Monster des Mittelalters – Eine kulturhistorische Spurensuche

monsterimmittelalterDer Germanist Rudolf Simek beschäftigt sich am liebsten mit dem Problem der Monsterdarstellungen in mittelalterlichen Texten und Bildern. Die Idee, ein Buch darüber zu schreiben, hatte er bereits Anfang der 80er Jahre. Doch erst jetzt konnte er sein Projekt zu einem erfolgreichen Ende bringen.

„Monster im Mittelalter“, so der Titel des Werkes, beschäftigt sich mit den kulturhistorischen Hintergründen von Beschreibungen sog. Wundervölker und Fabelwesen aus dem Mittelalter. Simek geht dabei der Frage nach, aus welchem Grund diese Monster überhaupt beschrieben bzw. in Bildern dargestellt wurden. Handelte es sich dabei um Darstellungen realer Ungeheuer oder steckte dahinter etwas völlig Anderes?

Die Spur führt Simek und den Leser bis zurück in die Antike, als zum ersten Mal Berichte über Fabelrassen z.B. bei Plinius auftauchen. Richtig populär wurden die Beschreibungen dann in der „Alexanderdichtung“, welche den Feldzug Alexander des Großen beschreibt. Simek zufolge hatten die Darstellungen speziell in diesem Text die Aufgabe, den oder das Fremde zu stilisieren und dadurch einen Kontrast zwischen Alexander dem Großen und dem Anderen zu betonen. Es wurden, statt reale Beschreibungen abzuliefern, Sozialutopien geschaffen.

Da sich aber die Darstellungen der diversen Monster immer gleichen und sogar die Namen oder Bezeichnungen dieser Kreaturen immer wieder aufgelistet wurden, musste wohl mehr dahinterstecken als bloße Fantastereien.

So geht Simek der Frage nach, auf welche realen Umstände die jeweiligen Darstellungen zurückzuführen sind, ob auf genetische Defekte oder auf verallgemeinerte Missgeburten.  Eine weitere Frage lautet, ob diese Monster eher einen religiös-moralischen Zweck zu erfüllen hatten.

Rudolf Simeks Untersuchung über die Monster im Mittelalter ist eine spannende und informationsreiche Reise in ein bisher kaum erforschtes Sachgebiet. Lebendig und detailreich geht der Autor auf die unterschiedlichen Ungeheuer und ihre kulturhistorischen Wurzeln ein, lässt dabei auch nicht die Meeresungeheuer aus, und findet zum Schluss sogar eine Verbindung zu heutigen SF- und Fantasy-Romanen und Filmen, wobei dieses letzte Kapitel das eindeutig schwächste im ganzen Buch darstellt. In diesem Kapitel gibt es nicht nur falsche Angaben (z.B. nennt Simek als Autor von „Krieg der Welten“ den Schauspieler und Regisseur Orson Welles und nicht H. G. Wells), sondern die germanistische Perspektive schränkt den Blickwinkel stark ein. Obwohl der Ansatz durchaus interessant ist. Die eigentliche Untersuchung aber, die zum Schluss mit einem „Lexikon der menschlichen Monster im Mittelalter“ aufwartet, ist nicht nur für Monsterliebhaber von großem Interesse.

Rudolf Simek. Monster im Mittelalter. Die phantastische Welt der Wundervölker und Fabelwesen. Böhlau Verlag 2015, 345 Seiten, 29,90 Euro, ISBN: 978-3-412-21111-0.

5 Gedanken zu “Monster des Mittelalters – Eine kulturhistorische Spurensuche

      • Runa Phaino Februar 18, 2016 / 5:29 pm

        Und schon längst überfällig! Weißt Du zufällig, ob da auch die Monster aus den Bildern von Bosch drin sind? Ach, selbst wenn nicht, ich glaube, ich muss das haben! :D

      • Film und Buch Februar 18, 2016 / 6:05 pm

        Nein, diese Bilder sind leider nicht enthalten. Es handelt sich vor allem um Illustrationen aus mittelalterlichen Büchern.

      • Runa Phaino Februar 18, 2016 / 6:24 pm

        Wie gesagt, trotzdem bestimmt gut! :)

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