The 80s: Blade Runner (1982)

blade-runnerInteressanterweise mochten weder Kritiker noch Zuschauer „Blade Runner“, als dieser in die Kinos kam. Noch dazu war der Zeitpunkt für den Release schlecht gewählt. Steven Spielberg verhagelte mit „E.T.“ so ziemlich allen anderen SF-Produktionen den Umsatz. Erst mit der Zeit wurde den Filmkritikern bewusst, was Ridley Scotts Philip K. Dick-Adaption für ein bemerkenswerter Film ist.

„Balde Runner“ spielt im Jahr 2019. Es geht darin um den ehemaligen Polizisten Rick Deckard, der sich auf die Jagd auf Replikanten spezialisiert, sich aber aus dem Geschäft zurückgezogen hat. Nun bekommt er dennoch einen letzten Auftrag. Sechs Replikanten haben ein Raumschiff gekapert und sind damit auf die Erde geflohen, genauer gesgagt nach Los Angeles. Der Aufenthalt auf der Erde ist den Replikanten strengstens verboten und wird mit dem Tod bestraft. Deckard soll die sechs Replikanten ausfindig machen und ausschalten.

Bei den Replikanten handelt es sich um künstlich erzeugte Menschen mit einer begrenzten Lebensdauer von vier Jahren. Das neueste Modell Nexus 6 hat jedoch ein eigenes Bewusstsein entwickelt, was dazu führt, dass Roy Batty, der Anführer der auf die Erde zurückgekehrten Replikanten, länger leben möchte als nur die voreingestellte Lebensdauer von vier Jahren.

Es geht in „Blade Runner“ daher um mehr, als nur um einen Kriminalfall, den Deckard lösen soll. Dies macht den Film in seiner Thematik ungeheuer komplex und vielschichtig. Diese Komplexität wird zusätzlich dadurch verstärkt, da der Film in manchen Szenen die Frage aufwirft, ob Deckard selbst ebenfalls ein Replikant ist. Dieses Rätsel taucht im Film immer wieder auf. Da ist der mehrdeutige Dialog zwischen Officer Bryant und Deckard, in dem anscheinend auf Deckards eigentliche Identität hingewiesen wird (unterstrichen durch die Origamifigur, die Officer Gaff im Hintergrund faltet, was er immer macht, wenn er einem Replikant begegnet). Gegen Ende des Films sieht man in der Wohnung von J. F. Sebastian, der die Genetik der Replikanten entwirft, eine Einhornfigur (Deckard träumt anscheinend immer wieder von einem Einhorn). Doch dann ist da der Replikant Roy, der in Deckard wiederum einen Menschen sieht. In diesem Sinne ist „Blade Runner“ ein Spiel mit den Identitäten, was sich bei Philip K. Dick beinahe wie ein roter Faden durch sein Werk zieht.

Neben diesen philosophischen, soziologischen und bioethischen Fragen, mit denen sich der Film beschäftigt, ist er zugleich auch ein spannender SF-Krimi im Stil des Film Noir. Harrison Ford als Deckard ist praktisch zu vergleichen mit dem typischen Privatdetektiv der Krimis der 40er Jahre. Um ihn herum tummeln sich allerhand zwielichtige Gestalten. Die Replikantin Rachel ist zu vergleichen mit einer Femme Fatal, in deren Bann Deckard gerät. Die Geschichte spielt zudem in einer unübersichtlichen Großstadt, meistens abends und nachts, um das Spiel mit der Dunkelheit und den Schatten besser gestalten zu können.

All diese Merkmale machen „Blade Runner“ fast schon zu so etwas wie einen Über-Film. Hinzu kommen die wunderbar gestalteten Set-Designs und die Dialoge, denen es gelingt, poetisch, philosophisch und klar gleichzeitig zu sein. Rutger Hauer als Replikant Roy gab hier eindeutig sein Bestes, sollte später jedoch hauptsächlich nur noch in B-Picture mitspielen. Philip K. Dick soll von Ridley Scotts Konzept begeistert gewesen sein. Leider aber erlebte er die Premiere von „Blade Runner“ nicht mehr mit.

Blade Runner. Regie: Ridley Scott, Drehbuch: Hampton Fancher, David Peoples, Produktion: Michael Deeley, Darsteller: Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos. USA 1982, 117 Min.

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