Die Salonièren und die Salons in Wien – Ein Stück Kulturgeschichte

salonierenLiterarische Zirkel waren nicht nur Treffpunkte für Künstler, Poeten und Schriftsteller. In den Salons wurden Kontakte geknüpft, hier trafen politische Gegner aufeinander, um in Ruhe über wesentliche Probleme zu diskutieren, und hier wurde auch manchmal der ein oder andere „arme Poet“ an einen Verlag vermittelt.

Die Kulturhistorikerin Helga Peham hat sich in ihrem neuesten Buch mit den literarischen Salons in Wien beschäftigt. Diese besondere Institution währte 200 Jahre, bevor sie zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zum erliegen kam. Die Salons wurden von reichen Damen geführt, die sich für Literatur und Kunst interessierten. Es waren Philantropinnen, welche die Geselligkeit und intellektuell anspruchsvolle Diskussionen liebten. Ihre Liebe zur Literatur führte zunächst dazu, dass sich die Salons auf literarische Themen beschränkten. Doch nach und nach verselbständigten sich diese Institutionen. Neben Schriftstellern und Kritikern wurden nun auch Komponisten, Künstler und Politiker geladen. Es wurden Schreibwettbewerbe durchgeführt, Leseabende veranstaltet und sogar Theatervorführungen dargeboten. An manchen Abenden gaben Komponisten ihre neuesten Werke zum besten.

Vor allem im 18. Jahrhundert pflegte die Institution des Salons ein sehr modernes Weltbild. Soziale Regelungen waren bei diesen Treffen aufgehoben. Jeder konnte tun und lassen, was er wollte. In ihrem Buch über die Geschichte der Salons in Wien beschäftigt sich die Autorin mit 14 Salonièren. Sie stellt ihre Biographien dar und beschreibt auf sehr lebendige Weise das damalige Treiben in den Salons. Wie nebenher begegnet der Leser dabei „alten Bekannten“ wie z.B. Mozart und Beethoven, die zu den Gästen der Salons im 18. bzw. 19. Jahrhundert zählten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind es u. a. Egon Friedell, Jakob Wassermann, Gustav Klimt und Elias Canetti, um nur wenige der Stammgäste zu nennen.

Nicht selten verliebte sich so mancher Autor in eine Salonière und fand in ihr seine Muse. Helga Peham gelingt es, die Welt dieser Salons vor den Augen des Lesern wieder auferstehen zu lassen. Man fühlt sich mitten drin bei den abendlichen Treffen, Diskussionen und Leseabenden. Die Lebendigkeit der Schilderungen wird durch Zitate aus Tagebüchern und Briefen erhöht, in denen auf bestimmte Situationen eingegangen wird. „Die Salonièren und Salons in Wien“ ist das, was man als ein wirklich gelungenes Buch bezeichnen kann. Das Lesen wird zu einem herrlichen Vergnügen. Auf sehr unterhaltsame Weise unterrichtet die Autorin den Leser über einstige Gepflogenheiten, interessante Biographien und erstaunliche Gästelisten. Ein Buch, das man gerne auch mehrmals liest.

Helga Peham: Die Salonièren und die Salons in Wien. 200 Jahre Geschichte einer besonderen Institution. Styria Verlag 2013/2014, 326 Seiten, 24,99€, ISBN: 978-3-222-13448-7

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