Remakes – Kein Phänomen unserer Tage

Das Wort Remake geistert seit den vergangenen zehn Jahren verstärkt durch die Szene der Filmkritik. In der Tat werden seit Beginn des neuen Jahrtausends mehr Remakes produziert als in früheren Jahren. Dennoch ist das Remake an und für sich kein Phänomen unserer Gegenwart.

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Robocop (1987)
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Robocop (2014)

Remakes sind Neuverfilmungen bereits produzierter Filme. So exakt diese Defintion auch ist, so schwer tut es sich die Film- und Medienwissenschaft damit, Remakes von anderen Kategorien zu unterscheiden. Viele Artikel, Bücher und Dissertationen gehen auf dieses Thema ein, ohne jedoch zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen. Denn so klar in den meisten Fällen Remakes als solche zu erkennen sind, so unklar ist es, ob ein Remake nicht auch eine Adaption, ein Sequel/Prequel oder eine Transformation in ein anderes Medium sein kann. In allen Fällen hat man es mit der Bearbeitung ein und desselben „Textes“ zu tun, und nichts anderes unternimmt ja ein Remake.

Vereinzelte Artikel über Remakes erschienen bereits in den 1970er Jahren, als ebenfalls ein hohes Aufkommen von Remakes zu erkennen war. Doch erst ab Mitte/Ende der 90er Jahre wurde die Remakeforschung ins Leben gerufen. Ziel dieser Forschung ist es, das Wesen der Remakes zu ergründen. Fragen wie „Wieso werden Remakes produziert?“ oder „Was unterscheidet ein Remake vom Original?“ stehen dabei im Mittelpunkt. So unterschiedlich manche Forscher das Wesen von Remakes betrachten, so einig sind sie sich in der These, dass Remakes nicht allein aufgrund kommerzieller Hintergedanken produziert werden. Diese These löste verschiedene Theorien aus, die von der Psychoanalyse bis hin zur Soziologie reichen. Die psychoanalytische Richtung sieht in einem Remake eine Art Oedipus-Komplex, die Soziologie die Übertragung eines vorhandenen Textes in ein neues soziokulturelles Umfeld.

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Invasion der Körperfresser (1957)
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Invasion der Körperfresser (1978)
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Invasion (2007)

Legt man den Fokus nur auf die ökonomischen Gründe, so zeigt sich etwas durchaus Interessantes: Remakes tauchen verstärkt immer dann auf, wenn es zu einer Absatzkrise im Filmgeschäft kommt. So produzierte die Filmindustrie in den 1930er Jahren aufgrund der Wirtschaftskrise mehr Remakes als vor der Krise. Anfang der 50er Jahre, in denen das Kino gegen seinen neuen Konkurrenten, das Fernsehen, kämpfte und es dabei zu deutlichen Umsatzrückgängen kam, erhöhten sich ebenfalls die Remakeproduktionen. Ende der 70er, Anfang der 80er, als das Kino gegenüber der Videokassette zunehmend an Marktmacht verlor, kam es wiederum zu einer hohen Anzahl von Remakes. Und seit der Hollywoodkrise in den 90er Jahren ist wiederum ein extrem hohes Aufkommen von Remakes zu verzeichnen.

Die jetzige Krise unterscheidet sich jedoch von den anderen Krisen dadurch, dass sie nicht nur wirtschaftlich bedingt ist, sondern viel eher ein Hinweis auf eine Schaffenskrise darstellt. Darauf verweisen z.B. die beiden Regisseure Paul Schrader (2001 in einem Spiegel-Interview) und Larry Fessenden (2013 in einem Interview mit FILM und BUCH). Da die Anzahl von Remakes noch immer sehr hoch ist (parallel dazu steigt auch die Anzahl der Sequels/Prequels), ist daraus zu schließen, dass vor allem die Schaffenskrise noch immer nicht überwunden ist.

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The Ring (2002)
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Ring (1998)

Eine Besonderheit ist seit ca. 2001, dass Hollywood häufig japanische und koreanische Erfolgsfilme neuverfilmt (bis dahin konzentrierte sich das internationale Remake auf französische Kassenerfolge). „The Ring“ zählt bis heute zu den erfolgreichsten Remakes, die jemals produziert wurden. Kosten von 40 Millionen Dollar stehen einem Umsatz von fast 250 Millionen Dollar gegenüber. Kein Wunder also, dass dies eine Welle von weiteren J- und K-Horror-Remakes nach sich zog. Doch verhält es sich seit wenigen Jahren auch umgekehrt. Denn gelegentlich produzieren koreanische Filmstudios Remakes von Hollywoodfilmen.

Aber schon zu Beginn des Kinos, also am Ende des 19. Jahrhunderts, gab es Remakes. Zum einem lag dies daran, wie die Filmhistorikerin Jennifer Forrester bemerkt, dass sich das Filmmaterial schnell abnutze, sodass dieselben Filme neu produziert werden mussten. Zum anderen gab es zu Beginn des Filmbusiness‘ noch kein Copyright auf Filme, sodass Klauen, d.h. die Verfilmung desselben Stoffes durch eine andere Produktionsfirma, keine Straftat war. Dies änderte sich erst ab ca. 1910, als Filme nach und nach als geistiges Eigentum betrachtet wurden.

Im Vergleich zu der Produktion eines Filmes, der auf einem neuen Drehbuch basiert, sind die Kosten für ein Remake wesentlich geringer. Es müssen z.B. keine Adaptionsrechte mehr bezahlt werden. Auch hält sich das Risiko eines Misserfolgs in Grenzen, da Remakes auf den Bekanntheitsgrad des jeweiligen Originalfilms setzen. In mageren Zeiten oder eben in Zeiten von „Schreibblockaden“ und Risikominimierung eignet sich das Remake besonders gut, um kostengünstig Produkte herzustellen. Das Phänomen Remake wird daher weiterhin ein fester und vor allem immer wiederkehrender Bestandteil der Filmgeschichte sein.

7 Gedanken zu “Remakes – Kein Phänomen unserer Tage

  1. filmschrott Februar 27, 2015 / 8:16 pm

    Interessanter Text. Man muss aber wohl auch differenzieren, warum Remakes gemacht werden und wurden. Heutzutage geht es ja zum Beispiel auch darum, dass die Amerikaner einfach nichts gucken, was nicht aus dem eigenen Land kommt. Schon deshalb halte ich die für völlig banane.
    Dazu kommt natürlich der von dir angesprochene Kostenpunkt. Die Vorarbeit ist ja quasi schon erledigt, also fallen einige Schritte weg, die ein neuer Film sonst durchlaufen muss.

    Das große Problem ist aber, dass es scheinbar Überhand nimmt in den letzten Jahren. Einfach alles wird geremaket und rebootet und 100 mal fortgesetzt. Das ist dann wohl auch der Grund, warum Hollywood (meiner Meinung nach nicht ganz unberechtigt) vorgeworfen wird, unkreativ zu sein. Das Problem ist einfac Übersättigung. Es gibt sicher einige Filme, bei denen sich ein Remake anbieten würde, einfach weil das Original nicht mehr zeitgetreu ist. Wenn man aber einfach alles neu auflegt, dabei dann größtenteils nur halbherzige Grütze bei rumkommt, ist es kein Wunder, dass immer erst mal über jede Ankündigung in diese Richtung abgekotzt wird.

    • Film und Buch Februar 28, 2015 / 2:24 pm

      Vielen Dank! – Ja, es stimmt, Amis gucken nichts, was nicht „hausgemacht“ ist. Daher haben es Filme aus anderen Ländern schwer, dort überhaupt wahrgenommen zu werden. Denn der Durchschnittsamerikaner mag keine Untertitel (im Gegensatz zu Südkorea, wo ausländische Filme nur mit Untertitel gezeigt werden). Die Remakeitis hat zu einem erheblichen Imageverlust für Hollywood geführt. Ich denke auch, dass dies auf eine Phase von Kreativitätsverlust zurückzuführen ist, verbunden damit, dass in den Studios (ähnlich wie heutzutage auch in den Verlagen) nur noch BWL-Leute sitzen.

      • filmschrott Februar 28, 2015 / 3:09 pm

        Man muss natürlich trotzdem sagen, dass es durchaus noch eigenständige Filme gibt. Aber die gehen in der Masse an Remakes, Reboots, Sequels, Prequels und Romanverfilmungen einfach mittlerweile unter. Wenn sich das die Waage halten würde, würde ich mich gar nicht beschweren, aber es wird einfach viel zu viel auf Nummer sicher gemacht, wodurch die wirklich guten Filme oft völlig an einem vorbei gehen, oder auch an den Kassen untergehen. Wenn man nicht aufpasst, wird das Hollywood irgendwann mal ganz stark zum Verhängnis werden, wenn die Zuschauer plötzlich übersättigt sind, von immer dem selben Quark. Aber eigentlich gönne ich ihnen auch, damit mal so richtig auf die Fresse zu fallen. Vielleicht merken sie es dann.

      • Film und Buch Februar 28, 2015 / 6:39 pm

        Hollywood wird sich früher oder später ändern. Nach der klassichen Hollywood-Ära kam die New Hollywood-Ära, und auch jetzt sind teilweise Ansätze einer Veränderung zu erkennen. Das Positive an der Krise ist, dass dadurch andere Filmländer mehr Aufmerksamkeit erhielten bzw. erhalten, wie z.B. Südkorea, Japan, aber auch die derzeitige (wenn auch kaum merkliche) Entwicklung des deutschen Films steht wohl im Zusammenhang mit der Hollywoodkrise. Durch die Krise entstand eine Lücke, die von Filmen anderer Länder gefüllt wird, mit der Chance, mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Und das spornt natürlich die jeweiligen Filmländer an, mehr in ihre Produktionen zu investieren.

        Was aber auch sein kann, ist, wie Larry Fessenden meint, dass die derzeitige Hollywoodkrise Kennzeichen einer (US-internen) gesellschaftlichen Krise ist. Fessenden prangert dabei den radikalen Materialismus an, der zu sinnfreien Filmen führt. Sozusagen sinnfreie Filme für eine sinnfreie Gesellschaft. Fessenden sieht dabei vor allem die Moral und das Wertesystem in einer Art Auflösungserscheinung.

      • filmschrott Februar 28, 2015 / 7:38 pm

        Für den auslädischen Film natürlich gut, keine Frage. Und mir gefällt es auch, dass dadurch mehr rüberschwappt und man so mehr davon mitkriegt, was in anderen Ländern noch so gemacht wird. Wobei ich auc da bereits Abnutzungserscheinungen habe. So gut Krimis aus Skandinavien und Rache-Thriller aus Korea auch sein mögen, da könnte auch mal was anderes kommen. Allerdings habe ich mich mit den Filmen aus diesen Ländern bisher zu wenig beschäftigt, um mich da schon aufzuregen.
        Und ja, Fessenden hat letztlich wohl recht. Die Gesellschaft kriegt eben die Filme, die es verdient. Natürlich ein von der Gesellschaft selbst erschaffenes Problem, denn die ist es schließlich, die ins Kino rennt.

      • Film und Buch März 1, 2015 / 11:55 am

        Mit den Abnutzungserscheinungen gebe ich dir Recht. So ist z.B. von J-Horror so gut wie nichts mehr Brauchbares vorhanden. Bei koreanischen Horrorfilmen sieht es gerade ähnlich mies aus, obwohl 2013 noch ein paar wirklich gute Filme entstanden sind. Japan hat zum großen Teil die Chance von „Ring“ nicht genutzt, um seine gesamte Filmproduktion zu internationalisieren (im Gegensatz zu Südkorea), sondern macht weiter hauptsächlich Filme, die nur in Japan gezeigt werden. Es bleibt auf jedendfall spannend, was die weitere Entwicklung des Films betrifft. Wer hätte z.B. gedacht, dass aus Österreich mit „Blutgletscher“ jemals ein Monsterfilm kommen würde.

      • filmschrott März 1, 2015 / 12:16 pm

        Zumindest ist das Feld so breit aufgestellt, wie wahrscheinlich nie zuvor. Jedes Land macht mit und bringt dadurch immer wieder neues zum Vorschein. Leider teilweise noch zu sehr unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Da sind ja eigentlich dann auch mal die Kinos gefragt, mal was ins Programm aufzunehmen, was nicht der näcste Blockbuster ist. Aber ist eben trotz allem alles nur Geschäft, deshalb wird das wohl eher nicht passieren.

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