Vu-Den – Eine Art Nachruf

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Die Girls-Group Vu-Den in einem ihrer bekanntesten Outfits.

Die japanische Girlband Vu-Den (manchmal auch Biyuuden geschrieben) gibt es seit fast fünf Jahren nicht mehr. Dennoch besitzt sie noch immer sehr viele Anhänger. In diversen Foren über japanische Popmusik wird noch immer über die drei ehemaligen Band-Mitglieder Rika Ishikawa, Erika Miyoshi und Yui Okada diskutiert. Im Grunde genommen ist japanische Popmusik gewöhnungsbedürftig und damit nicht jedermanns Sache. Die Bandkonzepte reichen von typisch japanischer Kindfrau bis hin zu Punk und Adult-Konzepten. Vu-Den war in dieser Hinsicht ein echtes Phänomen, da diese Gruppe in keine der bisherigen Kategorien, in welche man japanische Popmusik einteilen kann, passte. Zugleich aber, und das macht sie ebenfalls zu einem Phänomen, spiegelten ihre Videoclips typisch patriarchale Frauenvorstellungen wider

Die Band wurde 2004 gegründet und 2008 aufgelöst. Das Ende der Band bleibt rätselhaft. Bestimmt lag es nicht daran, dass es zu einem Rückgang des Erfolgs gekommen wäre. Der Produktionsfirma Hello! Project zufolge wurde die Band aufgelöst, da die Gruppenmitglieder das 20. Lebensjahr erreicht hätten. Bizarr, aber so stand es in einer Pressemitteilung geschrieben. 2009 wurde die Band mit anderen Mitgliedern wiederbelebt, verschwand aber gleich wieder in der Versenkung.

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In dem Clip „Kacchoi ze! Japan“ wird auf eine lesbische Dreierbeziehung eingegangen.

Wie oben schon gesagt: interessant ist das Frauenbild, das in den Videoclips von Vu-Den wiedergegeben wird. Es liefert sämtliche Klischees, welche traditionelle japanische Männer von Frauen haben und die sich teilweise auch mit den Darstellungen in den japanischen Mangas decken. Hier ein paar Beispiele:

In dem Video „Kacchoi Ze! Japan“ wird eine Beziehung zwischen drei Frauen dargestellt. Der narrative Teil schildert, wie sich zwei Frauen in eine dritte Frau verlieben. Daraus resultiert eine kurze Eifersuchtsszene, die sich am Ende des Videos jedoch löst. Das heißt, die Umbuhlte geht schlicht und ergreifend eine Beziehung mit beiden Frauen ein. Dieses lesbische Konzept findet sich in vielen Mangas wieder und hat mit dem eigentlichen Song überhaupt nichts zu tun. Denn in diesem geht es nur darum, wie toll Japan ist.

Das Video „Issai gassai anata ni A-ge-ru“ schildert, wie sich drei ungeschickte Frauen abmühen, um jeweils gute und pflichtbewusste Hausfrauen zu werden. Hierbei ist auch der Text des Songs wichtig, in dem sich die Frau quasi dem Mann vollkommen unterordnet, um ihm zu diensten zu sein. Dies spiegelt nicht weniger eine patriarchale Perspektive wider. Traditionelle japanische Männer haben Angst vor emanzipierten Frauen. Sie möchten Frauen, die sich den Befehlen des Mannes fügen. Genau dies kommt letztendlich, wenn auch recht witzig dargestellt, in dem Clip zur Geltung.

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Vu-Den als ungeschickte Hausfrauen. Dies in dem Video „Issai Gassai“.

„Aisucream to my purin“ ist der umstrittenste Song des Trios. Viel wurde darüber diskutiert, ob der Text pornographischen Inhalts ist. Das Video selbst zeigt die drei Bandmitglieder in Bunny-Kostümen. Übersetzt bedeutet der Titel des Songs ungefähr „Eiscreme auf meinem Pudding“. Was zunächst verblüfftes Schulterzucken hervorruft, wird etwas klarer, wenn man annimmt, dass hier Pornobegriffe verballhornt werden. Dies wäre ein Indiz dafür, dass der Song in der Tat pornographischen Inhalts ist. Innerhalb des Pronogenres gibt es den Begriff Creampie. Dieser bezeichnet einen Geschlechtsverkehr mit innerer Ejakulation. Auf diesen Begriff scheint „Icecream to my Pudding“ anzuspielen. Dass dies eine durchaus plausible Möglichkeit darstellt, ergibt sich aus dem Clip selbst, der aufgrund der Kostüme auf erotische Zusammenhänge verweist.

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In „Jaja Uma Paradise“ geht es um Frauen, deren Freizeitbeschäftigung in der Hauptsache aus Shoppen besteht.

Ein viertes Beispiel wäre „Jaja Uma Paradise“, was man als „Frauenparadies“ übersetzen könnte. Darin geht es einfach darum, dass Frauen nichts anderes im Sinn haben, als einzukaufen. Kaufsucht als Hauptmerkmal für Frauen, verweist genauso auf eine traditionell geprägte japanische Einstellung und gibt eindeutige Klischees wieder. Einmal mehr drückt sich hierbei eine patriarchale Sichtweise auf.

Wie schon erwähnt, wurde die Band 2008 aufgelöst. Ihr letzter Song war zugleich eine Art Abschiedslied mit dem Titel „I love you“. Der Clip ist in Form eines Urlaubsvideos gehalten und vermittelt sozusagen die Botschaft: „Schön war’s.“ Hier trifft man auf keine Klischees oder traditionelle Sichtweisen. Es ist wirklich ein Rätsel, weswegen die Gruppe, trotz ihres Erfolgs, aufgelöst wurde. Sicher ist nur, dass sich damit die Produktionsfirma quasi selbst ein Bein stellte.

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