The 80s: Inferno (1980)

infernoNach dem großartigen Erfolg von „Suspiria“ (1977) wollten die Produzenten, dass Dario Argento ihnen etwas Ähnliches ablieferte. Das Ergebnis war „Inferno“, eine Fortsetzung des Klassikers aller Horror-Klassiker. Nun, eine Fortsetzung im eigentlichen Sinne ist „Inferno“ nicht. Dennoch geht es wiederum um die Drei Mütter, drei geheimnisvolle Hexen, von denen eine in Rom, eine in München (in „Inferno“ ist es plötzlich Freiburg) und eine in New York haust.

Rose Elliot, die in New York lebt, findet in einem Buch, das den Titel „Die drei Mütter“ trägt, heraus, dass sie in dem Haus der Mutter Tenebrarum lebt, einem riesigen, sonderbaren und verwinkelten Gebäude. Sie schreibt daraufhin ihrem Bruder Mark, der in Rom Musik studiert. Doch noch bevor er den Brief erhält, wird Rose ermordet. Nachdem Mark in New York angekommen ist, beschließt er, dem Geheimnis um Roses Tod nachzugehen …

Es gibt Kritiker, die von „Inferno“ schlicht und ergreifend enttäuscht sind. Anscheinend hatten sie sich etwas ähnlich Berauschendes wie „Suspiria“ erwartet. In der Tat wirkt „Inferno“ in seiner Gesamtheit wie ein Film, der nicht wirklich geplant war. Argento aber versuchte dennoch, sein Publikum nicht zu enttäuschen, sondern setzte alles daran, um dem Sequel eine ähnliche surreale Ästhetik zu verleihen wie „Suspiria“.

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Mater Lacrimarum (Ania Pieroni) aus einer POV-Perspektive Marks.

Dies gelang ihm vor allem dadurch, da ihm zur Seite (und leider zum letzten Mal) Mario Bava stand, der viele der (alb-)traumartigen Szenen mitentwarf. Beide versuchten erneut, einen Film zu schaffen, der mehr als Kunstwerk und weniger aufgrund seiner Handlung funktioniert. Obwohl die Story an sich geradlinig erscheint, wirkt sie in der Tat teilweise fast willkürlich. So erhält z.B. als erstes eine Komilitonin Marks den Brief, den sie öffnet und der sie vollkommen verstört. Kurz darauf stirbt sie einen argentoesken Tod – ein Handlungsstrang, der zwar unglaublich wirksam in Szene gesetzt ist, dennoch irgendwie überflüssig wirkt. Auch Marks Begegnung mit Mater Lacrimarum während einer Vorlesung ist ein Meisterstück der Verstörung, wird aber nicht weiter verfolgt.

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Das Haus der Mutter Tenebrarum, eingetaucht in Mario Bavas Farbspiel.

Erst ab dem Moment, ab dem sich Mark schließlich in New York befindet, entwickelt der Film eine Straight Story, wird zu einer Mischung aus Kriminalfilm, Mystery und Horror. Dabei geizt „Inferno“ keineswegs an bizarren Einfällen und an Szenen, in denen sich Traum und Wirklichkeit miteinander verbinden. Argento begeht zum Glück nicht den Fehler, „Suspiria“ zu wiederholen. Zusammen mit seinem Lehrmeister Mario Bava entwickelt er einen anderen Stil, der zwar einerseits vertraut erscheint, andererseits aber auch Neues zeigt. Interessant hierbei ist, dass er kaum die Architektur New Yorks in seinen Film miteinbezieht, was viele Horrorfilme ja gerne machen, um den Kontrast zwischen Realität und Irrealität zu betonen. Diese scheint überhaupt nicht zu existieren. Man sieht lediglich verschwommene Hausfassaden. Erst als das Haus, in dem Rose gewohnt hat, ganz zu sehen ist, lassen sich im Hintergrund konturhaft Wolkenkratzer erkennen. Das Haus der Mutter Tenebrarum, das – wie in „Suspiria“ – sich in seinem Erscheinen ganz dem Jugendstil hingibt, wird von Bavas berühmten Blau- und Rottönen geradezu überflutet und verdrängt dabei die Stadtkulisse zu einem fast bedeutungslosen Hintergrund, was die Bedrohung und die Dominanz der Hexe mehr als nur betont.

All das macht „Inferno“ zu einem weiteren Meisterstück Argentos. Man sollte daher nicht auf die schlechten Kritiken hören, sondern den Film schlicht und ergreifend genießen.

Inferno. Regie u. Drehbuch: Dario Argento, Produktion: Claudio Argento, Darsteller: Leigh McCloskey, Irene Miracle, Eleonora Giorgi, Daria Nicolodi, Alida Valli. Italien 1980, 107 Min.

 

 

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