H. P. Lovecraft und Sonia Greene – Eine außergewöhnliche Beziehung

lovecraftAls der amerikanische Horrorautor Howard Philip Lovecraft und Sonia Greene am 3. März 1925 heirateten, war dies vor allem für Lovecrafts Freundeskreis eine große Überraschung. Niemand seiner Freunde und Autorenkollegen hätte je daran geglaubt, dass Lovecraft überhaupt jemals heiraten würde.

Engere Beziehungen zu Frauen hatte er davor nie gehabt. Er selbst sagte einmal, dass Sonia (beide hatten sich bei einem Treffen von Amateurjournalisten kennen gelernt) die erste Frau gewesen war, die ihn geküsst habe. Sonia Greene war bereits vor ihrer Heirat mit Lovecraft verheiratet gewesen. Ihr erster Mann soll Selbstmord begangen haben. Doch unabhängig davon waren Lovecrafts Tanten, mit denen er in Providence wohnte, von Anfang an gegen seine Beziehung mit Sonia Greene und ganz und gar gegen eine Heirat.

Lovecraft setzte jedoch seinen eigenen Willen durch. Kurz nach der Hochzeit zog er zusammen mit seiner Frau nach New York. Sonia Greene arbeitete als Hutdesignerin und verdiente damit recht gut. Dies war wichtig, denn Lovecraft war unfähig, selbst Arbeit zu finden. Er war ein durch und durch geistiger Mensch, der gelegentlich von sich selbst behauptete, im falschen Jahrhundert geboren zu sein. Doch all das schreckte Sonia nicht ab. Die erste Zeit lebten sie glücklich miteinander. Lovecraft lernte in New York viele Intellektuelle und Schriftsteller kennen. Und Sonias Kochkünste führten dazu, dass er, dessen Hauptnahrungsmittel eigentlich Kaffee darstellte, gehörig zunahm.

lovecraft1Wichtig zu erwähnen ist, dass Sonia Greene Jüdin war. Dies ist insofern von Bedeutung, da Lovecraft durch und durch rassistisch geprägt war. Einer Anekdote zufolge, soll er in New York am Hafen einen regelrechten Starrkrampf bekommen haben, als er all die farbigen Hafenarbeiter gesehen habe. Seinen Freunden zufolge soll er am Veröffentlichungstag der englischen Ausgabe von „Mein Kampf“ in aller Früh zu seinem Buchladen gelaufen sein, um als einer der ersten das Buch in seinem Besitz zu bekommen. Denn Lovecraft sah darin seine eigenen verqueren Rassentheorien bestätigt. Es erscheint daher als eine Art Paradoxon. dass ausgerechnet er eine Jüdin heiratete. Als Sonia ihn einmal darauf ansprach, lautete seine Antwort, dass sie nun durch ihn einer höheren Rasse angehöre. Sonia schien seine Aussage mit einem gewissen Humor genommen zu haben, kannte sie ihn und seine seltsamen Theorien doch in- und auswendig.

Auf ihre Beziehung hatte dies keine Auswirkung. Doch etwas anderes führte schließlich dazu, dass sich Lovecraft und Sonia wieder trennten. Sonia Greene hatte sich selbständig gemacht. Aber ihr Geschäft ging bankrott, was dazu führte, dass sie aus dem Haus in Brooklyn in eine kleine Wohnung ziehen mussten. Da Lovecraft unfähig war, Arbeit zu finden (er scheiterte bereits an den Bewerbungsschreiben), war es an ihr, weiterhin Geld zu verdienen. Da ihr neuer Job verlangte, dass sie viel reiste, konnte sie nur wenige Tage im Monat zuhause sein.

Lovecraft magerte in dieser Zeit gehörig ab. Er schrieb einmal, dass er kein Geld mehr habe und für mehrere Tage nur von ein paar Schreiben Brot und einem Stück Käse gelebt habe. Dennoch schrieb er beharrlich an seinen Geschichten weiter. Dann kam der Tag, an dem in die kleine Wohnung eingebrochen wurde. Lovecraft erlitt eine Art Schock, was dazu führte, dass er praktisch über Nacht New York verließ, um wieder zurück in sein geliebtes Providence zu kehren.

Sonia ging weiter ihrem Beruf nach, bis sie später einen anderen Mann kennen lernte. Mit Lovecraft blieb sie weiterhin in Briefkontakt. Dieser blieb bis zu seinem Tod 1937 Single. Obwohl er Sonia nie sagte, dass er sie liebte, so gestand er einmal in einem Brief an einen Freund, dass sie seine einzige große Liebe gewesen sei.

Die Informationen zu diesem Text stammen zum einen aus der Biographie „H. P. Lovecraft“ von L. Sprague de Camp und zum anderen aus dem Buch „Der Einsiedler von Providence“ (Hrsg. von Franz Rottensteiner), in dem Erinnerungen von Freunden und von Sonia Greene an Lovecraft enthalten sind.

 

4 Gedanken zu “H. P. Lovecraft und Sonia Greene – Eine außergewöhnliche Beziehung

  1. Purple Januar 13, 2016 / 6:38 pm

    Ein großartiger Schriftsteller mit leider sehr furchtbaren Ideen. Schatten über Innsmouth und Der Fall des Charles Dexter Ward sind meine Lieblings Geschichten.

    • Film und Buch Januar 13, 2016 / 9:52 pm

      Schatten über Innsmouth finde ich ebenfalls hervorragend. Wirklich erstaunlich finde ich seine Kurzgeschichte „Das Bild im Haus“, die gar nicht lovecraftartig ist, sondern eher einem Psychothriller ähnelt.

      • Purple Januar 14, 2016 / 8:56 am

        Ja, die Geschichte ist auch sehr gut. Er selbst fand Innsmouth so schlecht, dass er es gar nicht veröffentlichen wollte. Seine Freunde haben ihn dazu überredet, soweit ich weiß.

  2. Film und Buch Januar 14, 2016 / 4:09 pm

    Das stimmt. Lovecraft war die Geschichte zu „maintreamig“, wie man heute sagen würde. :)

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