Unter Anklage: Der Fall Harry Wörz und die Folgen – Ein Beitrag von Richard Albrecht

Zugegeben: ich kann mich nicht erinnern, seit den Filmen des Regisseurs Eberhard Itzenplitz (1926-2012) http://www.tvspielfilm.de/kino/stars/star/eberhard-itzenplitz,1578629,ApplicationStar.html in Sachen: Sozial- und Justizkritik als große Fernsehunterhaltung einen inhaltlich so authentischen und formal dramaturgisch so überzeugenden Fernsehfilm wie UNTER ANKLAGE gesehen zu haben.

Und auch die anschließende fernsehöffentliche ARD-Diskussion bei „Anne Will“ mit dem Betroffenem und einem seiner Rechtsvertreter ließ sich, mal abgesehen von einem als Landgerichter vorgestellten ganzdeutschen Berufsrichter als Biertischtypen, hören und sehen: http://www.ardmediathek.de/das-erste/anne-will/unschuldig-hinter-gittern-sind-justizirrtuemer-wirklich?documentId=19396334

UNTER ANKLAGE stand zunächst ein seit 1997 Falschverdächtigter – Harry Wörz: http://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/sendung/unter-anklage-der-film-harry-woerz-chronologie-des-realen-falls100.html Wörz wurde im Januar 1998 in einem Indizienprozess vom Landgericht Karlsruhe zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren wegen versuchten Totschlags verurteilt. Weil zudem ein Zivilverfahren gegen ihn eingeleitet wurde, konnte es, weil Harry Wörz nicht verzweifelte, sondern durchhielt und auch so zäh wie kundig anwaltlich vertreten wurde, zur Wiederaufnahme des Strafverfahrens und nach langen Jahren schließlich zum strafprozessualen Freispruch kommen.

UNTER ANKLAGE steht im Film das Rechts- und Justizsystem, das dieses krasse als „Fehlurteil“ bezeichnete Falschurteil hervorbrachte. Und das nun rumtrixt, um Herrn Wörtz nicht entschädigen zu sollen. Auch deshalb schieb ich am 31. Januar 2014 ins Gästebuch des Betroffenen:

Lieber H. Wörz
gut, daß es diesen guten Film über Ihren „Fall“ gab. Und gar nicht gut, daß Sie Ihrer gewiß nicht üppigen Entschädigung nachlaufen müssen. Auch deshalb kommt von mir als kleine Unterstützung einer großen Sache ein Prozent meines Jänner-Monatsnetto auf Ihr Spendenkonto. Mit solidarischem Gruß, RA.“


Der in Inhalt und Form überzeugende, etwa anderthalbstündige Fernseh(spiel)film UNTER ANKLAGE wurde am 29. April 2014 ab 20:15 Uhr im Ersten ARD gesendet (und bisher am 1. Februar 2014 in EINS FESTIVAL ab 20.15 Uhr wiederholt). Er steht inzwischen ungekürzt hier im Netz:

 

http://www.youtube.com/watch?v=dFk6DgIk2sY

Dr. Richard Albrecht lebt als unabhängiger Sozialwissenschaftsjournalist, Editor und Autor in Bad Münstereifel. Bio-Bibliographie http://wissenschaftsakademie.net e-Korrespondenzadresse eingreifendes.denken@gmx.net

 

 

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