Die Soldaten pfeifen auf einen Captain America.

Wie immer, wenn ein Genrefilm während des Zweiten Weltkriegs spielt, so warfen Kritiker auch „Captain America“ ein mangelndes Geschichtsbewusstsein vor, der Zweite Weltkrieg würde in dem Film wie ein Abenteuer abgehandelt werden. Nun ja, dass müsste man dann z.B. auch den Indiana Jones-Filmen vorwerfen, doch hier schwiegen dieselben Kritiker interessanterweise.

Die Ironie, mit welcher der US-amerikanische Patriotismus betrachtet wird, durchzieht den gesamten Film, einschließlich der Szene, in der Captain America sein Kostüm aus dem Museum klaut.

captainamerica1Die Frage war natürlich, ob die nachfolgenden Filme um den First Avanger diesen Stil weiterführen oder ihn für überlange Action-Sequenzen opfern würden. Interessanterweise griffen die Gebrüder Russo, die „The Winter Soldier“ und „Civil War“ schrieben und drehten, das Spiel mit Ironie und Kritik an politischen Machtspielen auf. Auf diese Weise gelang es ihnen, die Fortsetzung, in der Rogers wieder auf Bucky trifft, allerdings unter eher unglücklichen Umständen, beinahe im Stil eines Agentenen-Thrillers zu drehen. Die komplexe Handlung macht auch diesen Film keineswegs uninteressant. Denn Mitglieder von Hydra agieren innerhalb des Netzwerks von S.H.I.E.L.D. Die Frage ist, wer ist nun wer? Dies verleiht dem Film eine doch ziemlich ernste Note, spielt er doch, wenn auch auf überdrehte Weise, mit realen Bedrohungsszenarien, die sich aus neuartigen Überwachungstechniken ergeben.

captainamerica2Man kann sagen, dass die Gebrüder Russo zum Glück auch den dritten Film schreiben und drehen durften. Denn hier setzen sie im gewissen Sinne noch eins oben drauf. Nicht nur politische, sondern ethische Fragestellungen durchziehen den Film. Die UN möchte den Superhelden verbieten, selbständig tätig zu sein, da es bei den bisherigen Konflikten zu viele zivile Opfer gegeben hat. Während die eine Hälfte der Heldengruppe daher sich vertraglich der UN verpflichtet, will die andere Hälfte, unter ihnen Captain America, sich nicht als Werkzeug einer politischen Organisation sehen. Dieses Dilemma führt zu vielen, durchaus gut geschriebenen Dialogen, in denen über diese Thematik diskutiert wird.

Die Frage, die sich die Gebrüder Russo stellen, lautete also, was passieren würde, wenn es Superhelden tatsächlich gäbe. Die Bearbeitung dieser Fragestellung ist den beiden Filmemachern durchaus gut gelungen. Und dabei zeigen sie erneut ein recht düsteres Bild unserer Zeit.

Die „Captain America“-Filme veranschaulichen, wie Hollywoodkino auch sein kann: Action-Spektakel, ohne aber diese sterile Oberflächlichkeit, die heutzutage so viele Big Budget-Filme wie leere Hüllen erscheinen lassen. Bei Captain America versucht man zumindest, eine gewisse Tiefe einzubringen, welche die Filme durchaus politisch machen. Leider aber beschränkt sich dies bisher nur auf diese Filmreihe.

 

2 Gedanken zu “Ein Captain für America oder Kehrt die Politik ins Actionkino zurück?

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