Zombies im Fachformat – Filmsoziologie einmal anders

zombiesFilmsoziologie ist so etwas wie das Stiefkind aller Soziologen. Es ist erstaunlich, dass sich nur wenige, sogar sehr wenige Soziologen mit Filmen auseinandersetzen, handelt es sich doch dabei um das Medium des 20. und 21. Jahrhunderts. Egal ob auf Leinwand, im Fernsehen oder im Internet, Filme sind allgegenwärtig. Sie liefern ein ungeheures Datenmaterial für mögliche Untersuchungen, aber dies ist den meisten Soziologen anscheinend völlig egal, vielleicht aber auch gar nicht bewusst.

Noch schlimmer sieht es aus, wenn es um das Thema Horrorfilm oder Phantastik im allgemeinen geht. Wer sich (jedenfalls in Deutschland) wissenschaftlich mit diesem Thema auseinandersetzen möchte, dem wird sofort gezeigt, wo sich der Ausgang befindet. Diese akademische Engstirnigkeit wird bestraft, wie immer sind Wissenschaftler aus England und den USA die Vorreiter. Da nutzt auch nichts die Erwähnung des „Godfather“ der Filmanalyse Andrew Tudor, für den gerade Horrorfilme Ausgangsmaterial für ergiebige sozialwissenschaftliche Forschung sind.

Umso schöner ist es, dass es zwei Soziologen gewagt haben, einen Sammelband zu veröffentlichen, dessen Beiträge sich allesamt mit Horror bzw. Phantastik auseinandersetzen. Michael Dellwing und Martin Harbusch zeigen, dass sich die Beschäftigung mit diesem Thema lohnt. 14 Beiträge untersuchen Zombie- und Vampirfilme und gehen auf Fantasyspektakel ein. Untersucht wird, auf welche Weise das Andere gesellschaftlich verortet ist, wo es seinen soziokulturellen Ursprung hat und in welchem sozialen Kontext diese Filme stehen. Mit dabei u. a. auch FILM und BUCH-Herausgeber Max Pechmann, der sich mit japanischen und koreanischen Horrorfilmen auseinandersetzt.

Das Buch ist durchaus gelungen. Die einzelnen Beiträge sind interessant, sehr informativ und liefern spannende Einblicke in ein Forschungsfeld, das von so vielen „Artgenossen“ gemieden wird. Das Buch macht neugierig und vielleicht führt es dazu, dass Filmsoziologie etwas ernster genommen wird. Soziologen werden darin auf jeden Fall originelle Darstellungen finden, die zum Weiterdenken, Weiterforschen und Weiterdiskutieren anregen.

Michael Dellwing/Martin Harbusch (Hrsg). Vergemeinschaftung in Zeiten der Zombieapokalypse. Verlag Springer 2014, 384 Seiten, 39,99€, ISBN: 978-3-658-01721-7

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