The 80s: Sundown (1989)

sundownEs gibt Vampirfilme und es gibt Vampirfilme. Anthony Hickox drehte mit „Sundown“ eindeutig einen überaus originellen Vampirfilm, der zugleich Western, Action, Splatter und Satire ist. Die Geschichte spielt in der Wüstenstadt Purgatory, die von dem Fürsten Graf Mardulak beherrscht wird. Hier leben die letzten Vampire zurückgezogen und ernähren sich von Kunstblut. Einer Gruppe Blutsauger möchte jedoch wieder den alten Zustand herstellen und giert nach echtem Menschenblut. Daraus entwickelt sich schließlich ein Konflikt, der mit Eichenholz geladenen Pistolen und Armbrüsten ausgefochten wird. Mitten drin eine vierköpfige Familie, die zunächst glaubt, dass die Bewohner dieser Kleinstadt nicht alle Tassen im Schrank haben.

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Robert van Helsing (Bruce Campbell) wird gebissen. „Sundown“ (1989).

Wie bereits in „Waxwork“, zeichnet sich Anthony Hickox auch in „Sundown“ als Meister der Groteske aus. Der Film ist gefüllt mit skurrilen Ideen, witzigen Charakteren und jeder Menge Action. Eigentlich besteht beinahe die Hälfte des Films aus einem einzigen Herumgeballere. Und da es sich hierbei ja auch um einen Western handelt, kommt es beim Finale auch zum Duell zwischen dem Guten und dem Bösewicht.

Um sich den Anschein einer normalen Stadt zu bewahren, wagen sich die Vampire auch bei Tageslicht hinaus. Allerdings nicht ohne sich zuvor mit Sonnencreme einzuschmieren. Daraus ergibt sich natürlich eine Reihe nicht enden wollender Gags sowie allerhand Situationskomik. Anthony Hickox versteht es, den Witz und die Ironie, die die Story beherrschen, gekonnt auszureizen. Zugleich gelingen ihm dabei Szenen, die sich stark an den Filmen der Hammer-Productions orientieren, und zeigen, dass Hickox sein Handwerk versteht. Es ist wahrlich ein großes Glück, dass Anthony Hickox überhaupt jemanden gefunden hat, der sein Vorhaben finanzierte. Denn so gelang eine wahre Genreperle, die ihresgleichen sucht.

Sundown – Rückzug der Vampire (OT: Sundown – The Vampire in Retreat), Regie u. Drehbuch: Anthony Hickox, Produktion: Jefferson Richard, Darsteller: David Carradine, Bruce Campbell, Morgan Brittany, Jim Metzler, Maxwell Caulfield. USA 1989, 104 Min.

Der Schrecken schleicht durch die Nacht – Jack Arnolds letzter SF-Horror-Film

schreckenschleichtdurchdienacht„Der Schrecken schleicht durch die Nacht“ gehört zu einem der letzten Horrorfilme, die Regisseur Jack Arnold gedreht hat. Danach wandte er sich anderen Genres zu und produzierte vor allem fürs Fernsehen. Ähnlich wie in „Tarantula“ stehen die unvorhergesehenen Folgen wissenschaftlichen Experimentierens im Zentrum der Geschichte.

Diese dreht sich um den Paläontologieprofessor Donald Blake, der für seine Studien einen vorzeitlichen Fisch geliefert bekommt. Schnell stellt sich heraus, dass etwas mit dem lebenden Fossil nicht stimmt. Denn ein Hund, der mit dem Fisch in Berührung kommt, entwickelt unerwartete urzeitliche Instinkte. Ganz ähnlich ergeht es einer Libelle, die durch die Berührung mit dem Fisch riesige Ausmaße annimmt. Schließlich wird Blake selbst bei der Untersuchung des Fisches verletzt. Mit fürchterlichen Konsequenzen.

Jack Arnold zeigt die Besessenheit eines Wissenschaftlers, der alles opfert, um endlich an das Ziel seiner Forschung zu gelangen. Dabei verliert er zunehmend den Kontakt mit seinen Mitmenschen und zerstört dadurch sein Leben. Seine Besessenheit führt schließlich zu Selbstversuchen als eine Art letztes Mittel, um dadurch seinen Kollegen die Richtigkeit seiner wahnwitzigen Theorie zu beweisen.

Jack Arnold greift hierbei auf Stevensons Jekyll & Hyde-Motiv zurück. Die Polizei glaubt, einen brutalen Mörder zu jagen, der anscheinend durch einen deformierten Körper auffällt. Die Spur, die sie verfolgt, verläuft jedoch ins Leere. Der Zuschauer ist den Protagonisten jeweils einen Schritt voraus. Doch mindert dies keinesfalls die Spannung. Im Gegenteil, denn so fiebert man mit, ob Polizei und Kollegen doch noch rechtzeitig das Geheimnis lüften werden.

Wie auch in seinen übrigen SF- und Horrorfilmen setzt Jack Arnold auf ein schnelles Erzähltempo sowie auf eine rasche Folge unheimlicher Ereignisse, so dass der Film keine Sekunde langweilig wird. Die Dramatik der Geschehnisse ist auch heute noch überaus packend. Regisseur Ken Russell zitierte Jack Arnolds „Monster on the Campus“ in seinem Horrorthriller „Der Höllentrip“ (1980), in dem es ebenfalls zu evolutionären Rückentwicklungen kommt. Jack Arnold selbst versuchte Anfang der 80er erneut wieder Horrorfilme zu drehen (wie etwa ein Remake seines Klassikers „Creature from the Black Lagoon“), doch fand er für seine Projekte keine Produzenten. Er starb 1992. Wie auch seine übrigen SF- und Horrorfilme, ist „Der Schrecken schleicht durch die Nacht“ ein Klassiker dieser beiden Genres.

Der Schrecken schleicht durch die Nacht (OT: Monster on the Campus), Regie: Jack Arnold, Drehbuch: David Duncan, Produktion: Joseph Gershenson, Darsteller: Arthur Franz, Joanna Moore, Judson Pratt, Nancy Walters, Troy Donahue. USA 1958, 73 Min.

Underwater Love – Das erste Trash-Sex-Musical

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Kinoplakat „Underwater Love“

Pink Movies sind japanische Schmuddelfilme, die teilweise sozialkritisch, teilweise ironisch in Szene gesetzt werden. Sie bilden ein eigenes Genre, das man irgendwo zwischen Softporno, Trash und Kunstfilm ansiedeln kann. Das Budget ist stets sehr gering, sodass eigenwillige Wege gefunden werden, um Geschichten zu erzählen. Im Fall von „Underwater Love“ geschieht dies in Form eines Musicals.

Es geht um Asuka, die in einer Fischfabrik arbeitet und kurz davor steht, den Firmenchef zu heiraten. Doch eines Tages begegnet sie einem Kappa, einem japanischen Fabelwesen, das irgendwie eine Mischung aus Mensch und Schildkröte darstellt. Schnell stellt sich heraus, dass dieser Kappa Asukas Jugendliebe Aoki ist, der vor über 17 Jahren ertrunken ist. Aoki ist gekommen, um Asuka zu retten, denn sie hat nur noch kurze Zeit zu leben. Allerdings ist da auch der Todesgott, der dies verhindern möchte.

Das Schöne an diesem Film ist, dass man ihm ansieht, dass hier weder nach rechts noch nach links geschaut wurde, um zu sehen, was andere Filmemacher so treiben. Man hatte eine Idee und diese wurde ohne Wenn und Aber umgesetzt. Ob dies ein Publikum interessierte, scheint völlig egal gewesen zu sein. Und genau dieses Eigenwillige und diese Schaffensfreiheit ist es, was diesen Film fast schon kultig macht. Eine solche spezielle Kombination gab es davor nicht, und die Verbindung zwischen Sex, Musical und Trash verspricht genau das, was man sich von einem solchen Projekt erwartet: völlig schräg zu sein. Die Melodien von Stereo Total untermalen dabei die amateurhaft in Szene gesetzten Tanzeinlagen vortrefflich. Man sieht, dass es den Leuten einfach nur Spaß gemacht hat, an dem Projekt teilzunehmen. Mit viel Ironie und Humor wird hier eine zarte Liebesgeschichte erzählt, die wunderbar naiv und einfach völlig plemplem ist. Der bekannte Kameramann Christopher Doyle liefert für dieses Fantasy-Liebes-Sex-Ding wunderbare Aufnahmen, welche die Figuren und ihre Handlungen sehr einfühlsam erscheinen lassen.

„Underwater Love“ ist modernes, japanisches Trash-Kino vom feinsten. Aufgrund seiner Ungezwungenheit und seiner Spielfreude bietet dieser Film eine ungeheure Frische, die man in vielen anderen Produktionen zurzeit völlig vermisst.

Underwater Love – A Pink Musical (OT: Onna no kappa), Regie: Shinji Imaoka, Drehbuch: Shinji Imaoka, Fumio Moriya, Produktion: Stephan Holl, Darsteller: Sawa Masaki, Yoshiro Umezawa, Ai Norita, Mutsuo Yoshioka; Musik: Stereo Total, Japan/Deutschland 2011, 84 Min.

Trash der 60er (6): Die drei Gesichter der Furcht

dreigesichterderfurchtItaliens Filmindustrie war in den 60er Jahren dank der Herkules-Filme im Aufwind. Parallel zu den Sandalenfilmen produzierte man zunehmend auch Horrorfilme, wobei vor allem die Filme Mario Bavas international Aufsehen erregten. Der Erfolg führte dazu, dass die US-amerikanische Produktionsfirma American International Pictures italienischen Firmen mehrere Filme in Auftrag gab, um dadurch auf dem Erfolg mitschwimmen zu können.

Einer dieser Filme war „Die drei Gesichter der Furcht“ aus dem Jahr 1963, der in den USA unter dem Titel „Black Sabbath“ in die Kinos kam. Es handelt sich dabei um eine Anthologie, bestehend aus drei kürzeren Filmen, die von den Klassikern Guy de Maupassaunt und Aleksey Tolstoy inspiriert wurden. Die Titel der drei Filme lauten „Telefon“, „Wurdulack“ und „Der Wassertropfen“. Während es sich bei „Telefon“ um einen Giallo handelt, sind die beiden anderen Filme reine Horrorfilme.

„Telefon“ erzählt die Geschichte von Rosy, einem Calldirl, das nachts plötzlich ominöse Anrufe erhält. Ihr früherer Freund Frank ist aus dem Gefängnis geflohen und droht Rosy nun damit, sie umzubringen, da sie ihn verraten hat. Aus Angst bittet Rosy ihre Freundin Mary darum, die Nacht bei ihr zu verbringen. Doch dann taucht Frank tatsächlich auf …

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Rosy (Michele Mercier) erhält einen ominösen Anruf. In „Drei Gesichter der Furcht“ (1963).

In „Telefon“ geht es um Rache, um Täuschung und um eine angedeutete lesbische Liebesbeziehung. Bava zeigte in dem Film, dass er auch hervorragende Thriller drehen konnte, die im Vergleich zu Hitchcock in nichts nachstanden. Der einzige Unterschied: die erotischen Zwischentöne sind bei Bava weitaus direkter. In „Telefon“ beherrscht die unterschwellige Erotik den ganzen Film, schafft dadurch neben der dichten Spannung eine zusätzliche Sinnlichkeit, die von der Gestik der Darstellerinnen bis hin zur Farbgebung und Beleuchtung alles vereinnahmt. So gesehen ist „Telefon“ ein echtes, kleines Meisterwerk.

„Der Wurdulak“ orieniert sich ziemlich genau an der Erzählung „Die Rache des Wurdulak“ des Schriftstellers Aleksey Tolstoy (nicht zu verwechseln mit dem „Krieg und Frieden“-Tolstoy). Ein anderes bekanntes Werk Tolstoys ist der Marsroman „Aelita“. In Film und Erzählung geht es um einen Reisenden, der zu einem abgelegenen Haus kommt. Da es schon spät ist, bittet der Reisende die Bewohner darum, in dem Haus übernachten zu dürfen. Dabei stellt sich heraus, dass die Bewohner befürchten, noch in derselben Nacht von einem Vampir heimgesucht zu werden …

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Der Wurdulak nähert sich dem Haus. In „Drei Gesichter der Furcht“ (1963).

„Der Wurdulak“ ist ein spannender, unheimlicher und recht drastisch in Szene gesetzter Horrorfilm. Im Gegensatz zu den damaligen Horrorfilmen aus Hollywood, zeigten die italienischen Filme mehr Blut und Gewalt. Boris Karloff spielte den Wurdulak, der eigentlich der Vater der Familie ist, die in dem Haus wohnt, und nun als Vampir zurückkehrt. Es wird erstochen und geköpft, die in Angst lebende Familie geht dabei zu Grunde, die einzelnen Mitglieder verwandeln sich nach und nach selbst zu Vampiren. Der Film ist zum einen sehr düster, zum anderen hoch spannend und entwickelt eine wunderschöne Gruselästhetik, die weit über das Können der US-Kollegen hinausragt.

„Der Wassertropfen“ schließlich erzählt die Geschichte einer Krankenschwester, die in einer Gewitternacht in das unheimliche Haus eines Mediums geholt wird, die während einer ihrer Sitzungen gestorben ist. Da die Krankenschwester nichts mehr für die Frau tun kann, macht sie den leblosen Körper zurecht, bevor er von den Sanitätern abgeholt wird. Dabei stielt sie einen Ring. Wieder zuhause, hört sie immer wieder das Tropfen von Wasser. Und schließlich erscheint der schreckliche Leichnam in ihrer Wohnung …

Der letzte Film der Anthologie hat es in sich. Zum einen ist wiederum die Story überaus spannend und dicht umgesetzt. Hinzu kommt Bavas Spiel mit Licht und Farben, das die einzelnen Szenen teilweise surreal erscheinen lässt. Das Augenmerkt aber liegt vor allem auf dem Leichnam des Mediums, dessen verzerrtes Gesicht einem auch heute noch eine Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. Mario Bavas Vater hatte diese gruselige Puppe aus Wachs gefertigt.

Während „Die drei Gesichter der Furcht“ in Italien und anderen europäischen Ländern ungeschnitten gezeigt wurde, musste der Film für den US-amerikanischen Filmmarkt gekürzt werden, da, wie vorhin bereits bemerkt, manche Anspielungen und Darstellungen zu direkt und zu brutal waren. Dennoch wurde der Film ein großer Erfolg.

The 80s: Link, der Butler (1986)

linkEs gibt Filme, die bei ihrem Erscheinen Aufsehen erregen, doch kurz darauf fast völlig in Vergessenheit geraten. Dieses Schicksal ereilte unter anderem „Link, der Butler“, einem intensiven Tierhorrorfilm, der Mitte der 80er Jahre zum einen hoch gelobt, zum anderen zutiefst kritisiert wurde. Gelobt wurde die Tierdressur, kritisiert die bösartige Darstellung des Orang Utan.

„Link“ ist zugleich der Name eines Affen, mit dem der Wissenschaftler Philip in einem abgelegenen Haus herum experimentiert. Ihm zur Seite steht die Studentin Jane. Doch Philip wird der Orang Utan zu unheimlich, da er eine immer größere Intelligenz entwickelt. Als Philip Link deshalb lieber einschläfern möchte, ist dieser spurlos verschwunden. Dieser aber sinnt in Wirklichkeit nach Rache. Nachdem er Philip aus dem Weg geräumt hat, hat nun Jane alleine gegen Link zu kämpfen. Dieser wird von Mal zu Mal rabiater…

Was den Affen in „Link“ kennzeichnet, sind seine überaus negativen menschlichen Eigenschaften. Im Grunde genommen agiert der Orang Utan wie ein Psychopath. Er schneidet Telefonkabel durch, hindert Jane an der Flucht und versucht, die Studentin kaltblütig zu beseitigen. All dies lässt den Charakter des Tiers natürlich in einem fragwürdigen Licht dastehen. Denn Richard Franklin hinterfragt in seinem Film keineswegs die wissenschaftlichen Experimente und damit die Degradierung des Affen zum bloßen Objekt, sondern konzentriert sich allein auf das gemeine Verhalten von Link, das für Jane lebensbedrohend wird.

Dies ist sicherlich ein gewagtes Vorgehen, da hier der Mensch nicht für das abweichende Verhalten des Tiers verantwortlich gemacht, sondern das Tier schlicht und ergreifend als bösartig hingestellt wird. Man könnte daher diesem Film durchaus eine fehlende Reflexion vorwerfen. Andererseits aber kreiert genau dieser Aspekt zugleich einen gewissen Grad an Originalität. Denn der Orang Utan ist wirklich extrem gemein, so dass Jane keineswegs im Kampf gegen den Affen erfolgreich ist. Dies zeichnet wiederum ein anderes Bild des Films, da hier Franklin darlegt, dass der Mensch die Natur bei weitem unterschätzt. Denn in Wahrheit ist es nun einmal so, dass der moderne Mensch in der Natur kaum Überlebenschancen hat.

Welchen Blinkwinkel man auch immer einnehmen möchte, „Link“ wirkt auf jeden Fall etwas verstörend. Gleichzeitig ist dieser Film jedoch ein sehr spannender Horrorstreifen, der eigentlich zu Unrecht völlig in Vergessenheit geraten ist. Ein kontroverser Film also, der sicherlich auch heutige Zuschauer zum Diskutieren auffordert.

Link, der Butler (OT: Link), Regie u. Produktion: Richard Franklin, Drehbuch: Everett De Roche, Darsteller: Elisabeth Shue, Terence Stamp, Steve Pinner. England 1986, 90 Min.

Schritte in der Nacht – Einer der ersten True Crime-Filme

schritteindernacht1948 kam ein Film in die Kinos, der als Prototyp für spätere True Crime-Serien gelten kann. „Schritte in der Nacht“ basiert auf einem wahren Kriminalfall und wurde an den tatsächlichen Tatorten gedreht. Es geht um das Hollywood Police Department, das den Mord an einem Polizisten aufklären muss. Der Fall jedoch entpuppt sich als äußerst kompliziert. Stets ist der Täter der Polizei einen Schritt voraus. Erst als es zu einer plötzlichen Reihe von Ladendiebstählen kommt, scheinen die Kriminalbeamten eine erste Spur zu haben.

Äußerst ungewöhnlich für die damalige Zeit ist, dass „Schritte in der Nacht“ in Form einer Reportage gedreht wurde. Aus diesem Grund gibt es unter den Polizisten auch nicht den Helden, der die Sache schließlich aufklärt. Was zählt, ist Teamwork. Und so folgt die Kamera den einzelnen Mitarbeitern bei ihrer Arbeit. Ziemlich genau zeigt der Film das Vorgehen der Fahnder und gibt detaillierte Einblicke in die Laborarbeit. Dem gegenüber steht der Täter Roy als gesellschaftlicher Außenseiter. Zum einen versucht er, nach dem Mord an dem Polizisten, seine Spur zu verwischen, zum anderen aber drängt es ihn immer erneut dazu, weitere Straftaten zu begehen. Daraus entwickelt sich eine Art Katz und Maus-Spiel, bei dem interessanterweise nur Roy als Identifikationsfigur zur Verfügung steht. Während die Mitarbeiter des Departments ausschließlich durch ihre Arbeit definiert werden, verleiht der Film dem Antagonisten eine genauere Charakterisierung. Man bekommt Einblicke in seiner Persönlichkeit und sein Privatleben, in dem vor allem sein Hund eine zentrale Rolle spielt.

Bei den Filmfestspielen in Locarno wurde „Schritte in der Nacht“ damals als bester Polizeifilm ausgezeichnet. Auch jetzt noch hat der Film nichts von seiner Faszination und Spannung verloren. Sensationell ist die Verfolgung Roys durch die Kanalisation von Los Angeles. Hier bekommt der Film einen geradezu paranoiden Beigeschmack. Bis heute gibt es eine Debatte, ob Alfred L. Werker oder Anthony Mann Regie führten. Nach Thomas Willmann, scheint viel dafür zu sprechen, dass Werker beinahe den gesamten Film von Anthony Mann hatte drehen lassen. Als Indiz dafür gilt die Machart des Films, die nicht ganz den Arbeiten Werkers entspricht. Auch weisen damalige Hintergrundberichte darauf hin, dass Anthony Mann als eigentlicher Regisseur bezeichnet werden muss. Doch unabhängig von dieser Diskussion, ist und bleibt „Schritte in der Nacht“ eine hervorragende Mischung aus Thriller und Kriminalfilm.

Schritte in der Nacht (OT: He walked by Night), Regie: Alfred L. Werker, Anthony Mann, Drehbuch: Crane Wilbur, John G. Higgins, Produktion: Bryan Foy, Robert T. Kane, Darsteller: Richard Basehart, Scott Brady, Whit Bissel, Jim Cardwell, Felice Ingersol. USA 1948, 76 Min.