Trash der 60er (8): Die Mühle der versteinerten Frauen

muehlecoverDer Name Pierre Briece ist unweigerlich verbunden mit Winnetou. Diese Figur machte den französischen Schauspieler zum Star in Deutschland. Dass seine eigentliche Karriere allerdings mit einem Horrorfilm begann, dürfte den wenigsten bekannt sein.

1960 erhielt Pierre Briece die Hauptrolle in dem Gothic-Horror „Die Mühle der versteinerten Frauen“. Dieser Film, der auf einer flämischen Erzählung beruht, beinhaltet das gesamte Repertoire der englischen Hammer-Produktionen, der Poe-Filme von Roger Corman sowie des italienischen Horrorfilms. Die stilvolle, satte Farbgebung, die düsteren, detaillierten Kulissen sowie die originellen Kameraeinstellungen lassen den ganzen Film als echtes Kunstwerk erscheinen. Einzelne Szenen erinnern an die Gemälde flämischer Meister. Und dies hat auch seinen Sinn, hat doch der gesamte Film Kunst zum Thema.

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Professor Wahl (Wolfgang Preiss) begrüßt seine Besucher.

Pierre Briece spielt darin den Architekturstudenten Hans van Harnim, der eine Arbeit über das „Carillon der versteinerten Frauen“, welches unheimliche Frauenstatuen auf einem Mühlrad zeigt, schreiben möchte. Dieses befindet sich in einer einsam gelegenen Mühle. Er trifft auf seinen Lehrer Professor Wahl, dem die Mühle gehört. Dessen Tochter leidet jedoch unter einer seltsamen Krankheit. Um überleben zu können, benötigt sie ständig frisches Blut. Als Hans van Harnims Verlobte spurlos verschwindet, versucht er, auf eigene Faust, sie wieder zu finden. Dabei kommt er dem Geheimnis der Mühle und jenes seltsamen Kunstwerks mehr und mehr auf die Spur.

Gerüchten zufolge soll der bekannte italienische Horrorregisseur Mario Bava bei der Entstehung des Filmes mitgewirkt haben. Für Filmhistoriker scheint diese These plausibel, da dadurch die spezielle Farbgebung sowie der dramaturgische Stil des Films erklärt werden könnten. Diese tauchen erst wieder in Bavas eigenen Werken und in denen seines Schülers Dario Argento auf.

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Hans von Harnim (Pierre Briece) entdeckt das schreckliche Geheimnis des Kunstwerks.

Der Film selbst lief zwar durchaus erfolgreich in den europäischen Kinos, entwickelte sich allerdings keineswegs, wie etwa Cormans „Die Verfluchten“, der im selben Jahr erschien, zum Kassenschlager. Dies hatte zur Folge, dass „Die Mühle der versteinerten Frauen“ sehr schnell wieder wieder in Vergessenheit geriet, sodass nach ein paar Jahren das Gerücht kursierte, dass der Film verschollen sei. Nur einzelne Szenenfotos zeugten überhaupt von der Existenz dieses Meisterwerks. Zum Glück jedoch entpuppte sich dieses Gerücht als Trugschluss. Denn die Filmrollen staubten seelenruhig in einem Archiv vor sich hin.

Obwohl der Film im Grunde genommen eine weitere Variation des „Wachsfigurenkabinett“-Themas darstellt, erweitert er dieses durch eine Art moderne Form des Vampirismus. Auf diese Weise gelingen Giorgio Ferroni viele unheimliche Momente, angefangen von dem schrillen Schrei, der hinter einem tiefroten Vorhang hervordringt, bis hin zu eben jenem unheimlichen Kunstwerk, das von allen bestaunt wird. Für Liebhaber klassischer Horrorfilme sind die „versteinerten Frauen“ daher ein wahrer Genuss.

Die Mühle der versteinerten Frauen (OT: Il Mulino delle Donne di Pietra), Regie u. Drehbuch: Giorgio Ferroni, Produktion: Giampaolo Bigazzi, Darsteller: Pierre Briece, Wolfgang Preiss, Scilla Gabel, Dany Carrel. Italien/Frankreich 1960, 90 Min.

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