Killer Toon – Die Wende im koreanischen Horrorfilm?

killer toon
„Killer Toon“ – Kinoplakat

Seit fast drei Jahren herrscht in den südkoreanischen Horrorfilmproduktionsstätten so etwas wie Lustlosigkeit und Einfallslosigkeit. Filme wie „White“ (2011), „Cat“ (2011) oder der groß angekündigte „Sector 7“ gehören eigentlich in die Kategorie Filme, die keiner braucht. Schlecht gemacht, motivationslos gefilmt und konfuse Storys, die sich ein oder mehrere Drehbuchautoren verzweifelt aus der Nase gezogen haben. Ein kleiner Lichtblick war 2011 zumindest „Ghastly“, der es jedoch aus unerfindlichen Gründen nicht bis nach Deutschland geschafft hat. Überhaupt sucht man zurzeit deutsche Veröffentlichungen aktueller koreanischer Horrorfilme beinahe vergeblich. Anders sieht es bei koreanischen Thrillern aus, die durch ihre hervorragende Machart glänzen.

Anfang 2013 wurde erneut ein Horrorfilm groß angekündigt. Die koreanische Werbetrommel wurde kräftig gerührt, um auf einen Film mit dem Titel „Web Toon“ aufmerksam zu machen. Kurzfristig wurde der Film jedoch in „Killer Toon“ umbenannt. Da die ästhetische Talfahrt des koreanischen Horrorfilms nicht zu übersehen ist, erfolgte unsere Sichtung daher mit äußerst gemischten Gefühlen. Doch dieses Mal waren wir umso mehr erstaunt, einen qualitativ erstklassigen Film zu sehen, der zusätzlich eine in sich geschlossene, intelligent konstruierte Handlung aufweist.

„Killer Toon“ – alternatives Kinoplakat

Die Geschichte ist schnell erzählt: Eine sonderbare Mordserie sucht Seoul heim. Die Morde gleichen den blutrünstigen Zeichnungen eines Internet-Comics (Web Toon), die von der Künstlerin Kang Ji-Yoon geschaffen wurden. Der Polizist Lee Ki-Cheol sucht nach einer Verbindung zwischen der Frau und den Opfern und kommt dabei einem unheimlichen Geheimnis auf die Spur.

„Killer Toon“ ist in Form eines Episodenfilms erzählt, dessen einzelne Geschichten jedoch eng miteinander in Verbindung stehen. Aus den einzelnen Bausteinen ergibt sich letzten Endes eine komplette, in sich geschlossene und durchaus interessante Story, in der beinahe jegliche Logikfehler ausgemerzt wurden. Man hat sich redlich Mühe gegeben, um dem Publikum nichts Halbgegorenes aufzutischen. Durch die einzelnen Comiczeichnungen, die wie eine Rahmengeschichte sämtliche Episoden zusammenhalten, erinnert „Killer Toon“ ganz entfernt an den Film „Creepshow“. Zum Glück aber kopierte Regisseur Kim Yong-Gyun nicht den Klassiker aus den 80er Jahren, sondern liefert eine düstere, teils ironische Gruselgeschichte ab, die mit den Aspekten urbaner Legenden hantiert.

Zusammen mit dem Horrorthriller „Doctor“, der die diesjährige koreanische Horrorsaison eröffnete, haben wir dieses Jahr bereits einen zweiten hervorragend gemachten Horrorfilm. Man stellt sich die Frage, aus welchem Grund in den letzten paar Jahren hauptsächlich Mist produziert wurde. Koreas Horrorfilmer können es noch immer. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die Filme im kommenden Jahr entwickeln werden. „Killer Toon“ zählte dieses Jahr zu den erfolgreichsten koreanischen Filmen. Im Sommer erreichte er Platz 2, gleich hinter „World War Z“. Vielleicht spornt dies ja Koreas Filmemacher dazu an, weiter an der Qualität ihrer Storys zu arbeiten.

killer toon screenshot
Durch die Verbindung von Comickunst und Horrorästhetik ist „Killer Toon“ ein Lichtblick in der derztigen koreanischen Horrorfilmflaute.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.