Kultur, Wissen, Narration – Eine Rezension

kultu wissen narration

Die Erzählforschung bzw. Narratologie ist eine transdisziplinäre Forschungsrichtung, die sich mit der Untersuchung von Erzählungen jeglicher Art beschäftigt. Sie ist daher notwendig für die Film- und Medienanalyse, aber auch die Sozialwissenschaften betrachten die Narratologie als wichtig, besonders wenn es um die Auswertung von Texten geht.

In diesem Sinne macht es die Erzählforschung den übrigen Kulturwissenschaften vor, deren Vertreter sich nur ungern mit Soziologen und anderen „Nicht-Kulturwissenschaftlern“ einlassen (siehe z.B. unseren Artikel über das Problem der Filmanalyse in Deutschland). Besonders im Zeitalter des Internets kommt der Narratologie eine wesentliche Bedeutung zu. Durch diverse soziale Netzwerke wandern „Ich-Erzählungen“, in denen die jeweiligen User etwas über sich preisgeben (gewollt oder ungewollt). Aber was wird überhaupt erzählt? Und wie wird erzählt? Aufgrund ihres interdisziplinären Ausrichtung ist es der Erzählforschung möglich, hier Licht ins Dunkel zu bringen. Durch ihre Verbindung mit der Psychologie oder – wie bereits erwähnt – der Soziologie, ist es durch bestimmte Methoden möglich, das Verhalten von Akteuren in einem virtuellen Raum zu erforschen.

Alexandra Strohmaier hat es sich in ihrem Buch „Kultur – Wissen – Narration“ zur Aufgabe gemacht, eine Art Rundumblick über das Gebiet der Narratologie zu wagen. Herausgekommen ist dabei ein Sammelband, der anhand zahlreicher Artikel veranschaulicht, auf welchem methodischen Stand sich die Erzählforschung befindet und mit welchen anderen Disziplinen interessante und durchaus bereichernde Informationen gewonnen werden können. So sind hier nicht allein Literaturwissenschaft und Medienwissenschaft vertreten. Der Blick reicht viel weiter, bis hin zu Kombinationen zwischen Narratologie und Physik. In diesem Sinne liefert der Band in der Tat originelle Perspektiven, die dazu anregen,  sich mit bestimmten Themen weiter zu beschäftigen. Doch gerade bei einer solch interessanten Vielfalt, hätte es eines Vorworts oder einer Einleitung bedurft, die nochmals einen Blick auf den derzeitigen Stand der Erzählforschung wirft. Leider bleibt Alexandra Strohmaier diesen schuldig. Das überaus kurze Vorwort stellt lediglich die verschiedenen Artikel vor. Trotzdem liefert „Kultur – Wissen – Narration“ einen hoch interessanten, vielfältigen und lehrreichen Einblick in eine faszinierende und überaus notwendige Disziplin.

Alexandra Strohmaier (Hg). Kultur – Wissen – Narration. Perspektiven transdisziplinärer Erzählforschung für die Kulturwissenschaften. Transcript Verlag 2013, 538 Seiten, ISBN: 978-3-8376-1650-7, 39,80€

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