Uzumaki oder Lovecraft auf Japanisch

uzumakiNormalerweise wandeln langhaarige Geisterfrauen durch Japans Horrorfilme. Parallel dazu aber gibt es noch ein zweites Subgenre, das man vielleicht als eine Art Experimentalkino bezeichnen könnte. Unter anderem gehört dazu „Uzumaki“, ein Film, der einerseits auf einem Manga basiert, andererseits aber auch auf Lovecrafts „Die Farbe aus dem All“.

Der Film erzählt von der lieblichen Kleinstadt Kurouzu, in der auf einmal seltsame Dinge geschehen. Am Himmel bilden sich seltsame Spiralen, die sich auf das Gemüt der Menschen niederschlagen. Denn auf einmal werden alle spiralensüchtig. Dies geht soweit, dass manche einen außergewöhnlichen Spiralentod sterben. Ein Reporter und eine Schülerin versuchen, das Rätsel dieser Veränderungen zu lösen.

Regisseur Higuchinsky gelingt es, mit viel Ironie und schrägem Humor eine originelle Geschichte zu erzählen, die sozusagen eine japanische Version von Lovecrafts Werk darstellt. Der Wahnsinn schleicht sich unerwartet in den Alltag der Menschen der kleinen Stadt Kurouzu, die vielleicht als japanisches Arkham gelten kann. Die stete Zunahme der außergewöhnlichen Ereignisse wird mit einem Hang zu Überraschungen umgesetzt, wobei das Symbol der Spirale immer mehr ins Zentrum des Geschehens rückt. Beinahe in jeder Szene bzw. sogar Einstellung ist eine Spirale versteckt, so dass der Film für den Zuschauer gleichzeitig zu einem Bilderrätsel wird. Schon fast hypnotisch werden die einzelnen Figuren durch die Spiralen beeinflusst. Bis zum Schluss lässt die Handlung es offen, was die Ursachen für diese Veränderungen sind, wodurch die Spannung und das Rätseln bis zur letzten Sequenz aufrechterhalten wird.

Higuchinskys Film ist sicherlich einer der originellsten Adaptionen einer Geschichte von Lovecraft. Die Übertragung des kosmischen Grauens ins „Japanische“ gelingt ihm ohne Probleme. Dabei kommt er sogar dem Unerklärlichen und Unnennbarem in Lovecrafts Gesamtwerk näher als so manche Hollywood-Verfilmung. Ein schöner, witziger und überraschender Film, den man nicht nur als Lovecraft-Fan genießen kann.

Uzumaki, Regie: Higuchinsky, Drehbuch: Kengo Kaji, Produktion: Sumiji Miyake, Darsteller: Eriko Hatsune, Fhi Fan, Hinako Saeki. Japan 2000, 94 Min.

5 Gedanken zu “Uzumaki oder Lovecraft auf Japanisch

  1. friedlvongrimm Oktober 19, 2016 / 1:58 pm

    Die Mangas waren ja die ersten nach Jahren, die mich mal wieder vom Hocker gerissen haben. Da hast du mich natürlich jetzt neugierig gemacht.

    • Film und Buch Oktober 20, 2016 / 8:20 am

      Ich muss gestehen, dass ich das Manga leider nicht kenne … Der Film aber lohnt sich wirklich. Wunderbar skurril. :)

  2. Schmand2001 Mai 11, 2017 / 5:31 pm

    Die Vorlage ist genial. Autor und Zeichner Junji Ito ist so der einzige Mangamensch den ich aktiv lese. Seine Geschichten sind einfach (für den westlichen Betrachter) ziemlich strange und haben teils sehr ungewöhnliche Settings.
    Lesenswert sind einige seiner TOMIE Geschichten (wurden auch verfilmt soweit ich weiss), HEADLESS STATUES und THE HANGING BALOONS (Alle Geschichten sind aus den ersten beiden Sammelbänden, weiter bin ich bis jetzt nicht).

    • Film und Buch Mai 12, 2017 / 10:54 am

      Irgendwann sollte ich mir die Mangas tatsächlich zu Gemüte führen. Ich kenne leider – auch von Tomie – nur die Verfilmungen.

      • Schmand2001 Mai 12, 2017 / 2:08 pm

        Die Verfilmungen von Tomie kenn ich zB gar nicht

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