Chronicles of Evil – Nicht das Gelbe vom Ei

chronicleofevilPolizeifilme haben in Südkorea eine lange Tradition, sodass sie aus dem Kino nicht mehr wegzudenken sind. Auch „Chronicles of Evil“, eine Mischung aus Thriller und Drama, fügt sich beinahe lückenlos in die Tradition ein.

Es geht um den Polizisten Choi Chung-Suk, der soeben die Ehrennadel erhalten hat. Doch kurz nach einer Feier zu Ehren seiner Auszeichnung, kommt es zu einem schweren Zwischenfall. Choi, der im Taxi, das ihn nachhause bringen sollte, eingeschlafen ist, wacht plötzlich auf und bemerkt, dass der Fahrer ihn ganz woanders hinfährt. Auf einer einsam gelegenen Wiese zückt der Fahrer auf einmal ein Messer. Bei dem Zweikampf tötet Choi seinen Angreifer. In Panik geraten, versucht Choi, den Zwischenfall zu vertuschen. Doch als die Leiche des Mannes mitten in der Stadt von einem Kran baumelt, scheint seine Vertuschungsaktion gescheitert zu sein. Verzweifelt setzt er alles daran, um die Ermittlungen auf eine andere Spur zu lenken.

Genauso beliebt wie der Polizeifilm sind in Südkorea Rachefilme. Leider führen die Rachemotive meistens dazu, dass sich die Handlung eines Films in komplexen Sachverhalten verheddert, sich die Spannung dadurch in übertriebenen Kitsch verwandelt. Und genau dies trifft auch auf „Chronicles of Evil“ zu. Die Handlung beginnt vielversprechend, und als der Antagonist zum ersten Mal auftritt, scheint es beinahe auf einen Serienmörderfilm hinauszulaufen. Doch Regisseur Baek Woon-Hak hat anderes im Sinn. Chois Vertuschungsaktion zieht ihn nicht etwa aus der Affäre, sondern bringt ihn mit einem unbekannten Mann zusammen, der mit ihm noch ein Hühnchen zu rupfen hat.

Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Choi, der vor Jahren einen Mordfall löste, bei dem mehrere Männer vergiftet wurden, wird von dieser Vergangenheit heimgesucht. Doch statt eines Katz und Maus-Spiels, das sich aus der Konstellation durchaus hätte ergeben können, triftet Regisseur Baek ab ins Drama, drückt bei einer der Hauptszenen ordentlich auf die Bremse, sodass der Schwung des Films flöten geht. Im Finale fängt es von einer Sekunde auf die andere plötzlich an wie aus Eimern zu schütten, so als wüsste sich der Regisseur sonst nicht anders zu helfen, wie er wieder etwas Spannung in den Film bringt.

Nein, „Chronicles of Evil“ überzeugt nicht. Baek Woon-Hak fährt mit seinem Erstling voll gegen die Wand. Er verhindert alles, um einen spannenden, wendungsreichen Film zu kreieren. So schafft er einen Thriller, in dem nicht viel passiert, in dem manche Szenen geradezu für sich stehen, ohne ein abgerundetes Ganzes zu ergeben. Somit beginnt das Kinojahr 2015 für Südkorea genauso wie 2014 aufgehört hat: mit schlechten Filmen.

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