Moebius – Kim Ki Duks neuer Skandalfilm

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Kinoplakat zu „Moebius“.

Kim Ki Duk ist in Südkorea das, was man als ein enfant terrible bezeichnet. Seine Filme ecken an. Viele Zuschauer fühlen sich von seinen Werken abgestoßen, während andere diese nicht genug würdigen können. Mit seinem letzten Film „Moebius“, dessen deutscher Verleihtitel mit „Moebius, die Lust, das Messer“ nicht hätte holpriger sein können, hätte er sich beinahe selbst ein Bein gestellt. Die koreanische Filmbehörde wollte seinen Film verbieten. Kim war dadurch gezwungen, sein Werk um ca. zwei Minuten zu kürzen. Die internationale Version ist wiederum ungekürzt. In Deutschland erhielt sie das FSK-Siegel 18.

Mit „Moebius“ legt der koreanische Regisseur einmal mehr einen Film vor, der vollkommen ohne Dialoge auskommt. Er erzählt darin die skurrile Geschichte einer Familie aus dem Mittelstand, deren Leben durch eine Affäre des Mannes aus den Fugen gerät. Als seine Frau davon mitbekommt, schneidet sie kurzerhand ihrem Sohn den Penis ab, bevor sie das Haus verlässt. Sein Vater beschließt, sich chirurgisch ebenfalls sein Glied entfernen zu lassen, um es seinem Sohn annähen zu lassen. Bis dies gelingt, ist sein Sohn dem Spott seiner Mitschüler ausgesetzt. Verzweifelt sucht er nach Möglichkeiten zur sexuellen Befriedigung. Einen solchen Weg scheint ein Artikel im Internet zu zeigen, indem davon die Rede ist, sich mit einem Stein Schmerzen zuzufügen. So gehen sowohl Vater als auch Sohn diesen bizarren Weg und haben dabei tatsächlich Erfolg. Der Sohn kostet diese Art der Befriedigung bis ins Extreme aus, als er feststellt, dass ihm auch ein Messer, das eine Ladenbesitzerin aus Rache ihm in den Rücken sticht, sexuelle Erfüllung bringt. All dies ändert sich jedoch, als einige Zeit später es tatsächlich zu der Penistransplantation kommt. Von da an ist der Sohn impotent. Erst als seine Mutter zurückkehrt, kehrt seine Lust zurück.

Im Gegensatz zu „Pieta“, das man als Kim Ki Duks bisheriges Meisterwerk bezeichnen kann, fällt „Moebius“ weit hinter diesen Film zurück. Zu sehr ist es offensichtlich, dass Kim auf Provokation aus gewesen ist. Die Geschichte, die von Sadomasochismus bis hin zu Inzest alles enthält, besitzt zwar durchaus auch ihre komischen Seiten. Doch helfen diese nicht wirklich, über das irgendwie Plakative hinwegzutäuschen.

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Kinoplakat zu Kim Ki Duks „Seom“.

Bereits in seinem früheren Werk „Seom“ beschäftigte sich Kim mit SM, indem er eine surreale Liebesgeschichte zwischen einem Polizisten und einer Herbergsbesitzerin erzählte. Dort strapazierte Kim die Nerven der Zuschauer vor allem durch die bekannt gewordene Szene, in welcher sich die Frau Angelhaken einführt. Während „Seom“ jedoch eine surreale Ästhetik aufweist, versucht sich Kim Ki Duk in „Moebius“ lediglich im Aneinanderreihen verstörender Ideen. „Moebius“ scheint einmal mehr einen Regisseur zu zeigen, der soeben ein Meisterwerk abgeliefert hat und nun selbst weiß, dass er an dieses Niveau nicht mehr herankommen wird.

Gut, das Thema Sexualität in sämtlichen Spielformen durchzieht das gesamte Werk Kim Ki Duks. Selbst sein Film „Amen“ beinhaltet dies als zentrales Thema. Dieser Film kommt  wie „Moebius“ und „3-Iron“ so gut wie ohne Dialoge aus. Es geht darum, dass eine junge Frau ihren Freund in Paris besuchen möchte. Doch erscheint er nicht zum Treffpunkt. Stattdessen erhält sie immer wieder andere Adressen, an denen sich ihr Freund aufhalten soll. Auf ihrer Suche wird sie ständig von einem Mann verfolgt, der eine Gasmaske trägt. Diese nette Anspielung an den Horrorfilm der frühen 80er Jahre, verwebte Kim in eine mystisch angehauchte Geschichte. Im Zug wird sie von diesem mysteriösen Mann vergewaltigt. Als sie merkt, dass sie schwanger ist, möchte sie zunächst das Kind abtreiben lassen, kommt dann aber zunehmend in Gewissenskonflikte. „Amen“ wurde komplett mit einer einfachen Handkamera gedreht. Der Ton wurde nicht nachbearbeitet, sodass ständig das Klappern der Kamera zu hören ist, wenn Kim Ki Duk diese bewegt.

Doch eine solche Originalität sucht man in „Moebius“ vergeblich. In der Tat scheint es sogar so zu sein, dass sich Kim von dem überaus kontroversen Film „Visitor Q“ (2001) des japanischen Kultregisseurs Takeshi Miike hat beeinflussen lassen. Auch dort spielen die Themen Inzest und andere außergewöhnliche Befriedigungsarten eine wesentliche Rolle, wobei Miike noch einen Schritt weiter geht, indem er Nekrophilie  mit aufnimmt. Während „Visitor Q“ mehrfach Preise erhielt, ging Kim Ki Duk mit „Moebius“ bisher leer aus.

In all seinen Filmen durchleuchtet Kim die moderne koreanische Gesellschaft. Er zeigt ein Bild aus Gewalt, Perversion und Egoismus. Seine Werke sind von unterschiedlicher Stärke (und es wäre schlimm, wenn ein Regisseur stets gleichwertige Filme schaffen würde). „Moebius“ gehört hier eher zu den schwachen Arbeiten des Meisters, der so gerne die koreanische Filmindustrie kritisiert und manchmal aus Protest Preisverleihungen fern bleibt.

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