Die Videothek oder Was Sie schon immer über Videotheken wissen wollten

videothekEine Geschichte der Videothek war längst überfällig. So hat es sich der Medienwissenschaftler Tobias Haupts zur Aufgabe gemacht, dies in seinem Buch „Die Videothek“ nachzuholen. Speziell in einer Zeit, in welcher Online-Angebote den klassischen Videotheken das Leben schwer machen, kommt fast schon ein wenig Nostalgie auf, wenn man in dem Buch liest.

Geradezu akribisch ging Haupts auf Spurensuche, sichtete diverse Broschüren, Zeitschriften und Magazine und was ihm sonst noch in die Hände fiel, um die Geschichte einer besonderen Institution nachzeichnen zu können. Dabei lässt er so gut wie kein Thema aus und keine Frage offen. Angefangen von der angestachelten Goldgräberstimmung, die in der Videothek die Möglichkeit sah, auf bequeme und schnelle Art und Weise Geld verdienen zu können, bis hin zum langsamen Niedergang der Videothek geht der Rundumblick. Auch die „Vorläufer“ der Videothek wie etwas das Bahnhofskino oder das Autokino werden nicht außer Acht gelassen.

Unweigerlich verbunden mit der Geschichte der Videothek ist das politische und von Pädagogen initiierte Gerangel um die Indizierung von Filmen. Auch darauf geht Tobias Haupts in mehreren Kapiteln ein, wobei selbst der Klassiker aller Pädagogen-Warnungen „Mama, Papa, Zombie“ nicht fehlt. Haupts nimmt in dieser Debatte keine Stellung, sondern schildert objektiv, welche Hürden den Videothekaren zum Teil aufgestellt wurden, wenn es um Horror-, Action- und Pornofilme ging. Auch die irrwitzige Debatte über „Evil Dead“ wird hier (wenn auch nur am Rande) angeschnitten.

Nein, über dieses Buch kann man nicht meckern. Es macht Spaß, ist hoch informativ und nicht nur etwas für die Wissenschaft, sondern für jeden, der sich mit Mediengeschichte auseinandersetzt. Und wenn man das Buch beendet hat, möchte man nur eines: in die nächste Videothek gehen.

Tobias Haupts: Die Videothek. Zur Geschichte und medialen Praxis einer kulturellen Institution. Transcript Verlag 2014, 422 Seiten, 34,99€. ISBN: 978-3-8376-2628-5.

 

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