Zwielicht 7 – Eine gute Mischung aus Gänsehaut und spannender Information

zwielicht sieben„Zwielicht“ lautet das von Michael Schmidt herausgegebene Magazin, das nun bereits sieben Bände vorzuweisen hat – Band acht wird in Kürze erscheinen (Band sieben gab Michael Schmidt zusammen mit Achim Hildebrand heraus). Wie in jeder Ausgabe, so beinhaltet auch diese eine Mischung aus Kurzgeschichten, Erzählungen und Fachartikeln. Doch anders als in den früheren Ausgaben, findet der Leser hier nicht nur deutschsprachige Autoren vertreten. So ist mit Alyssa Wong eine bekannte US-amerikanische Autorin mit von der Partie und aus England stammt die stark von M. R. James beeinflusste Autorin Sheila Hodgon (1921-2002). Es gehört zur Tradition jeder Ausgabe, dass eine bisher noch nicht ins Deutsche übersetzte Geschichte von Algernon Blackwood mit aufgenommen wird. Die Auswahl traf dieses Mal die Erzählung „Der Preis von Wiggins‘ Orgie“, einer Geschichte, die für Blackwoods unterschwelliges, doch zugleich eindringliches Grauen eher untypisch ist und den Meister des Unheimlichen aus einer anderen Perspektive zeigt.

Die Geschichten der deutschsprachigen Autoren haben beinahe alle eines gemeinsam: sie zeigen einen teils bizarren, teils schwarzen Humor, der einen immer wieder zum Schmunzeln bringt. Besonders gelingt dies der Geschichte „Eins, zwei, drei – Turnschuh“ von Dominik Grittner, die von einem Schüler erzählt, der am liebsten ein Superheld mit drei Superkräften gewesen wäre. Dummerweise hat er darüber einen Schulaufsatz geschrieben. Und alle fragen sich nun, was wohl die dritte Supereigenschaft von Super Stevie ist, über die er sich beharrlich aussschweigt, bis … Es soll natürlich nichts verraten werden. Aber der Gag hat gesessen und mir einen lauten Lacher entlockt.

Ellen Norton berichtet in „Der Knochen“, wie der Knochen des Opas der Ich-Erzäherin plötzlich aus dem Grab schnellt und von da an für Chaos sorgt. Michael Tillmanns Kurzgeschichte „Ein so guter Mensch, man könnte kotzen …“ fand ich zunächst wenig überzeugend, da irgendwie kitschig, bis es aber zum Wendepunkt kam und die Story dadurch eine andere Dimension erhielt. Weniger mit schwarzem Humor versehen ist die Geschichte „Gulag“ von Christian Weis, in der es um einen aus einem russischen Gefangenenlager heimgekehrten Mann geht, der sich äußerst seltsam verhält. Die Geschichte ist zwar vorhersehbar, überzeugt aber dennoch durch eine düstere Atmosphäre. Bettina Ferbus beschreibt in „Radio 4“ eine etwas andere Zombiefizierung, die durchaus gelungen, da durchaus sozialkritisch ist. Daniel Huster schließlich beschreibt in „Flesh Drive USB“ einen unheimlichen Konflikt, in dem eine Frau hinter das Geheimnis ihres zweiten Mannes kommt. Eine sehr eindringliche und überaus spannende Geschichte.

Den Abschluss liefern Artikel über Bradbury, Sheila Hodgon und über Vampire. Besonders interessant ist der Text von Eric Hantsch über Martin Luserke, einem deutschen Schriftsteller und Pädagogen.

Alles in allem besteht auch die siebte Ausgabe des Magazins „Zwielicht“ aus einer ausgewogenen und durchweg unterhaltsamen Auswahl an unheimlichen Geschichten. Eine klare Leseempfehlung.

Michael Schmidt/Achim Hildebrand: Zwielicht 7. Saphir im Stahl 2015, 368 Seiten, 12,95 Euro, ISBN: 978-3-943948-48-6

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.