Cli-Fi – Nur ein Modewort oder bereits ein Subgenre?

Seit diesem Jahr geistert ein neues Wort durch die Medien. Gemeint ist die Abkürzung Cli-Fi, die für die Bezeichnung climate fiction steht. Angeblich stammt dieser Begriff von dem Umweltaktivisten Dan Bloom. Sicher ist nur, dass nun auch zunehmend Filmkritiker diesen Begriff verwenden, um auf eine Reihe von Filmen hinzuweisen, die sich mit demselben Thema auseinandersetzen: der zunehmenden Umweltzerstörung durch den Menschen und deren (für den Menschen) katastrophalen Folgen.

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Kinoplakat zu Godzilla (2014)

In diesem Jahr gehen gleich drei Filme an den Start, die auf Umweltprobleme aufmerksam machen wollen. Godzilla, Into the Storm und die koreanische Produktion Snowpiercer. Allen drei gemeinsam ist, dass sie das Verhalten des Menschen für die in den Filmen dargestellten Katastrophen verantwortlich machen. Ob die Umweltzerstörung durch Radioaktivität oder Tsunamis verursacht wird oder durch den Treibhauseffekt – die Menschheit bekommt die Konsequenzen im Kino radikal zu spüren. Der von Indie-Regisseur Gareth Edwards reanimierte Godzilla trampelt auf San Francisco herum, in Into the Storm sind es Super-Tornados, die eine Stadt heimsuchen, und in Snowpiercer hat sich die Erde in eine Eiswelt verwandelt, durch die der Snowpiercer seine Runden zieht. Snowpiercer geht hier einen Schritt weiter als die anderen beiden Filme. Denn er versteht sich in erster Linie als gesellschaftskritisch.

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Kinoplakat zu „Into the Storm“ (2014)

Nimmt man Darren Aronofskys Bibel-Katastrophen-Film Noah mit auf, so sind es in diesem Jahr bereits vier Filme, die sich mit dem Thema Umweltkatastrophe auseinandersetzen. Man darf jedoch keine zu hohen Erwartungen an die „Botschaften“ dieser Big-Budgets richten. Die Kritik schwingt zwischen den Szenen und Sequenzen mit. Eine in den Vordergrund gestellte Kritik am menschlichen Handeln gegenüber der Umwelt hätte fatale Folgen für das Geschäft. Zuschauer von Blockbustern möchten in aller erster Linie unterhalten werden, nicht aber mit ihren Alltagsproblemen und Öko-Botschaften konfrontiert werden. Wiederum eine Ausnahme ist Snowpiercer, der die Kritik an die erste Stelle setzt, was damit zu tun hat, dass koreanische Filme (auch wenn es sich um Actionfilme handelt) direkte Kritik an Gesellschaft und Politik üben. Eine Folge der Diktatur, die in Südkorea bis zum Ende der 80er Jahre herrschte und in der Kritik mit dem Tode bestraft wurde.

220px-Frogsfilmposter 220px-WorldcollideDoch kommen wir zurück auf die Bezeichnung Cli-Fi. Setzt sich dieser Begriff durch, so gibt es bald tatsächlich ein neues Subgenre, in das nicht nur die aktuellen Katastrophen-SF-Fantasy-Filme gestopft werden können, sondern auch ältere Produktionen ein neues Zuhause finden. Ein Beispiel wäre Emmerichs The Day after Tomorrow. Aber auch Trash-Filme wie Frogs oder Die Prophezeiung würden unter diesen Begriff fallen. Beide Produktionen stammen aus den 70er Jahren. Nicht weniger der SF-Klassiker Silent Running, der ebenfalls aus den 70er Jahren stammt. Die 50er Jahre wären mit Filmen wie When Worlds Collide dabei. Kurz: man findet eine große Anzahl an Produktionen, die genau in dieses Schema passen. Ein Schema, das bisher jedoch ohne Namen geblieben ist. Die Bezeichnung Cli-Fi könnte hierbei durchaus als nützliche Kategorie dienen. Man darf also gespannt sein, ob sich dieser Begriff durchsetzen wird.

 

5 Gedanken zu “Cli-Fi – Nur ein Modewort oder bereits ein Subgenre?

  1. Ma-Go Filmtipps Mai 25, 2015 / 11:44 am

    Interessant! Von dem Begriff Cli-Fi habe ich noch nie gehört. Es macht aber aus meiner Sicht keinen Sinn ein Subgenre zu diesem Begriff „einzuführen“. Ein Merkmal von Science-Fiction Filmen und Literatur ist doch, dass sich die Geschichten um die aktuellen Ängste der Menschen der jeweiligen Zeit drehen. Eine Zeit lang waren das Alien Invasionen, Epedemien, Nuklearkatastrophen und zur Zeit eben klimatische Veränderungen und Bedrohungen. In absehbarer Zeit wird auch das Thema staatliche Überwachung wieder neu aufleben (1984 lässt grüßen). Oder religiöser Fanatismus und Verfolgung.

    • Film und Buch Mai 26, 2015 / 11:33 am

      Vielen Dank für deinen Kommentar! Es stimmt, die Filminhalte sind stets verbunden mit jeweiligen soziokulturellen Faktoren. Zurzeit häufen sich die Filme, in denen es um ökologische Desaster geht. Parallel dazu wird diese Thematik verstärkt in den Medien behandelt. Speziell Öko-SF/Katastrophen-Filmen haben allerdings eine lange Tradition. Diese reichen von den 50er Jahren bis in unsere Zeit. Daher könnte man dieses schon in ein Subgenre einordnen. Anders ausgedrückt: Viele Subgenres sind relativ kurzlebig, aber dieses blieb über die Jahrzehnte hinweg bestehen, da die Thematik stets irgendwie aktuell ist. Sie wird nur in jedem Jahrzehnt anders behandelt.

      • Ma-Go Filmtipps Mai 26, 2015 / 11:55 am

        Da hast du Recht. Ich bin jetzt nicht so in der Materie drin. Aber aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass es im Laufe der vergangen Jahrzehnte mindestens genauso viele Filme/Bücher gab, die sich um KIs und deren Erschaffung drehen. Dabei spricht man aber nicht von einem Subgenre. KI-Fiction oder so :)

      • Film und Buch Mai 26, 2015 / 2:25 pm

        Da muss ich dir zustimmen. Aber eine Subgenre-Kategorisierung ist nie ein Muss, sondern stets ein Kann. Mit Cli-Fi könnte man die Öko-SF/Katastrophen-Filme alle in einen Topf werfen. Meiner Meinung nach wurden diese Filme stets nur unter SF geführt. Es kommt natürlich stets darauf an, was man mit einer solchen Einteilung bezwecken möchte. Aus einer filmwissenschaftlichen oder auch filmsoziologischen Sicht wäre es dadurch möglich eine gemeinsame Vergleichsbasis zu schaffen, um diese Filme genauer zu analysieren, vor allem in ihrem sozialen und historischen Kontext. Aus Sicht der Filmkritik wäre es eher fraglich, ob die Einteilung sinnvoll ist. Es kommt dann wahrscheinlich darauf an, wie weit der jeweilige Kritiker bei seiner Besprechung ausholt.

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