Trash der 60er (9): Goke – Vampir aus dem Weltall

goke2Fast 20 Jahre vor Tobe Hoopers „Lifeforce“ gelangte schon einmal ein außerirdischer Vampir auf die Erde und zwar in Hajime Satos Film „Goke“. Hajime Sato (1929-1995) war im Trash-Genre beheimatet, wobei „Goke – Vampir aus dem Weltall“ sein bekanntestes Werk darstellt.

„Goke“ hat so ziemlich alles, was ein guter Trash-Film braucht: einen heldenhaften Flugzeugpiloten, einen fiesen Politiker, einen Gangster und einen Außerirdischen. Der Film beginnt damit, dass immer mehr Vögel grundlos gegen die Fenster des Flugzeugs knallen. Kurz darauf erscheint der Himmel blutrot. Im selben Moment erhält der Pilot von der Flugsicherung eine Warnung, dass sich eine Bombe an Bord befindet. Das Gepäck wird durchsucht, der Terrorist gibt sich zu erkennen. Mit vorgehaltener Waffe will er eine Kursänderung erzwingen, doch da kollidiert das Flugzeug beinahe mit einem UFO. Es kommt zur Bruchlandung. In unmittelbarer Nähe befindet sich das unbekannte Flugobjekt. Als der Gangster dieses betritt, wird er von einem Alienparasiten befallen und mutiert dadurch zu einem willenlosen Blutsauger, der Passagiere und Crew an den Kragen will …

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Der außerirdische Vampir (Hideo Ko) macht sich an sein nächstes Opfer (Kathy Horan) ran.

Schon die Handlung beweist, dass hier Trash-Freunde voll auf ihre Kosten kommen. Dennoch ist Satos Film keineswegs eine bloße Aneinanderreihung skurriler Begebenheiten. Sato will eindeutig mehr und seinem Werk eine gewisse Tiefe verleihen. Auf diese Weise überrascht der Film durch seine harsche Kritik an Politik und einer Mahnung über die Sinnlosigkeit des Krieges. Diese Aspekte versinnbildlichen sich in der Figur des Politikers, dessen Charakter überaus unsympathisch, man möchte schon fast sagen widerlich erscheint. Im Gegensatz dazu sind die übrigen Figuren, der Gangster eingeschlossen, Sowohl-als-auch-Charaktere. Nicht weniger erstaunlich ist auch das Ende des Films, das einen regelrecht endzeitlichen Charakter besitzt, das „Goke“ schließlich zu einem überaus düsteren Film werden lässt.

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Gangster Hirofumi (Hideo Ko) Geht auf das UFO zu. Ein Beispiel für die teils intensive Farbgebung des Films.

Bis dahin jedoch wechselt der Parasit öfters seinen Wirt, sodass die Spannung, ähnlich wie in anderen Filmen, die das „Bodysnatcher“-Thema aufgreifen, durch die allgegenwärtige Bedrohung und die daraus resultierende paranoide Angst stets aufrecht erhalten bleibt.

Noch ein Wort zum Vergleich mit Mario Bava: Dieser kam wahrscheinlich durch die Betonung der intensiven Farbgebung zustande. Bava liebte starke, leuchtende Farben, die seine Filme stellenweise wie Gemälde erscheinen lassen. Ähnliches findet man bei „Goke“. Auch hier strahlen die Farben und geben dem Film damit einen bis ins Surreale reichenden Charakter.

Goke – Vampir aus dem Weltall (OT: Kyuketsuki Gokemidoro), Regie: Hajime Sato, Drehbuch: Kyuzo Kobayashi, Susumu Takahisa, Kathy Horan, Produktion: Takashi Inomata, Darsteller: Hideo Ko, Teru Yushida, Tomomi Sato, Japan 1968, 81 Min

2 Gedanken zu “Trash der 60er (9): Goke – Vampir aus dem Weltall

  1. Filmschrott November 23, 2016 / 9:01 pm

    Der asiatische Trashmarkt – vor allem vor der Jahrtausendwende – muss von mir ja noch entdeckt werden. Der hier scheint schon mal ein guter Vertreter zu sein.

    • Film und Buch November 24, 2016 / 11:06 am

      Oh ja, mit diesem Film kannst du praktisch nichts falsch machen. Wirklich gut ist auch „Hausu“.

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