The 80s: Time Bandits (1981)

timebanditsEines ist sicher: Terry Gilliam mangelt es keineswegs an Einfallsreichtum. Dies bezeugt der Regisseur in jedem seiner Filme aufs neue. Besonders ins Herz geschlossen aber wurde sein dritter Film „Time Bandits“, eine Independent-Produktion, deren Vertrieb George Harrisons HandMade Films übernommen hatte.

Der Film handelt von Kevin, einem elfjährigen Jungen, der sich sehr für Geschichte interessiert. Seine Eltern kümmern sich nicht sonderlich um ihn. Eines Nachts erhält Kevin unerwarteten Besuch: eine Gruppe von sechs Zwergen, die mithilfe einer Karte durch die Zeit reisen, landen genau in seinem Kleiderschrank. Ihnen auf den Versen ist das Oberste Wesen, dem sie die Karte gestohlen haben. Aber auch das Böse ist hinter der Karte her, um die Herrschaft über das Universum zu erlangen. Als das Oberste Wesen ebenfalls in Kevins Zimmer erscheint, flieht Kevin kurzerhand zusammen mit den sechs Zeitreisenden und kommt dadurch von einem Abenteuer ins nächste.

Das Besondere an „Time Bandits“ ist, dass er auf allen Ebenen funktioniert: als Kinderfilm, als Groteske, als SF-Fantasy-Film, als Komödie oder aber auch als Satire. Ganz egal, was man in „Time Bandits“ sieht, der Film liefert stets die dazu passenden Pointen. Allerdings dürften junge Zuschauer es schwer haben, alle Gags nachvollziehen zu können. Denn bei aller Verspieltheit, so ist Terry Gilliams Klassiker alles andere als ein oberflächlicher Unterhaltungsfilm. Der Witz ist tiefgründig, wird z.B. in der Napoleon-Episode zu einer bitterbösen Satire auf Macht und Politik oder deutet in der Agamemnon-Episode finstere Hofintrigen an, während er sich in der Robin Hood-Episode über Englands Sozialpolitik lustig macht. Interessanterweise findet sich Kevin besonders bei Agamemnon wie zu Hause, begegnet er doch hier endlich einem Erwachsenen, der sich um ihn kümmert und ihn wie einen „eigenen Sohn“ betrachtet.

An diesem Punkt macht sich die im ganzen Film herrschende unterschwellige Tragik bemerkbar. Kevins Glück ist nur von sehr kurzer Dauer, wollen ihn doch die sechs Zwerge retten, was für ihn aber eher einer Entführung gleich kommt. Die Schlusseinstellung der Episode, in der Agamemnon wie erstarrt auf die Bühne blickt, wo sich zuvor noch Kevin und seine „Freunde“ aufgehalten haben, besitzt daher einen sehr nachdenklichen Beiklang.

Doch egal, ob tragisch, lustig oder nachdenklich, der Film strotzt nur so vor lauter Einfällen. Da Terry Gilliam den Film selbst produzierte, gab es niemanden, der ihm hätte dazwischen funken können. So konnte sich der Regisseur voll und ganz austoben, skurrile Gags einstreuen, wie und wo er wollte, und dem Ganzen noch zusätzlich ein wenig Monthy Python-Flair verpassen.

Nach „Time Bandits“ landete Gilliam mehrere Flops, was dazu führte, dass er für seine eigenen Ideen keine Produzenten mehr fand und daher Auftragsarbeiten annehmen musste. Eine gewisse Zeit lang gab es Gerüchte, dass ein Sequel zu „Time Bandits“ geplant sei, doch wurde die Produktion anscheinend nicht mehr weiter verfolgt.

Time Bandits. Regie u. Produktion: Terry Gilliam, Drehbuch: Terry Gilliam, Michael Palin, Darsteller: Craig Warnock, David Rappaport, Jack Purivs, Kenny Baker, Malcom Dixon, Mike Edmonds, Tiny Ross, David Warner, Ian Holm, John Cleese, Michael Palin, Sean Connery, Shelly Duvall. England 1981, 112 Min.

 

 

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